Unterstützung, die Lebenswege verändert
Chris hat Industrielle Fertigungstechnik studiert und sein eigenes Unternehmen gegründet. SOS-Kinderdorf hat nicht nur ihm, sondern auch seiner Mutter bei ihrer beruflichen Entwicklung geholfen.
Chris streicht sich seine schwarze Robe glatt und atmet tief durch. Hinter der Bühne hört er die Menge sprechen und lachen. Er ist nervös, gleich wird er aufgerufen, um sein Abschlusszeugnis entgegenzunehmen. Auf diesen Moment hat der 24-Jährige aus Bulawayo so lange hingearbeitet.
Chris wuchs mit vier Geschwistern bei seiner alleinerziehenden Mutter Chipo auf. Er war technikbegeistert und wollte unbedingt studieren. Chipo konnte die Kosten nicht aufbringen – obwohl sie ihm diese Chance unbedingt ermöglichen wollte. Ein Studium bedeutet gleichzeitig mehr Zukunftschancen.
Bildungsförderung im Fokus
Im Jahr 2021 startete SOS-Kinderdorf Simbabwe das Familienstärkungsprogramm in Chris‘ Nachbarschaft. „Meine Mutter hat SOS-Kinderdorf sofort kontaktiert und nach Unterstützung gefragt, als sie davon erfahren hat“, erzählt Chris. Und weiter:
„Als ich die Nachricht erhielt, dass SOS-Kinderdorf das Schulgeld für meine Geschwister und meine Studiengebühren übernehmen würde, konnte ich es kaum glauben. Meine Mutter hat vor Freude geweint, weil sie wusste, dass ich jetzt endlich meine Träume verfolgen kann.“
Chris begann daraufhin zu studieren: Industrielle Fertigungstechnik an der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technik in Bulawayo. Das Studium beschäftigt sich damit, Produktionsprozesse in der Industrie effizient, nachhaltig und hochwertig zu gestalten. Besonders in Simbabwe, wo extreme Dürre herrscht, ist es wichtig, Wasser und Energie in der Produktion zu sparen. SOS-Kinderdorf übernahm in den vergangenen Jahren seine Studiengebühren von bis zu 600 Dollar pro Jahr und bot ihm ein Mentorenprogramm während des gesamten Studiums.
Kochen zum Beruf machen
Auch Chris’ Mutter Chipo bekam finanzielle Hilfe von SOS-Kinderdorf, um sich Töpfe zu kaufen. Sie wollte sich ein Cateringunternehmen aufbauen. „Am Anfang war es nicht leicht“, sagt Chipo. „Ich wusste zwar, dass ich gut kochen kann, aber nicht, wie man ein Geschäft führt.“ Sie schloss sich mit ein paar Freundinnen zusammen und kochte auf Geburtstagen, kleinen Veranstaltungen in der Gemeinde und bei Versammlungen. Ihre köstlichen Gerichte überzeugten und sie erwirtschafteten sich damit ein regelmäßiges Einkommen. Mit dem Gewinn aus dem Geschäft konnte Chipo ihre Kinder immer besser unterstützen und war nicht länger auf die Finanzierung der Schulgebühren durch SOS-Kinderdorf angewiesen.
Vom Präsidenten geehrt
Chris hat im November 2024 sein Studium mit Bestnoten abgeschlossen. Er erhielt sogar eine Auszeichnung für das beste Forschungsprojekt des Abschlussjahrgangs. Seine Abschlussfeier wird ihm immer in Erinnerung bleiben: „Als ich die Bühne betrat, um meine Auszeichnungen entgegenzunehmen, brach die Menge in Beifall aus. Selbst der Präsident von Simbabwe war anwesend und setzte mir eine Krone auf. Es war eine riesengroße Ehre für mich. Meine Mutter stand im Publikum und war so stolz auf mich.“
Zusammen mit einem Freund hat Chris eine Firma gegründet, die technische Lösungen für Maschinen anbietet, die mit Druckluft, Flüssigkeitsdruck oder automatischer Steuerung arbeiten. Seine Pläne für die Zukunft stehen fest: Er möchte seine Firma vergrößern, um mehr Kunden zu gewinnen. Er arbeitet zudem als Mentor für SOS-Kinderdorf und sagt: „Ich möchte anderen helfen, ihre Träume zu verwirklichen, so wie mir die Chance gegeben wurde, meine zu verwirklichen.“
