Starthilfe nach der Flucht
Der Krieg zwang Marta und ihren 14-jährigen Sohn Marko dazu, ihre ukrainische Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu flüchten. SOS-Kinderdorf Berlin hilft der Familie seitdem im fremden Land Fuß zu fassen.
Ihre liebevoll gemalten Kunstwerke musste Marta zurücklassen. Einzig auf ihrem Handy hat die 33-jährige Künstlerin Fotos gespeichert, die an ihre Arbeiten erinnern. Stunden, Tage, manchmal Wochen und viel Hingabe hat die junge Frau investiert, um ihre Motive auf die Leinwand zu bringen. Am Ende entschied sie innerhalb von Minuten, die Bilder nicht mitzunehmen. Denn Marta ist gemeinsam mit ihrem Sohn Marko aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet.
Die beiden leben seit März 2022 in Berlin. SOS-Kinderdorf hat die Familie direkt bei ihrer Ankunft am Hauptbahnhof kennengelernt. Bis vor Kurzem kamen Mutter und Sohn gemeinsam mit Martas Schwester Olga in einer Wohnung von SOS-Kinderdorf im Stadtteil Moabit unter.
Erste Schritte mit SOS-Kinderdorf
Mitarbeitende von SOS-Kinderdorf kümmerten sich von Beginn an um die Anliegen der Familie. Immer mit dabei: Sprachmittlerin und Koordinatorin Diana Tkachuk. Die gebürtige Ukrainerin begleitete die Familie vor allen Dingen in den ersten Monaten zu Behörden, zum Supermarkt, zu Ärzten und unterstützte sie in rechtlichen Fragen. „Sie helfen uns bei allem, das ist eine große Unterstützung für uns. Alle sind sehr freundlich“, freute sich Marta kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland. Im SOS-Familienzentrum waren Marta, Marko und Olga oft gesehene Gäste beim Mittagstisch und nahmen auch andere Freizeitangebote wie Yogakurse in Anspruch.
Die Hilfe für die ukrainischen Geflüchteten habe sich in den letzten beiden Jahren stark verändert, meint Tkachuk. Brauchten die Familien anfangs noch konkrete und engmaschige Orientierungshilfe bei Fragen rund um die Job- oder Wohnungssuche, Sozialleistungen und das generelle Ankommen im neuen Land, richte sich die Hilfe heute nicht mehr an einzelne Familien, sondern seien „Projekte für viele“, erklärt Tkachuk weiter.
Viele Angebote für ukrainische Geflüchtete
Die Angebote für ukrainische Geflüchtete im SOS-Kinderdorf sind zahlreich. Mittwochs findet beispielsweise eine Sozialberatung statt. Die Mitarbeitenden beantworten Fragen zu Rechnungen, helfen beim Ausfüllen von Formularen und beantworten E-Mails. Der Fokus läge bei vielen Geflüchteten, die seit Längerem in Deutschland sind, jedoch auf dem Erlernen der deutschen Sprache, erklärt Tkachuk. In Sprachkursen seien sie schnell überfordert, beim Sprachcafé im SOS-Familienzentrum können sie eineinhalb Stunden lang „einfach drauf los“ sprechen.
Besonders beliebt ist der offene Treff, der jeden Samstag im Familienzentrum von SOS-Kinderdorf stattfindet. Bis zu 60 Ukrainer verbringen hier wöchentlich gemeinsam Zeit mit SOS-Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen bei Kaffee, Keksen und Kuchen. „Für diese zwei, drei Stunden sind sie abgelenkt“, erklärt die gebürtige Ukrainerin Tkachuk. „SOS-Kinderdorf ist ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können, sich ablenken können vom Kriegsgeschehen und nicht nur zu Hause sitzen und Nachrichten schauen.“
Besonders beliebt ist der offene Treff, der jeden Samstag im Familienzentrum von SOS-Kinderdorf stattfindet. Bis zu 60 Ukrainer verbringen hier wöchentlich gemeinsam Zeit mit SOS-Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen bei Kaffee, Keksen und Kuchen. „Für diese zwei, drei Stunden sind sie abgelenkt“, erklärt die gebürtige Ukrainerin Tkachuk. „SOS-Kinderdorf ist ein Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können, sich ablenken können vom Kriegsgeschehen und nicht nur zu Hause sitzen und Nachrichten schauen.“
Zukunft in Deutschland
Mithilfe von SOS-Kinderdorf haben Marko und Marta mittlerweile eine eigene Wohnung gefunden – ein wichtiger Schritt in die Eigenständigkeit. „Wie bei jeder Krise ist es das Beste, erst einmal eine Struktur und einen Alltag zu schaffen. Gerade für die Kinder ist das wirklich sehr, sehr wichtig“, erklärt Familientherapeutin Helen Pintier. Traumatische Erlebnisse können Betroffene bei ihr und ihren Kollegen in der Erziehungs- und Familienberatung verarbeiten.
Marko besucht derzeit eine Übergangsklasse mit anderen ukrainischen Kindern. Sprachmittlerin Tkachuk stand der Familie bei der Einschulung zur Seite. „Marko ist bestens sozialisiert“, beobachtet Tkachuk. Er sei selbstständig, habe eigene Freunde und auch seine Deutschkenntnisse seien auf einem guten Niveau.
Seine Mutter Marta lernt fleißig Deutsch und nimmt an einem Integrationskurs teil. Die 33-Jährige leitet inzwischen ein Kreativangebot für ukrainische Kinder im SOS-Kinderdorf Berlin. Und verbindet damit ihr altes Leben als Künstlerin in der Ukraine mit dem neuen Alltag in Deutschland. Marta will ihren Beitrag leisten und strickt, bastelt oder malt mit den Kindern. „Marta bringt ihnen etwas bei. Sie lernen wichtige Fertigkeiten“, freut sich Tkachuk. Oft entstehen anlassbezogene Produkte – in der Weihnachtszeit hat die Gruppe beispielsweise Schmuck und Mosaikuntersetzer für den Weihnachtsmarktstand von SOS-Kinderdorf hergestellt.
Seine Mutter Marta lernt fleißig Deutsch und nimmt an einem Integrationskurs teil. Die 33-Jährige leitet inzwischen ein Kreativangebot für ukrainische Kinder im SOS-Kinderdorf Berlin. Und verbindet damit ihr altes Leben als Künstlerin in der Ukraine mit dem neuen Alltag in Deutschland. Marta will ihren Beitrag leisten und strickt, bastelt oder malt mit den Kindern. „Marta bringt ihnen etwas bei. Sie lernen wichtige Fertigkeiten“, freut sich Tkachuk. Oft entstehen anlassbezogene Produkte – in der Weihnachtszeit hat die Gruppe beispielsweise Schmuck und Mosaikuntersetzer für den Weihnachtsmarktstand von SOS-Kinderdorf hergestellt.
Die Beschäftigung und Struktur helfen Marta und Marko dabei, besser in Deutschland Fuß zu fassen. „Anfangs hatten viele noch die Hoffnung, dass sie zurückkehren können, jetzt sei klar, dass sie hierbleiben. Das ist schwer zu verkraften“, weiß Sprachmittlerin Tkachuk. Marta hat ihre Situation akzeptiert. Auch wenn die Ukraine ihre Heimat bleibt, will sie sich in Deutschland ein Leben aufbauen: „Mittlerweile verstehe ich, dass ich das annehmen und weitermachen muss. Man muss sich um sich selbst kümmern. Man braucht die Kraft, um anderen helfen zu können.“
