Neuanfang in Browary
Der Ukraine-Krieg zwang Olena und Serhii mit ihren fünf Kindern in die Flucht. Nach dem Verlust ihres Zuhauses fanden sie Schutz im SOS-Kinderdorf Browary. Wie sie trotz aller Herausforderungen einen Neuanfang schaffen.
Die harmonischen Töne einer Ukulele durchdringen die Räume, gefolgt von der kraftvollen Melodie einer Geige. Im Haus von Olena und Serhii herrscht selten Stille, die Liebe zur Musik durchzieht die ganze Familie. Sie hilft ihnen dabei, die Erlebnisse der vergangenen zwei Jahre zu verarbeiten. Die Familie musste aufgrund des Ukraine-Kriegs ihr Zuhause verlassen und hat im SOS-Kinderdorf Browary Zuflucht gefunden.
Serhii und Olena sind seit elf Jahren Pflegeeltern und ziehen nun fünf Kinder groß: die Jungen Nikita (12), Mykola (13) und Daniil (16) sowie die Mädchen Nika (14) und Dasha (19). „Ich habe früher in einem Heim gearbeitet“, erzählt Olena. „Meine eigene Erfahrung beweist, dass ein Heim absolut keine Option für ein Kind ist, das von seiner Familie zurückgelassen wurde. Kinder brauchen liebevolle Fürsorge. Wir umsorgen unsere Kinder Tag für Tag, damit sie zu guten Menschen heranwachsen. Das ist unsere große Verantwortung.“
Flucht vor dem Krieg
Bis vor zwei Jahren wohnte die Familie noch in der Region Cherson. In den ersten Monaten des Ukraine-Kriegs wurde ihre Heimatstadt besetzt. Nach zwei Monaten des unerträglichen Lebens unter der Besatzung beschloss die Familie, nach Kiew zu gehen. Dort kamen sie im Frühjahr 2022 an und nahmen Kontakt zu SOS-Kinderdorf auf. Die Kinder erhielten Nachhilfeunterricht von SOS-Kinderdorf und konnten an verschiedene Aktivitäten im Jugendzentrum teilnehmen. Die Pflegeeltern erhielten zunächst Unterstützung durch Bargeld und psychologische Hilfe.
Umzug in das SOS-Kinderdorf Browary
Im Juni 2023 wurde der Kachowka-Staudamm zerstört. Die Familie erhielt die Information, dass ihr Haus, das in unmittelbarer Nähe des Staudamms liegt, überflutet wurde und komplett in Trümmern liegt. Die Hoffnung, dass sie eines Tages dorthin zurückkehren könnten, wurde zerstört. Daraufhin erhielten sie das Angebot, in eines der Familienhäuser im SOS-Kinderdorf Browary zu ziehen. Sie nahmen es dankbar an.
„Unseren Kindern und uns gefällt es hier sehr gut“, sagt Pflegemutter Olena. „Das SOS-Kinderdorf hat alles, was man für ein glückliches Leben braucht. Wir haben ein schönes großes Haus, umgeben von Wald. Es gibt eine Sporthalle und unsere Kinder besuchen nach wie vor das Jugendzentrum, machen Ausflüge und nehmen an verschiedenen Aktivitäten teil. Wir sind sehr dankbar für all diese Möglichkeiten.“
Bildungshürden überwinden
Die letzten Jahre des Kriegs haben die Bildungssituation der fünf Kinder stark beeinträchtigt. „Unsere Kinder haben erst im September 2023, nachdem wir in das SOS-Kinderdorf Browary gezogen sind, wieder mit dem Präsenzunterricht begonnen“, sagt Pflegevater Serhii. „Jetzt ist es schon viel besser. SOS-Kinderdorf stellt Laptops zum Lernen zur Verfügung. Außerdem bekommen unsere Kinder Nachhilfeunterricht, um ihre Defizite in Mathematik oder Ukrainisch aufzuholen.“
Freizeit im SOS-Kinderdorf Browary
Musik hat die Kinder schon ein Leben lang begeistert. Mykola und Nika spielen Geige, Ukulele und Klavier. Sie nehmen auch regelmäßig an Wettbewerben teil. „Ich begann mit der Musikschule in unserer Heimatstadt, als ich sechs Jahre alt war“, sagt der dreizehnjährige Mykola. „Zuerst wollte ich Gitarre spielen, aber dann bin ich zur Geige gewechselt. Ich habe Musik immer gemocht.“ Seine Schwester Nika hat zuerst mit dem Tanzunterricht begonnen und ist dann auf die Musikschule gewechselt. „Ich spiele gerne verschiedene Instrumente“, erzählt sie. „Ukulele spielen habe ich mir selbst beigebracht, indem ich mir YouTube-Videos angesehen habe.“ Ihre Schwester Dasha hat die Musikschule bereits abgeschlossen. Die Jungen Daniil und Nikita haben hingegen eine Leidenschaft für Sport und werden im Boxen und Fußball gefördert.
An den Wochenenden verbringt die Familie gerne Zeit zusammen und unternimmt zum Beispiel Fahrradtouren in Browary. Olena und Serhii versuchen das Leben für ihre Kinder so normal wie möglich zu gestalten. Trotz ihres gelungenen Neuanfangs tobt der Krieg weiterhin und wirft einen Schatten auf die ungewisse Zukunft der Familien in der Ukraine.
