Aktuelles
Welt-Down-Syndrom-Tag in der SOS-Kita
19. März 2024
Dorian aus der gelben Gruppe in der SOS-Kita in Dießen hat Trisomie 21. Warum das besonders ist, wie er von der Frühförderung profitiert und was das mit zwei verschiedenen Socken am 21. März zu tun hat …
Dorian läuft los, als er Josefine aus seiner Kindergartengruppe sieht. Die beiden umarmen sich innig. „So möchte ich in der Früh auch gerne begrüßt werden,“ sagt eine Mutter im Vorbeigehen. „Das ist eine Besonderheit an meinem Sohn,“ erzählt Astrid Karl, Mutter von Dorian. „Er hat so viel Liebe zu geben und geht viel offener auf Menschen zu als ich etwa.“
Der fünfjährige Dorian hat das Down-Syndrom oder Trisomie 21. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das Chromosom 21 dreimal vorhanden – daher der Name Trisomie 21. Die Betroffenen haben somit 47 statt 46 Chromosomen in den Zellkernen. Es gibt unterschiedliche Formen dieser genetischen Abweichung. Mit 95 Prozent tritt die sogenannte freie Trisomie 21 am häufigsten auf. Dabei weisen alle Körperzellen das dreifache Chromosom 21 auf. Die geistige und körperliche Entwicklung verläuft anders als bei anderen Menschen.
Einfach miteinander reden und verstehen
„Durch seine Muskelhypotonie muss mein Sohn Bewegungen intensiver üben als andere Kinder,“ sagt Astrid Karl. „Er braucht mehr Kraft, um Körperspannung aufbauen und halten zu können.“ So ist für Dorian Hüpfen und Springen anstrengender als für andere Kinder. Die geringere Körperspannung wirkt sich ebenfalls auf die Kiefermuskeln aus: Sprechen lernen ist für ihn mühsamer und benötigt mehr Zeit. Besonders sensibel ist Dorian für Reize aus seiner Umwelt. Manchmal wird ihm einfach alles zu viel, das Schnelle und Viele im Hier und Jetzt überfordert ihn. Er braucht länger als andere Kinder, um manche Bewegungen und Inhalte zu lernen.
Am 21.3. ist Welt-Down-Syndrom-Tag, an dem auf die Lebenssituation von Menschen mit Trisomie 21 hingewiesen wird. Auch Astrid Karl ist es wichtig, zu informieren: „Das Down-Syndrom ist keine Krankheit!“ betont sie. „Wer mehr über Trisomie 21 wissen will, kann jederzeit auf mich zukommen und fragen.“ Für sie sei es essenziell, dass ihr Kind sich in der Mitte der Gesellschaft aufgehoben fühlt. Dabei ist Dialog und gegenseitiges Verständnis wesentlich.
In der gelben Gruppe der SOS-Kita in Dießen fühlt sich Dorian wohl. Die integrative Gruppe ist mit 15 Plätzen, einschließlich fünf Integrationsplätzen, kleiner als eine Regelgruppe. Sie ist in einem ehemaligen Familienhaus des SOS-Kinderdorfes untergebracht. Eine Heilpädagogin und ihr Team kümmern sich intensiv um alle Kinder. Die gute Vernetzung mit der Außenstelle der SOS-Frühförderstelle ist hier deutlich spürbar. Ein Haus weiter – im Haus Mosaik – begleiten Fachkräfte der Heilpädagogik, Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, sozial-emotionalen Defiziten, motorischen Schwierigkeiten oder Sprachentwicklungsverzögerungen, aber auch Behinderungen. Kurze Wege fördern den engen Austausch.
Frühförderung wirkt
„Die Absprachen in unserem interdisziplinären Team erleichtern unsere Arbeit mit den Kindern ungemein,“ erläutert Nicole Mathauser, Heilpädagogin in der Außenstelle der SOS-Frühförderstelle in Dießen. „Wenn pädagogische und medizinische Fachkräfte Hand in Hand arbeiten, ist eine individuell angepasste Therapie leichter zu verwirklichen.“ In der Frühförderstelle werden Kinder von null bis sechs Jahren unterstützt; alle Angebote sind kostenlos. Inhaltlich unterscheidet sich die Förderung je nach Kind: Hilfen beim Sprechen lernen oder das Stärken des Selbstvertrauens ist genauso Teil der Arbeit in der Frühförderung wie das Trainieren der Grob- oder Feinmotorik. Alle Angebote finden in einem geschützten Rahmen statt und sollen Strategien an die Hand geben, die den Alltag der Kinder erleichtern und ihnen Druck nehmen. „Neben der engen Zusammenarbeit im Team ist der Austausch mit den Eltern enorm wichtig,“ erläutert Nicole Mathauser. „Zwei- bis dreimal im Jahr findet ein Runder Tisch statt, an dem sich Mitarbeitende der jeweiligen Kita, der SOS-Frühförderstelle bzw. externe Therapeut*innen und die Eltern zusammensetzen. Sie reden darüber, was ein Kind geschafft hat und welche Ziele man sich gemeinsam setzen will.“ So kann jede Therapie immer wieder individuell angepasst werden.
Dorian kommt dreimal die Woche zur heilpädagogischen sozial-emotionalen Förderung, zur Physiotherapie und Logopädie. Er bastelt, spielt und baut. Er klettert, balanciert und läuft. Er übt das Bilden von Lauten und Worten. Und die regelmäßigen Übungen helfen. „Je früher man anfängt, desto besser,“ erläutert Astrid Karl. „Je nach Ausprägung der Trisomie 21, aber auch je nach sinnvollem regelmäßigen Therapieangebot, können Betroffene im Erwachsenenalter eigenständig leben und arbeiten.“ Sie wünscht sich, dass – trotz langsamerer Entwicklung in manchen Bereichen – Menschen mit Down-Syndrom nicht als „krank“ oder gar „dumm“ abgestempelt werden. Sie haben manchmal einfach andere Strategien, mit Situationen umzugehen.
Inklusion in Kita und Schule
Gerade im Kindergartenalter gibt es viele gute Möglichkeiten, Kinder zu fördern – sei dies in inklusiven Gruppen oder in der Frühförderung. Schwierig werde es dann ab der Schule. „Hier wünsche ich mir mehr Sensibilität und Inklusion,“ sagt Astrid Karl. „Wir sollten versuchen, unterschiedliche Menschen mit ihren Eigenheiten besser zu integrieren – auch im Schulsystem.“
In der SOS-Kita wird am Welt-Down-Syndrom-Tag eine Sockenaktion gestartet: Alle ziehen an diesem Tag zwei verschiedene Socken an – unter der Maxime "Wir sind alle unterschiedlich – unsere Socken sollten es auch sein!" Spielerisch soll Vielfalt aufgezeigt und Inklusion gelebt werden.
In der SOS-Kita wird am Welt-Down-Syndrom-Tag eine Sockenaktion gestartet: Alle ziehen an diesem Tag zwei verschiedene Socken an – unter der Maxime "Wir sind alle unterschiedlich – unsere Socken sollten es auch sein!" Spielerisch soll Vielfalt aufgezeigt und Inklusion gelebt werden.
Aber Kinder sind sowieso oft unvoreingenommener als Erwachsene. Je mehr Aufmerksamkeit und Verständnis vor allem Erwachsene aufbringen, desto einfacher wird es für Menschen mit Trisomie 21 in allen Lebenslagen – findet Astrid Karl. Ihre Familie ist Mitglied im Verein „einfach mehr e.V.“ – ein Verein für Menschen mit Trisomie 21 und deren Familien im Pfaffenwinkel. „Wer mehr über Trisomie 21 erfahren oder sich über Erfahrungen austauschen will, kann sich gerne an mich oder den Verein wenden,“ sagt sie. Weitere Infos unter https://einfachmehr.org/
Tag der offenen Tür
Am 19. April 2024 findet von 15 bis ca. 17 Uhr in der gesamten SOS-Kita, Hermann-Gmeiner-Straße 1-21, ein Tag der offenen Tür statt. Hier können sich interessierte Eltern über alle Angebote informieren und sich die Räumlichkeiten anschauen – die gelbe Gruppe öffnet ihre Türen ebenfalls.