Anlaufstelle für ukrainische Geflüchtete
Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine nach Deutschland flüchteten, stehen noch immer vor großen Hürden. SOS-Kinderdorf nimmt diese Menschen an die Hand und versucht ihnen den Start und das alltägliche Leben zu erleichtern. Ein Besuch in Brandenburg.
Im großen, hellen Raum mit Holzboden im Haus der Begegnung in brandenburgischen Pritzerbe deckt Ines Konzack eine lange Tafel mit Geschirr ein und bereitet Kaffee und Tee zu. Dazu gibt es Schokokekse, Obst und Toast mit Marmelade. Konzack ist Sozialpädagogin und Hauptverantwortliche für das mobile Familienzentrum im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Amtsbereich Beetzsee in Brandenburg.
Seit September 2019 reist Konzack mit dem SOS-Kinderdorfmobil von Ort zu Ort und bringt Angebote wie Elternsprechstunden oder Babymassagekurse in die fünf Gemeinden des Landkreises. Im Amt Beetzsee leben rund 8.000 Personen in allen dazugehörigen Gemeinden. Die Wege sind weit und nicht alle Familien mobil. Um den Familien weite Anfahrten zu ersparen, kommt Konzack zu den Familien und Kindern in die Dörfer und unterstützt dort, wo Hilfe gebraucht wird. Das Projekt berücksichtigt die Bedarfe in den Gemeinden. „Das mobile Familienzentrum möchte nicht mit bestehenden Angeboten konkurrieren, sondern diese ergänzen“, erklärt Konzack.
Muffins, Second-Hand-Kleidung und gute Gespräche
Jeden Dienstag treffen sich im Haus der Begegnung in Pritzerbe für mehrere Stunden Menschen aus der Ukraine, die vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflüchtet sind. Die Betroffenen werden von Konzack und einer Ehrenamtlichen seit April 2022 unterstützt. „Um den Ukrainern die Möglichkeit zu geben, hier in Deutschland besser anzukommen“, erklärt Konzack. Als Erstes trifft Julia mit ihrer Familie ein, mitgebracht hat sie Muffins, verziert mit Gesichtern aus Zuckerguss. Die Familie und Ines begrüßen sich freundschaftlich und nehmen einander in den Arm. Ines Konzack hat die „Ukris“ tief ins Herz geschlossen, wie sie sagt. Julia kam gemeinsam mit ihrem Mann Alex und ihren beiden Söhnen im Sommer 2022 nach Deutschland.
Der Familie haben Ines Konzack und Rosi, wie den meisten der Ukrainer, die zum Treff kommen, eine Wohnung in der Umgebung vermittelt. Viele hätten inzwischen längerfristige Mietverträge unterschrieben – ob sie wirklich in Deutschland bleiben, müsse sich aber noch zeigen, meint Konzack.
Kurz darauf stößt auch die ehrenamtliche Unterstützerin Rosi, eine freundliche Frau mit Brille und offener Art dazu. Die Rentnerin ist neben Konzack eine wichtige Ansprechpartnerin für die Geflüchteten. Sie ist in der Gegend aufgewachsen und sehr gut im Umkreis vernetzt. „Rosi ist das Beste, was mir passieren konnte“, schwärmt auch Konzack. Die Endsechzigerin packt gerne tatkräftig mit an. Rosi bringt heute mehrere Tüten mit Second-Hand-Kleidung aus der Nachbarschaft mit ins Familienzentrum. Die Geflüchteten freuen sich über die Möglichkeit, etwas Geld zu sparen. Viele von ihnen haben noch keinen Job.
Hilfe zur Selbsthilfe
Während die Kinder im Nebenraum spielen, tauschen die Erwachsenen beim gemeinsamen Kaffeetrinken die neusten Ereignisse untereinander aus. Irina berichtet von ihrer neuen Wohnung, Maria gibt ein Update, wie es im Deutschkurs läuft. Einige andere Frauen haben Formulare mitgebracht, die sie für die Weiterbeantragung des Bürgergelds ausfüllen müssen. Musste Konzack anfangs noch oft unter die Arme greifen, können die Ukrainer Formulare inzwischen meistens selbstständig ausfüllen – Rosi oder Ines Konzack werfen aber oft noch einmal einen Blick darauf und überprüfen die Angaben. Maria ist froh, dass sie sich bei Fragen an die beiden wenden kann. „Sie können helfen“, sagt sie.
