»Das Team strahlt so viel Zuversicht aus«
– sagt unser ehemaliger Mitarbeiter Andi über das Erfolgsrezept der Freiburger StraßenSchule und berichtet über seine Höhen und Tiefen im Schwerpunktbereich Flexible Begleitung.
Freiburg, im Winter 2019: Die Wohnung ist gestrichen, das Auto gepackt, der Abschied emotional – Sozialarbeiter Andi zieht aus privaten Gründen weg aus unserer Stadt. An seinem letzten Arbeitstag wollten wir von ihm wissen: Was bedeutet „Freiburger StraßenSchule“ für ihn? Was nimmt er an „Gepäck“ von hier mit?
»Ich bin noch ganz unsortiert und nehme erstmal so vieles mit. In meinen letzten Stunden Flexible Begleitung ging es zusammen mit einem Straßenjugendlichen um die Sicherung seines Lebensunterhalts im Spannungsfeld Elternhaus - Behörden - Jugendhilfe. Amtsdeutsch und das Zuständigkeitspingpong verschiedenster Stellen sind für ihn wie ein undurchsichtiger Dschungel. Mit einem Bewohner eines unserer Wohnprojekte war es anschließend wichtig, die Küche gemeinsam aufzuräumen, als Vorbild zu dienen. Allein weiß er noch nicht, wie er da ran gehen soll, lässt alles stehen und gerät dann in Konflikt mit den Mitbewohner*innen. Ganz anders der Gesprächsbedarf eines Mädchens, das kaum noch schlafen kann. Wo könnten die Ursachen liegen und was könnte Verbesserung bringen?
Was mich total geschmerzt hat, war zu sehen, wie brutal alleine die jungen Leute erst einmal sind. Also richtig alleine. Dass die Flexible Begleitung dann auf jede*n individuell eingeht, hat die Situation sehr oft entspannt und für mich unglaublich spannend gemacht.
Ich kann mir vorstellen, dass es für die jungen Leute sehr erleichternd ist, dass wir da sind; gleichzeitig ist die Grenze zur „Bevormundung“ manchmal dünn, weil wir viel verlangen. Oftmals geht es darum, durch Spiegelung und Feedback zusammen zu erkennen, was ausgeblendet wird, welche Strategien entwickelt worden sind, um sich von dem abzulenken, was im Leben gerade nicht funktioniert. Selbstkonfrontation kostet enorm Kraft und Mut. Und wir fordern dranzubleiben. Das ist eine sehr intensive Beziehungsarbeit. Da muss man, bei aller professionellen Distanz, voll in die Emotion rein, um zusammen weiterzukommen.
Toll ist, dass die Freiburger StraßenSchule mit ihrem Ansatz bei den jungen Leuten trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ein richtig gutes Standing hat. „Dich als Person nehmen wir an und die Türen bleiben offen, auch wenn wir nicht jede Entscheidung gutheißen oder du wieder gehst“ – das kommt an. Ich glaube, das Team strahlt außerdem eine unglaubliche Zuversicht aus. Deshalb kommen die jungen Leute gerne. Deshalb lassen sie einen in ihre Welt rein. Dass ich jetzt gehe, das geht mir ziemlich nah, gerade auch bei jenen, mit denen ich mich gerieben habe.
Es ist aber ein gutes Gehen, wenn die jungen Leute dabei lernen, dass Beziehungen auch positiv enden können.«
Es ist aber ein gutes Gehen, wenn die jungen Leute dabei lernen, dass Beziehungen auch positiv enden können.«