Aktuelles
Neuer Höchststand bei Kindeswohlgefährdungen
03. August 2023
Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen hat 2022 einen neuen traurigen Höchststand erreicht: Laut Statistischem Bundesamt ist bei rund 62.300 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt worden. Das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie zuvor in Deutschland. Rund vier von fünf aller betroffenen Kinder waren unter 14 Jahre alt.
Auch die sehr akuten Fälle von Kindeswohlgefährdung – also jene, in denen eindeutig eine Gefährdung vorlag – sind 2022 im Vergleich zum Jahr zuvor stark angestiegen: um zehn Prozent auf 33.425 Fälle. Somit sind mehr als die Hälfte (53 Prozent) der betroffenen Kinder akuter Gefahr ausgesetzt.
In weiteren 68.910 Fällen lag nach Einschätzung der Jugendämter zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber ein erzieherischer Hilfebedarf vor. Dies zeigt dringlich, wie viele Familien in Deutschland auf Hilfe angewiesen sind.
Die meisten Kinder werden vernachlässigt
Die Behörden haben auch die Erscheinungsformen der Kindeswohlgefährdungen ausgewertet. Danach wiesen 59 Prozent der gefährdeten Kinder und Jugendlichen Zeichen von Vernachlässigung auf. Im Vergleich zu 2021 sind damit rund 14 Prozent mehr Kinder und Jugendliche von Vernachlässigung betroffen.
In weiteren Fällen gab es Hinweise auf psychische (35 Prozent), körperliche (27 Prozent) und sexuelle (fünf Prozent) Gewalt. Darunter gibt es auch einige Betroffene, die mehrere der Gefährdungsarten – also Vernachlässigungen, psychische, körperliche und sexuelle Gewalt – gleichzeitig erleben mussten.
So hilft SOS-Kinderdorf
SOS-Kinderdorf hilft akut, wenn Kinder in ihrem Wohl gefährdet sind, aber auch präventiv, damit es gar nicht erst so weit kommt. Wir stärken Familien frühzeitig mit Angeboten wie unserer Eltern- und Familienberatung oder begleiten überforderte Familien mit unseren ambulanten Hilfen im Alltag. Wenn es einmal doch so weit kommt und ein Kind aus seiner Familie genommen werden muss, versuchen wir gemeinsam mit der Familie, einen guten Weg zu finden.
* Hiervon ausgenommen sind rund 28.564 Inobhutnahmen aufgrund der Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge.
** Die Zahl „13 Minuten“ bezieht sich auf den Durchschnitt der Inobhutnahmen der letzten fünf Jahre (ohne die Zahl der Inobhutnahmen minderjähriger Flüchtlinge) und ist abgerundet.
Quellen: Statistisches Bundesamt Deutschland: Pressemitteilung Nr 304 vom 2. August 2023 sowie Nr. 246 vom 26. Juni 2023