Die große Hoffnung auf Regen
Farhiya geht auf ihrem Hof umher und sieht sich an, was von ihrer gescheiterten Ernte übrig geblieben ist. Sie reißt verschrumpelte Zwiebeln aus dem staubigen Boden. Die Kartoffelpflanzen sind vertrocknet.
Farhiya ist Mutter von vier Kindern und arbeitet als Landwirtin in der Region Darussalam, welche als eine der fruchtbarsten Gebiete Somalilands gilt. Die Landwirtschaft ist nach der Viehzucht der zweitwichtigste Wirtschaftszweig des Lands. Die durch den Klimawandel verursachte Dürre stellt Farhiyas Lebensgrundlage in Frage. Ihr fällt es schwer, ihre Kinder zu versorgen. „Zuletzt habe ich 2019 gute Regenfälle erlebt“, sagt sie.
Auf ihrer Farm baut Farhiya normalerweise Gemüse und Obst wie zum Beispiel Orangen-, Mango- oder Zitronenbäume an. „Wenn es Wasser gäbe, würden hier Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und Tomaten wachsen“, erklärt Farhiya, während sie unter einem Baum sitzt, um sich vor der heißen Sonne zu schützen. Misslungene Ernten bedeuten für die Mutter keine Nahrungsmittel, kein Einkommen und kein Saatgut für die nächste Anbauperiode.
SOS-Kinderdorf unterstützt Landwirtinnen und Landwirte
Die 31-Jährige ist nicht alleine mit ihrem Leid. Bereits 2017 und 2018 zerstörte der Zyklon Sagar viele landwirtschaftliche Ackerflächen. Im Jahr darauf litt das ostafrikanische Land zudem unter einer Heuschreckenplage. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium initiierte SOS-Kinderdorf ein Nothilfeprogramm, um Beschäftigten in der Landwirtschaft in Darussalam bei der Wiederherstellung ihrer Lebensgrundlage zu helfen.
Wie viele andere Landwirtinnen und Landwirte nahm auch Farhiya an einer Schulung von SOS-Kinderdorf teil. Landwirtschaftsexperten zeigten Praktiken auf, mit denen der Anbau besser gelingt. Zudem rieten sie ihr dazu, viele verschiedene Pflanzen anzubauen, die schneller reifen. „Als SOS-Kinderdorf zu uns kam, waren unsere Zitronen- und Mangobäume stark von den Heuschrecken befallen. Sie hatten alle Blätter gefressen und uns blieb gar nichts mehr“, erinnert sich Farhiya. „Die Schulung hat uns gezeigt, dass der Anbau von Gemüse gut für unser Geschäft ist.“ In der Folge konnte sie ihre Erträge wieder steigern und sogar vier Arbeitskräfte einstellen – zwei für den Anbau von Gemüse und zwei für die Obstbäume.
Dürre macht Erfolge zunichte
Heute sieht Farhiyas Leben wieder anders aus. Der große Fluss, der einst neben ihrem Hof floss, ist seit Monaten ausgetrocknet. Sie ist auf ihren Brunnen angewiesen, um ihre Bäume und Pflanzen zu bewässern, aber der Wasserstand sinkt. Deswegen bewässert Farhiya nur noch ihre Obstbäume und musste zwei Angestellte wieder entlassen. „Meine Ernte ist um 60 Prozent unter das normale Niveau gesunken“, sagt sie und blickt hilflos auf die vertrocknete Erde vor ihren Füßen. Wenn der Regen nicht bald kommt, wird sie gezwungen sein, nach einer alternativen Einkommensquelle zu suchen.
