Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes muss sich María Luisa allein um ihre vier Kinder kümmern. Mit Hilfe der SOS-Familienstärkung findet sie neuen Mut und bildet sich weiter.
María Luisas Laden ist klein und wirkt überladen – zwischen Kopierern, Druckern und Schreibwaren sitzt sie konzentriert an einer PowerPoint-Präsentation. 2018 gründete sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Pedro ein Unternehmen für Transkriptions- und Verwaltungsdienstleistungen. Da sie nach ihrem Linguistikstudium keine Anstellung fand, bot ihr die Selbstständigkeit eine Perspektive und flexible Arbeitszeiten, um sich um ihre vier Töchter – Elyta (9), Karla (13), Amaia (14) und Luz (18) – kümmern zu können.
Doch die Investition in neue Kopiergeräte brachte die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. „Ich erinnere mich noch an schlaflose Nächte“, erzählt María Luisa. „Stundenlang habe ich darüber nachgedacht, wie ich trotz der hohen Schulden meine Töchter ernähren kann.“ Pedro suchte Trost im Alkohol, wurde abhängig und starb wenige Monate später – ein Schock für die ganze Familie. Sein Tod hinterließ Ohnmacht und Leere und María Luisa wusste nicht, wie sie für ihre Töchter sorgen sollte.
SOS-Familienstärkung: Hilfe annehmen
Die alleinerziehende Mutter schämte sich zunächst und wollte nicht wahrhaben, dass sie mit der Situation maßlos überfordert war. Schließlich folgte sie dem Rat einer Bekannten und wandte sich an SOS-Kinderdorf. Alleinerziehende stehen im Fokus der Familienstärkung in Bolivien. „Als ich mich von einem Psychologen von SOS-Kinderdorf beraten ließ, fühlte ich mich endlich verstanden“, erzählt María Luisa. „Ich merkte, dass meine Überforderung in so einer Situation ganz normal ist. Wir entwickelten einen Plan für mich und meine Töchter.“
María Luisa begann mit Therapiesitzungen, die ihr dabei halfen, den Schmerz und die Trauer zu verarbeiten. SOS-Kinderdorf bot den Töchtern therapeutische Unterstützung bei der Trauerbewältigung an, sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen. Die älteren Töchter erhielten Berufsberatung, um ihre Interessen und Fähigkeiten besser zu erkennen. Die meisten Familien werden etwa drei Jahre lang betreut, um eine nachhaltige Unterstützung zu gewährleisten.
Digitale Kompetenzen aufbauen
Parallel dazu startete ein digitales Projekt, bei dem María Luisa und ihre Töchter an Computerkursen teilnahmen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Alter noch so gut den Umgang mit dem Computer lernen könnte“, gibt sie zu. Doch dank der Schulungen kann sie jetzt sicher mit Programmen und Online-Tools umgehen – und sie gezielt für ihr Geschäft einsetzen. „Ich bin keine einfache Schreibkraft mehr, sondern eine digitale Unternehmerin geworden“, sagt sie stolz.
Die älteste Tochter Luz wurde durch den Computerkurs und das Unternehmen ihrer Mutter dazu inspiriert, Systemtechnik zu studieren. Amaia entdeckte mithilfe von Online-Anleitungen ihre Leidenschaft für Handarbeiten. Gleichzeitig erweiterte María Luisa ihr Geschäftsangebot. Sie digitalisiert und transkribiert Texte, erstellt PowerPoint-Präsentationen und druckt sowie bindet Dokumente – vor allem für Lehrkräfte in ländlichen Gebieten. Außerdem verkauft sie Schreibwaren und Haushaltsartikel. Dank der Hilfe von SOS-Kinderdorf kann María Luisa heute allein für ihre Töchter sorgen.
