Nikita blickt ernst beim Fußballtraining
Geflüchtet aus der Ukraine

Nikita ergreift seine Chance

Der 13-Jährige Nikita liebt Fußball und träumt davon, Profispieler zu werden. In seiner ukrainischen Heimat spielte er bei Dynamo Kiew, einem der weltweit besten Ausbildungsvereine. Doch dann kam der Krieg in die Ukraine und Nikita floh mit seiner Mutter nach Berlin. Dort kann er sein großes Ziel nun mithilfe von SOS-Kinderdorf weiterverfolgen. 
Nikita hält kurz inne, dann spielt er den Ball Fußballstar Erling Haaland zu. 32.000 Zuschauer toben. Für den 13-Jährigen geht ein Traum in Erfüllung. Beim Benefizspiel von Borussia Dortmund gegen Dynamo Kiew darf der gebürtige Ukrainer das Spiel anstoßen – sein Lieblingsverein gegen seinen Heimatverein. Wenige Minuten zuvor durfte er Hand in Hand mit den Kapitänen der beiden Mannschaften einlaufen: SOS-Kinderdorf Botschafter Marco Reus für den BVB und Sergiy Sydorchuk für Dynamo Kiew. In Kiew spielte Nikita selbst, seitdem er sieben Jahre alt war, in der Jugendmannschaft von Dynamo: „Mein Plan war in Kiew immer weiter zu spielen, damit mich dann später, wenn ich erwachsen bin, jemand entdeckt“, erzählt Nikita. Doch es kam alles ganz anders. 

Flucht aus der Ukraine

Es ist der 24. Februar 2022 – der Tag, an dem Russland in die Ukraine einmarschiert. Plötzlich knallt es laut vor den Fenstern der Wohnung von Ksenia und Nikita. Der 13-Jährige erinnert sich noch genau: „Erst habe ich nicht verstanden, was passiert ist“, meint er. Nikita und seine Mutter wohnten im Kiewer Stadtteil Nyvky. Die beiden packen schnell die nötigsten Dinge zusammen. Fünf Tage verbringen sie gemeinsam mit Dutzenden von anderen Menschen in einem Bunker, bis sie den Entschluss fassen, zu fliehen.
Anderthalb Stunden laufen Mutter und Sohn zu Fuß zur nächsten Metrostation. Die beiden haben Glück: Die U-Bahn ist noch in Betrieb und bringt sie zum völlig überfüllten Hauptbahnhof. Stunden vergehen, dann ergattern Nikita und seine Mutter einen Platz in einem Zug nach Polen. Über Polen gelangen sie schließlich nach Deutschland.

Hilfe vom SOS-Kinderdorf Berlin

In Deutschland werden Nikita und seine Mutter von SOS-Kinderdorf Berlin aufgenommen und bekommen eine Wohnung gestellt. Die Miete kann die Familie dank der Sozialleistungen zahlen, die sie gemeinsam mit SOS-Mitarbeitern beantragt hat. Die Mitarbeiter betreuen die beiden eng im Alltag und begleiten sie beispielsweise zu Behördengängen oder Arztbesuchen.

Ein neues Team für Nikita 

Damit Nikita seiner Leidenschaft für das Fußballspielen auch in Deutschland nachgehen kann, hat das SOS-Kinderdorf Berlin einen Verein für ihn ausfindig gemacht. Seit einiger Zeit trainiert der Junge bei Tennis Borussia Berlin. Rainer Kurzeder, Koordinator der Ukrainehilfe beim SOS-Kinderdorf Berlin, unterstützt Nikita tatkräftig: „Er ist ein herausragender Spieler.“
Nikita profitiert von der guten Vernetzung von SOS-Kinderdorf. Rainer Kurzeder hat bereits Kontakte mit einem Talentscout geknüpft. Noch darf Nikita nur bei Testspielen auflaufen, da er noch keine Spielberechtigung besitzt. Diese erhält er erst mit der Aufenthaltsgenehmigung und ab der neuen Saison. Gemeinsam mit SOS-Mitarbeitern haben Nikita und Ksenia die nötigen Anträge bereits gestellt.

Gedanken an die Heimat

Die 38-jährige Ksenia ist sehr stolz auf ihren Sohn. Doch immer wieder geht es ihr schlecht. „Das was in der Ukraine passiert, ich kann es einfach nicht …“, Ksenia bricht den Satz ab und greift weinend zum Taschentuch.
Auch Nikita hat mit der Situation zu kämpfen. Seine Eltern sind geschieden, der Vater ist inzwischen wieder nach Kiew zurückgekehrt. Die Angst davor, dass ihm etwas zustoßen könnte, ist groß.
Die Sorgen und Ängste teilen Nikita und Ksenia mit vielen anderen ukrainischen Geflüchteten. Haben sie Gesprächsbedarf und wünschen sich psychologische Unterstützung, können die Betroffenen die Erziehungs- und Familienberatung von SOS-Kinderdorf Berlin aufsuchen. Dort werden sie von erfahrenen Familientherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten betreut. 

Zukunft beim BVB? 

Zurück im Stadion: Der Schiedsrichter pfeift ab und ein aufregender Tag geht für Nikita zu Ende. Nach dem Spiel posiert er für Erinnerungsfotos mit seinen Lieblingsspielern Erling Haaland und SOS-Botschafter Marco Reus. Nikita ist überglücklich: „Das war ein ganz besonderer Moment. Wahrscheinlich einer der wichtigsten in meinem Leben“, sagt er. 

SOS-Kinderdorf in der Ukraine