Durchführung des Verbundprojekts
In den oben skizzierten Teilprojekten werden verschiedene Settings der familialen Betreuung erprobt, fachlich begleitet und evaluiert. Daran beteiligt sind sowohl die Fachkräfte als auch die Kinder und Jugendlichen, die dort leben.
Fachliche Begleitung der Teilprojekte
Die fachliche Begleitung führt das Referat Angebots- und Qualitätsentwicklung von SOS-Kinderdorf e.V. durch. Dadurch sollen rechtzeitig Herausforderungen bei der Erprobung erkannt und passgenaue Unterstützung angeboten werden. Zugleich werden fachliche Grundsätze vermittelt, die für die pädagogische Qualität und gelingende Familialität in den Kinderdorffamilien wichtig sind. Bausteine der fachlichen Begleitung sind u.a.:
- Einrichtungsübergreifende Workshops und digitale Austauschformate
- Eine begleitende Beratung der einzelnen Einrichtungen und Unterstützung bei der Reflexion und Weiterentwicklung der strukturellen Rahmenbedingungen und der familialen Prozesse
- Entwicklung von Materialien zu Doing Family während der Projektlaufzeit
Systematische Auswertung der Teilprojekte
Die Evaluierung der Teilprojekte erfolgt durch das
Sozialpädagogische Institut (SPI) von SOS-Kinderdorf e.V. und das
Neukirchner Jugendhilfe Institut (Prof. Dirk Nüsken, Evang. Hochschule Bochum). Dabei kommen folgende Erhebungsmethoden zum Einsatz:
- Leitfadengestützte Interviews mit Fach- und Leitungskräften
- Gruppendiskussionen mit Fachkräften
- Phasen teilnehmender Beobachtung in den unterschiedlichen Settings
- Gruppenbefragungen mit Kindern und Jugendlichen (teilweise)
In der Evaluation wird die Umsetzung der Familialen Betreuung untersucht: Es wird in den Blick genommen, wie Familialität hergestellt wird und ob die Rahmenbedingungen der Angebote passend sind.
In den einrichtungsübergreifenden Workshops im Rahmen der fachlichen Begleitung werden die jeweiligen Zwischenergebnisse der Evaluation den Fachkräften zurückgespielt und mit ihnen diskutiert. Auf dieser Grundlage können die Konzepte der familialen Betreuung entsprechend weiterentwickelt werden.
Familiale Betreuung: Rahmenbedingungen für Fachkräfte notwendig
Öffentliche Erziehung in familialer Atmosphäre zu gestalten, stellt hohe Anforderungen an das professionelle Handeln der Mitarbeitenden. Deshalb muss sichergestellt werden, dass das Leben und Arbeiten in der familialen Betreuung für die Fachkräfte nicht zu einer andauernden Überforderungssituation wird. Hierfür sind förderliche Rahmenbedingungen und verbindliche Standards notwendig.
- Die Mitarbeitenden brauchen eine entsprechende Qualifizierung, fachliche Unterstützung durch Leitungskräfte und Fachdienste sowie ausreichend Raum für kollegialen Austausch und Supervision.
- Angemessene Anstellungsbedingungen und eine bedarfsgerechte personelle Ausstattung sorgen für Entlastung in einem intensiven Betreuungsalltag und machen individuelle Auszeiten möglich, die es zum Kraftschöpfen braucht.
Nur mit entsprechenden Rahmenbedingungen kann gewährleistet werden, dass es jungen Menschen in der familialen Betreuung gut geht und damit auch der Kinderschutz jederzeit sichergestellt wird.
Den Kinderschutz sicherstellen
Aufgrund des Personalschlüssels und der größeren Privatheit haben familiale Modelle ein grundsätzlich höheres Risiko als andere stationäre Betreuungsformen, zu einem geschlossenen System zu werden. Die für das Aufwachsen von Kindern förderlichen Bedingungen in familialen Settings, wie konstante Bezugspersonen, Überschaubarkeit und Kontinuität, müssen flankiert werden durch Schutzmaßnahmen, die die Unversehrtheit der betreuten Kinder sicherstellen. Daher gehört neben der fachlichen Begleitung sowie der Reflexionsbereitschaft von Fachkräften ein systematisiertes Kinderschutzsystem zur Basis des pädagogischen Alltags. Dazu zählen insbesondere kindgerechte Beteiligungsformen und Beschwerdemöglichkeiten.
Als Träger der Jugendhilfe trägt SOS-Kinderdorf dafür Verantwortung, dass die fachlichen Standards der Kinder- und Jugendhilfe erfüllt werden. Hierzu zählt auch die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie.
Quellen:
Jurczyk, Karin/Lange, Andreas/Thiessen, Barbara (Hrsg.) (2014): Doing Family. Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist
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