Christina Constant* ist im SOS-Kinderdorf in Haiti aufgewachsen. Dank Zuwendung ihrer SOS-Kinderdorfmutter und guter schulischer Leistung kommt sie ihrem Traum, Krankenschwester zu werden, immer näher.
Als Christina Constant das Krankenhaus betritt, ist sie in Gedanken schon bei ihrem ersten Patienten: Heute soll sie zum ersten Mal allein eine Operation vorbereiten.
Christina Constant entwickelte ihren Berufswunsch Krankenschwester erst mit der Zeit. Als sie mit fünf Jahren ins SOS-Kinderdorf in Port-au-Prince gekommen ist, hatte sie noch keine Ahnung, dass sie eines Tages Leben retten wird. Ihre Familie hat bei dem verheerenden Erdbeben 2010 in Haiti ihr Zuhause verloren. Die Eltern waren verzweifelt, sie hatten keine Ersparnisse, um das Haus wieder aufzubauen und konnten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Sie entschieden sich, Christina Constant und ihre vier Jahre jüngeren Zwillingsbrüder, in einer SOS-Kinderdorffamilie in der Hauptstadt Port-au-Prince unterzubringen.
Erfolg in der Schule
Dank der intensiven Betreuung in ihrer SOS-Kinderdorffamilie konnte sich Christina Constant gut entwickeln. Bis zur 9. Klasse besuchte sie die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule im Stadtteil Santo. Im Anschluss daran wechselte sie auf die Sekundarschule, wo sie sehr gute Leistungen erzielte. „Ich habe immer besser verstanden, wie wichtig Bildung ist. Ich wollte mir eine Zukunft aufbauen und habe alles dafür gegeben”, erzählt Christina Constant heute. In naturwissenschaftlichen Fächern war sie besonders gut – darüber hinaus aber auch rhetorisch geschickt. Sie hat bereits mehrere Reden gehalten, sowohl im SOS-Kinderdorf als auch in der Schule.
Im Dezember 2018 wurde Christina Constant aufgrund ihrer hervorragenden Noten ausgewählt, an einer Reise nach Texas teilzunehmen. Es war ihre erste Reise ins Ausland. Einen Sommer lang wohnte sie bei einer texanischen Austauschfamilie. Dadurch konnte sie auch ihre Englischkenntnisse stark verbessern. Für sie ist es nach wie vor eine der schönsten Erinnerungen.
Krankenschwester im Krisenstaat
Mit ihrem guten Abschluss bewarb sich Christina an einer angesehenen privaten Krankenpflegeschule in Port-au-Prince. Sie hat ein gutes Einfühlungsvermögen, besonders für Kinder. Nach der Ausbildung möchte sie sich auf Anästhesie spezialisieren. In Haiti werden Pflegekräfte dringend gebraucht, da das Land unter einer schwachen Gesundheitsinfrastruktur und einem Mangel an medizinischem Personal leidet. Krankheiten wie Cholera und Malaria sind eine große Gefahr und die politische Instabilität schwächt das Gesundheitssystem zusätzlich.
Christina Constant wohnt mittlerweile allein, wird aber weiterhin von SOS-Kinderdorf bei der Miete und den Lebensmittelkosten unterstützt. So kann sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren und Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. Sie hat Kontakt zu ihren Eltern und zu ihren Zwillingsbrüdern, die inzwischen 15 Jahre alt sind und noch im SOS-Kinderdorf leben. In ihrem Alltag begegnet Christina Constant vielen Menschen, die dringend Hilfe brauchen. In solchen Momenten weiß sie: Sie ist auf dem richtigen Weg. Trotz der Herausforderungen, die das Land prägen, ist ihr Plan klar – sie möchte ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und unabhängig werden.
* Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert.
