„Unser Auftrag ist, zu allen menschen- und demokratiefeindlichen Einstellungen einen Gegenpol zu bilden!“ 
Rechtsextremismus in der Jugendarbeit

„Unser Auftrag ist, zu demokratiefeindlichen Einstellungen einen Gegenpol zu bilden!“

Warum radikalisieren sich junge Menschen? Welche Rolle spielen die sozialen Medien? Welche Herausforderungen und Potentiale zeigen sich im Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen?

Patrick Wallner ist als Bereichsleiter für Gemeindebezogene Jugendarbeit im SOS-Kinderdorf Schwarzwald verantwortlich für die offene und mobile Jugendarbeit sowie Schulsozialarbeit. Mit Extremismus befasst Patrick sich schon sehr lange. Seit 18 Jahren im Verein ist er seit 2008 zudem als kommunaler Rechtsextremismus-Berater tätig und seit 2021 Leiter des Regionalen Demokratiezentrums Breisgau-Hochschwarzwald.

Erfahrungen mit Rechtsextremismus in der offenen Jugendarbeit 

Aktuell wird viel über Extremismus, insbesondere Rechtsextremismus, in der breiten Öffentlichkeit gesprochen, aber mich begleitet das Thema schon sehr lange. Einer unserer Jugendtreffs, den ich 2006 als Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit übernommen und später auch geleitet habe, bestand aus 23 Jugendlichen im Alter von 16 bis 21 Jahren, von denen sich 22 dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet und sich entsprechend verhalten haben. So bin ich 2006 in die Materie quasi „reingerutscht“, hatte zu Rechtsextremismus jedoch kein fachliches Wissen. 
Über das Landesprogramm
Kompetent vor Ort. Gegen Rechtsextremismus“
habe ich dann eine Schulung zum kommunalen Rechtsextremismus-Berater gemacht. Das Wissen über regionale Entwicklungen, Codes, Styles, Musik, aber auch das Lernen von Argumentationslinien und Gegenstrategien haben mir sehr geholfen, um mit den Jugendlichen effektiv arbeiten zu können. Um ein Gespür für die Logik von Extremismen zu erhalten, war es im weiteren Verlauf dann auch wichtig, Entwicklungen aus anderen extremistischen Spektren ─ dem politischen Extremismus genauso wie dem religiös begründeten Extremismus ─ in den Blick zu nehmen. Akute Beratungseinsätze pro Jahr habe ich zwischen fünf und zehn.  

Warum radikalisieren sich junge Menschen? 

Für Radikalisierungsverläufe gibt es vielfältige Hintergründe: instabile soziale Bindungen, eigene Diskriminierungs- oder Defiziterfahrungen, Zukunftsängste oder Verunsicherungen durch soziale oder politische Herausforderungen, das Empfinden, benachteiligt zu werden, aber auch individuelle Identitätskrisen ... Eine Trennung der Eltern bedeutet zwar noch lange nicht, dass Kinder oder Jugendliche sich radikalisieren. Heißt aber womöglich, dass sie sich anderen „stabilen“ Bezugspersonen zuwenden, weil die Eltern es gerade nicht sind. Und diese vermeintliche Sicherheit finden sie unter Umständen in einer extremistisch orientierten Person bzw. Gruppierung, die ihnen das Gefühl vermittelt: Ich verstehe dich, ich bin für dich da! Bei entsprechender Grundvulnerabilität und in fragilen Lebenslagen kann diese dann auch leichter Einstellungen beeinflussen. Und: Wir sehen, dass das Durchschnittsalter, in dem junge Menschen sich radikalisieren, weiter sinkt. In Deutschland liegen wir aktuell bei 12 bis 13, in Frankreich bei 9 bis 10 Jahren. Eine Erklärung dafür könnte der immer früher stattfindende Zugang insbesondere zu digitalen Informationskanälen sein. 

Wo kommen junge Menschen mit Extremismus in Kontakt? 

Einstellungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit lassen sich auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen finden ─ und quer durch alle Altersgruppen. Auch sehr junge Kinder können damit in Berührung kommen. Kürzlich hatte ich einen Fall in einer Kita, wo es zu fremdenfeindlichen Äußerungen und extremistischen Verhaltensweisen von Kindern (und deren Eltern) gegenüber anderen Kindern kam. 
Hinzu kommt, dass es vor allem im Bildungs- und Freizeitbereich auch gezielt zu Unterwanderungen kommt. So werden vermeintlich „alternative“ Schulen gegründet, die jedoch ideologisch rechtes Gedankengut propagieren. Im Bereich Ferienfreizeiten versuchen insbesondere religiöse Sekten, junge Menschen für sich zu gewinnen – mit spannend klingenden Programmen und günstigen Angeboten. 

Social Media: Verstärker für hasserfüllte Inhalte und Propaganda 

Soziale Netzwerke sind für viele junge Menschen zunehmend die alleinige Informationsquelle. Und es ist bekannt, dass islamistische Organisationen, aber auch der politische Rechtsextremismus gezielt die sozialen Medien nutzen, v.a. die Kurzvideoplattform Tiktok, um Reichweite zur Verbreitung ihrer Ideologien bzw. von Desinformationen zu schaffen. Und das heißt auch: Je jünger die Konsumenten dieser kurzen „Informationsgaben“ sind, umso weniger Vorwissen und Informationshintergrund (geschichtlich, fachlich, sachlich…) liegt vor, was das  kritische Hinterfragen sehr erschwert. Zudem kommt, dass sie aufgrund der Algorithmen wie in einer „Informationsblase“ sind, da sie nur noch ähnliche Inhalte ausgespielt bekommen, die in der Summe Einstellungen bzw. bestimmte Tendenzen weiter verstärken.  

Extremisten: Mobilisierung in digitalen Räumen 

Ich beobachte, dass viele Kinder und Jugendliche thematisch zwar durchaus sehr breit aufgestellt sind, aber die Tiefe fehlt komplett. Weil sie in den meisten digitalen Formaten – mit Ausnahme vereinzelter Wissensformate – weder ausreichend Kontext noch die kritische Auseinandersetzung vermittelt bekommen. Wie behandle ich dann aber als Lehrer*in z.B. im Geschichtsunterricht in 45 Minuten ein Thema, wenn ich weiß, dass meine Schüler*innen es auf YouTube oder TikTok in Turbovariante erklärt bekommen? Zusammen mit sinkenden Aufmerksamkeitsspannen wird es tatsächlich auch für Schulen immer schwieriger, dieser Entwicklung etwas dagegen zu setzen – sofern man diese methodisch nicht aufgreift. Durch den „Overload“ an schnelllebigen Inhalten, dem insbesondere junge Menschen tagtäglich ausgesetzt sind, kann ich das Bedürfnis nach Vereinfachung, aber auch Einordnung von komplexen Zusammenhängen gut verstehen. Aber genau hier gewinnen Populisten und Extremisten die „Deutungshoheiten“, indem sie verlockend einfache, oft auch emotionalisierende Antworten auf komplexe Fragen und Herausforderungen bieten.  

Der Umgang mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen 

„Es ist unser pädagogischer Auftrag, zu menschen- und demokratiefeindlichen Einstellungen einen Gegenpol zu bilden!“ 

In die Diskussion gehen und Haltung zeigen

Immer wieder in die direkte Diskussion zu gehen, hilft! Denn meist haben wir es in diesem Alter eben noch nicht mit verfestigten extremistischen Einstellungen zu tun. Zur Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gehört Auflehnen und Ablehnen, was Gesellschaft so tut, ein Stück weit dazu. Dazu gehört dann aber auch, dass wir als Erwachsene genau da andocken und „Pfeiler“ bilden, an denen sie sich reiben können. Das bedeutet, auch mal der „Prellbock“ zu sein und diesen nicht immer einfachen Austausch auszuhalten. Um ihnen dann wieder neue Handlungsoptionen und Sichtweisen aufzuzeigen, sie zu eigenverantwortlichen Entscheidungen zu ermutigen und Wege zu finden, die Schritte dahin gemeinsam zu gehen. Ich diskutiere immer unter vier Augen und nie in der Gruppe. Mir ist wichtig, jeden einzelnen Jugendlichen ernst zu nehmen, zu eigenen Fragen und Gedanken zu ermutigen, was in Gruppenkonstellationen weit schwieriger ist. 

Grundrechte und demokratische Werte kennen

Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit: Wir müssen unsere demokratischen Werte kennen und erklären können, um menschen- und demokratieverachtende Argumentationen nicht einfach im Raum stehen zu lassen! Auch wenn meiner Erfahrung nach Grundwissen für die „Erstreaktion“ und den „Normalfall“ ausreicht, sollte man nie unvorbereitet in die Diskussion gehen. Denn die Jugendlichen sind ja selbst gut „geschult“, wenn die Indoktrination Wirkung entfaltet. So ist es auch völlig in Ordnung, das Gespräch auf einen anderen Tag zu vertagen, wenn man selbst noch nicht so weit ist. Ich habe dann auch offen gesagt: ‚Bei diesem Thema bin ich noch nicht so weit wie du; ich informiere mich und wir reden morgen (oder auch nächste Woche) wieder dazu.‘

Beziehungsarbeit und Wertschätzung

Die Grundvoraussetzung, um die Jugendlichen überhaupt wieder für neue Gedankengänge zu gewinnen, ist jedoch, mit ihnen eine Beziehung aufzubauen und ihnen mit einer wertschätzenden Haltung zu begegnen. 
„Du bist mir wichtig! Und deine Entwicklung ist mir wichtig!“
Ich habe den rechtsorientierten Jugendlichen immer wieder signalisiert, dass sie im Jugendtreff jederzeit willkommen sind. Gleichzeitig muss man aber auch klare Regeln formulieren: ‚Wenn ihr in den Jugendtreff kommt, hängt ihr bitte eure braunen Jacken ab. Und wenn ihr sie dann später wieder anziehen wollt, dann zieht sie an, aber ihr dürft sie auch gerne hängen lassen.‘ 
Tatsächlich sind von den 22 Jugendlichen fast alle irgendwann aus der Szene ausgestiegen. Von einem jungen Menschen, der stets derjenige war, der für Ordnung und reibungslose Abläufe im Jugendzentrum gesorgt hat und immer sehr zuvorkommend war, weiß ich, dass er in hohe Kader aufgestiegen ist. Er hat mir auch irgendwann gesagt: ‚Lass uns aufhören über das Thema zu diskutieren. Du wirst mich nicht überzeugen und ich dich auch nicht. Aber toll, wenn du bei anderen Dingen ein offenes Ohr für mich hast!‘ 

Herausforderungen und Potentiale

Ich arbeite in der offenen Jugendarbeit und sehe, dass einige junge Menschen ein erhöhtes Risiko aufweisen, in Radikalisierung zu rutschen oder bereits radikalisiert sind. Andererseits bietet die Jugendarbeit großes Potential, um gut gegenzusteuern. Denn gerade offene Jugendtreffs sind die Orte für demokratische Abläufe und Selbstwirksamkeitserfahrungen schlechthin: z.B. durch die enge Einbindung der Jugendlichen in Inhalte, Abläufe, Strukturen, Entwicklungen oder die Möglichkeiten, die eigene Meinung kundzutun, gehört zu werden und zu erleben, dass Ideen und Wünsche auch umgesetzt werden. Denn welche Optionen Demokratie „im Großen“ bietet, lerne und verstehe ich nur, wenn ich Demokratie tatsächlich auch im „Kleinen“, in meiner Lebenswelt, wahr- und aufnehme.  
Und wir haben den pädagogischen Auftrag, die Jugendlichen zu stärken, ihnen gesellschaftlichen Anschluss und auch Demokratiebildung zu ermöglichen. Das heißt auch: sie zu sensibilisieren für antidemokratische und menschenverachtende Inhalte und Ideologien, aber auch für Hate Speech und Fake News. 
„Wir werden nicht immer alle erreichen können! Das ist frustrierend, gehört aber zu unserer Arbeit.“ 
Denn meist wirken parallel bzw. im Hintergrund Strukturen und Organisationen mit teils sehr charismatischen Persönlichkeiten auf den jungen Menschen ein. Vor allem bei religiös begründetem Extremismus haben wir als pädagogische Einrichtung, mit unseren Personalschlüsseln (und mit überwiegend weiblichen Fachkräften aufgrund traditionell geprägter Rollenbilder) oftmals keine Chance, dagegen anzukommen. Dann können wir zwar immer wieder die Hand hinhalten, aber die „Gegenseite“ ist in der Regel zu stabil aufgestellt. Beim islamistisch motivierten Extremismus ist es in der Regel so, dass beim Anwerben neuer Mitglieder sehr viele richtig gut ausgebildete Personen auf einen Jugendlichen zugehen! Das heißt: Wenn ich als angeworbener Jugendlicher irgendeinen Bedarf oder eine Krise habe, zu welcher Tages- oder Nachtzeit auch immer, dann werde ich stets jemanden erreichen, der sofort für mich da ist!  

Empfehlungen für alle, die mit jungen Menschen arbeiten

Jugendarbeiter*innen, Lehrer*innen oder Ehrenamtliche sollten mit wachen Augen und Ohren durch den Berufsalltag gehen. Wie sehen die Lebens- und Medienwelten der Kinder und Jugendlichen aus? Was sind „Pull-Faktoren“ für Radikalisierungsprozesse?  
  • Grundwissen aneignen: Zu den in der jeweiligen Region vorherrschenden Extremismus-Formen. Was sind Merkmale und Präsentationsformen, z.B. Codes, Zahlen und Buchstaben, Runen oder Bilder?
  • Wachsam sein: Wo sind Auffälligkeiten bei den Kindern und Jugendlichen? Sind das bereits Entwicklungen, die auf Radikalisierung hindeuten? Im Verhalten, im äußeren Erscheinungsbild, in der Sprache? Z.B. Hineinsteigern in Fake News, Wiedergabe von Teilinhalten von Verschwörungstheorien, Fokussierung auf ein Feindbild, Formulierungen von „WIR … und DIE…“ (Abgrenzungstendenzen).   
  • Selbstreflexion: Wir alle denken in Kategorien, weil wir Struktur und Einordnung im Leben brauchen. Aber es ist wichtig, sich mit dem eigenen „Schwarzweiß- bzw. „Schubladen-Denken“ (bzw. eigenen latenten und verankerten Vorurteilen) auseinanderzusetzen und dieses immer wieder zu reflektieren. Wo muss ich z.B. meine Haltung neu hinterfragen? Und wo vielleicht auch einen Schritt zurück gehen und mich erklären dürfen auch im Sinne einer konstruktiven Fehlerkultur? 
„Eine Grundbedingung sollte sein, über Fortbildungen oder Supervisionen sich immer wieder selbst zu reflektieren.“ 
  • Vorverurteilungen vermeiden: Meine Erfahrung mit Jugendlichen ist: Je weniger sie vorverurteilt werden und in „eine Ecke“ gestellt werden, umso weniger fühlen sie sich in diese Richtung gedrängt und umso geringer ist die Chance, dass sie ein bestimmtes, gefährliches Gedankengut verinnerlichen. Denn wenn sie bereits in einer Ecke stehen, brauchen sie einen „Stabilisator“, den sie in extremistischen Bewegungen und deren Ideologien jederzeit bekommen. Und je mehr dieser dann stabilisiert, indem er Anerkennung, Sicherheit, Gemeinschaft und Zugehörigkeit oder auch Selbstwirksamkeitserfahrungen bietet, umso stabiler wird die Gruppierung. Und umso weniger Möglichkeiten haben wir dann auch zum Gegensteuern.  

Demokratiezentren: Unterstützung und Spezialisierung

Demokratie fördern. Vielfalt gestalten. Extremismus vorbeugen: Durch das Bundesprogramm
„Demokratie leben“
hat jedes Bundesland den politischen Auftrag, Demokratie aufrechtzuerhalten und dafür zentrale, demokratiefördernde Strukturen zu schaffen. Die sogenannten 
„Landes-Demokratiezentren“
arbeiten mit zahlreichen “Regionalen Demokratiezentren” vor Ort und im Sozialraum zusammen. Diese Fach- und Beratungsstellen mit spezialisierten Beratungsfachkräften bieten Jugendlichen und ihren Bezugspersonen, Fachkräften und Multiplikatoren, Akteuren aus der Zivilgesellschaft sowie Bildungseinrichtungen, Städten und Gemeinden Beratung sowie vielfältige Angebote in den Themenfeldern Demokratieförderung, Menschenrechtsbildung und Extremismusprävention.
SOS-Kinderdorf e.V. setzt das
Regionale Demokratiezentrum Breisgau-Hochschwarzwald
im gleichnamigen Landkreis mit Schwerpunkt auf Rechtsextremismus unter der Leitung von Patrick Wallner um. 

Beratungs- und Fachstellen: Intervention und Prävention vor Ort

Allein im Rechtsextremismus sind wir in so vielen kleinen Feldern unterwegs, von denen auch ich überhaupt keine Ahnung habe – trotz meiner langen Erfahrung. Nur ein Beispiel: Rechtsextremismus in der Musik ist ein unglaublich großes Themenfeld. Dafür haben wir im Demokratiezentrum auch
Angebote
sowie eine eigene Fachkraft.
„Für jedes Fachspektrum braucht es eigene Beratungsfachkräfte.“
Und im Bereich des religiös begründeten Extremismus sind die Entwicklungen rasant. Deshalb mache ich regelmäßig Schulungen und bin im Selbststudium, damit ich nicht den Anschluss verliere. Im Gegensatz zum Islamischen Staat (IS), der eher offenkundig agiert, arbeiten z.B. religiöse Sekten sehr „im Geheimen“, was es unglaublich schwer macht, überhaupt zu verstehen, was da passiert. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass es regional sehr unterschiedlich sein kann, mit welcher Extremismus-Form man sich vertiefender auseinandersetzen sollte. 

Basiswissen und Vertiefung

Einige
Angebote des Demokratiezentrums Baden-Württemberg
 eignen sich auch als „Multiplikatoren-Schulungen“ für Fachkräfte und Pädagog*innen z.B. an Schulen, um Wissen zu schärfen und Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Damit sie früher Tendenzen erkennen und selbst eingreifen können, bevor die Situation eskaliert und externe Hilfe notwendig ist. Meiner Meinung nach könnte jeder, der pädagogisch ein bisschen versiert ist, Allgemeinwissen aus dem Bereich Demokratiebildung auch selbst übernehmen. Wenn ich z.B. bei den Workshops
„WerteVoll“
oder
„Quararo“
 für Schulklassen feststelle, dass diese gut funktionieren, dann kann ich auch die Schulsozialarbeiter*innen an der Schule in diesen Workshops schulen, damit sie diese zukünftig selbst durchführen.
Es gibt aber auch vertiefende Schulungen, z.B. im Bereich Verschwörungstheorien oder auch in der Verbindung von Rechtsextremismus und Esoterik. Mit welchen Strukturen bzw. Organisationen haben wir es im Hintergrund zu tun? Gibt es hierzu Entwicklungen in der Region, die man im Blick behalten muss? Was sind Entwicklungsszenarien? In der Regel ist es dann auch so, dass wir in diesen Fällen immer zuerst individuell beraten, bevor wir auf
Angebote des Demokratiezentrums Baden-Württemberg
 zurückgreifen. 


Demokratiezentren: vielfältige Angebote

Basis-Workshops Demokratiebildung

Die Basis-Workshops, bspw. zu demokratischen Grundwerten oder auch klassische Argumentationstrainings gegen Rechts, sind einfach aufgebaut und eignen sich auch als Multiplikatoren-Schulungen.

Direktberatung für Betroffene

Von Hass und Übergriffen Betroffene ─ ob in einer Klasse, stationären Settings oder offenen Angeboten ─ benötigen spezialisierte Fachkräfte mit Detailwissen. Welche Auswirkungen hat ein Übergriff? Wie entgehe ich der Angstspirale?

Extremismus-Distanzierung

Wie gehen wir mit jungen Menschen um, die aussteigen wollen? Auch hierfür braucht es Qualifizierung im speziellen Arbeitsfeld – und Fachkräfte aus den Fachstellen.

Extremismusprävention und Demokratiebildung: externe Unterstützung ist notwendig

Ich bin froh darüber, dass es über die öffentlich finanzierten Strukturen wie bspw. die
Demokratiezentren
ein vielfältiges Angebotsspektrum gibt. Denn Fakt ist: In der Kinder- und Jugendhilfe gibt es zu wenig Fachkräfte! Und durch diesen Mangel noch weniger Kapazität und Freiräume im täglichen Doing für Spezialisierungen, z.B. in Demokratiebildung.  
„Träger der Kinder- und Jugendhilfe sind aktuell angewiesen auf externe Unterstützung.“
Klar ist aber auch: Wenn wir uns als Verein positionieren und Flagge zeigen, dann brauchen wir perspektivisch auch intern Fachkräfte, die die Ressourcen bekommen, sich mit Demokratiebildung und Extremismusprävention vertieft zu befassen.  

Interner Austausch und Vernetzung

Ich halte den internen kollegialen Austausch für sehr wichtig. Denn auch Vernetzung gibt Sicherheit. Wer hatte bereits Kontakt mit welchen Themen? Auch um schneller die Dimension einschätzen zu können: Kann ich den Fall allein bewältigen oder braucht es hierfür externe Beratung?
„Wir müssen nicht alles allein schaffen!“
Die Fachkraft muss nicht Leben retten. Aber sie sollte in der Lage sein, die Situation gut einzuschätzen, um dann entweder an die richtigen Stellen weiterzuvermitteln oder sich selbst Unterstützung zu holen. Wie der Sanitäter, der zum Unfallort gerufen wird, erste Hilfe leistet, aber nicht selbst operiert. 
(Interview: Mai 2024)

Fachpodcast zu Rechtsextremismus in der Jugendarbeit


#3: Warum radikalisieren sich junge Menschen? Wie gehe ich als Fachkraft mit rechtsorientierten Jugendlichen um? Darüber sprechen unsere Hosts Yvonne Kaiser und Benjamin Kieslich in der 3. Folge des Fachpodcasts „Alles Pädagogik!“ mit dem Extremismus-Experten Patrick Wallner vom SOS-Kinderdorf Schwarzwald. 
Jetzt reinhören!