Lösungen für den Fachkräftemangel in den Hilfen zur Erziehung

20. März 2024

Der Fachkräftemangel gilt als eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Bis 2035 werden durch die heutige Altersstruktur deutschlandweit sieben Millionen Fachkräfte den Arbeitsmarkt verlassen, laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
Insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ist der Mangel schon heute gravierend: So fehlen in den Bereichen Sozialarbeit und Kinderbetreuung bereits über 40.000 Fachkräfte – Tendenz steigend, so zu lesen im Forschungsbericht des Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Appell: Bundesregierung muss verstärkt Hilfen zur Erziehung in den Blick nehmen

Die im Oktober 2022 veröffentlichte Fachkräftestrategie der Bundesregierung sollte das zentrale Instrument zur Behebung dieses Mangels werden. Die Strategie beschränkt sich vorwiegend auf den Fachkräftebedarf der Wirtschaft.
Die demografischen Veränderungen werden jedoch auch gravierende Auswirkungen auf die Jugendhilfe und angrenzende Systeme wie z.B. Schule oder das Gesundheitswesen haben. Soweit die Fachkräftestrategie soziale Berufe in den Blick nimmt, bezieht sie sich auf KiTas, Hort und Kindertagespflege. Fachkräfte im Bereich der Hilfen zur Erziehung werden aktuell nicht genannt und sind nicht Gegenstand der Strategie.

SOS-Kinderdorf fordert zusätzliche Fachkräfte für die Erziehung

Für das Arbeitsfeld der Hilfen zur Erziehung möchte SOS-Kinderdorf mit diesem Policy Paper Lösungsvorschläge in die Diskussion einbringen.
  • Die Qualifizierung und Gewinnung zusätzlicher Mitarbeitender durch eine Entbürokratisierung der Einstiegshürden ins Arbeitsfeld, eine vereinfachte Anerkennung von Qualifikationen und eine verbesserte Verbindung von Ausbildung und Praxis.
  • Die Ermöglichung und Förderung des Einsatzes multiprofessioneller und multifunktionaler Teams. Es muss Trägern ermöglicht werden, Quereinsteiger*innen, Ehrenamtliche und Zugewanderte (schneller) einzustellen und ihnen Perspektiven zu bieten.
  • Die Steigerung der Attraktivität der Hilfen für Erziehung. Notwendig dafür ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, der vermehrte Einsatz von digitalen Tools sowie eine Kampagne zur Steigerung des Ansehens des Berufsfelds.
  • Die Erhöhung der Finanzmittel für die Personalgewinnung und -entwicklung, angepasst an die gestiegenen Kosten.
  • Die stärkere Einbindung von Kommunen und Trägern in der Formulierung künftiger Gesetze, um die Erfahrungen und Anforderungen der Praxis gut einzubeziehen.
  • Die Erhebung von mehr Daten zum Arbeitsmarkt und Arbeitsbedingungen in den „Hilfen für Erziehung“, die als Grundlage für künftige politische Interventionen und Lösungsansätze genutzt werden.
Das vollständige Statement finden Sie nachfolgend als PDF zum Download.

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