Ein ganzes Dorf baut Zukunft
Das SOS-Kinderdorf Niederrhein wird zum Klimadorf. 2025 begann das Leuchtturmprojekt, das klimagerechtes Bauen, Kinderrechte und Beteiligung vereinbart und weit über die Region hinausstrahlt.
Kinder haben das Recht, in einer gesunden Umwelt aufzuwachsen. Doch schon heute verändern Hitzeperioden, Starkregen und andere Extremwetterlagen ihren Alltag. Das beeinträchtigt Spielen und Lernen, Gesundheit und Wohlbefinden. Wer über gutes Aufwachsen spricht, muss also auch über Klimaschutz sprechen. Genau hier setzt das Projekt „Klimadorf“ an.
Das 1969 gegründete SOS-Kinderdorf Niederrhein wird bis 2032 umfassend modernisiert – weit über eine klassische Sanierung hinaus. Der Ansatz verbindet bauliche Erneuerung, Klimaanpassung und pädagogische Arbeit. „Wir denken nicht in Einzelmaßnahmen, sondern in einem Gesamtkonzept für das ganze Dorf. Dabei sanieren wir im Altbestand und bei laufendem Betrieb, auch das stellt hohe Anforderungen an Planung und Umsetzung“, sagt Peter Schönrock, Gesamtleiter des Kinderdorfes.
Ein innovatives Anergienetz verbindet die Gebäude
Im Zentrum steht ein innovatives Anergienetz, das in mehreren Bauphasen aufgebaut wird. Es basiert auf drei Eisspeichern, Erdwärmekollektoren und der energetischen Verbindung der Gebäude. Hinzu kommen Wärmedämmung, Luft- und Solewärmepumpen, Photovoltaik-Thermie und solarthermische Anlagen. Das soll den Endenergieverbrauch der Häuser um mehr als 85 Prozent senken. Langfristiges Ziel ist die nahezu klimaneutrale Energieversorgung des Kinderdorfes.
Erste Veränderungen sind bereits sichtbar, etwa der naturnahe Spielund Erlebnisraum auf dem Gelände. Zwei Wohnhäuser wurden energetisch saniert, weitere Bauabschnitte sind vorbereitet. Parallel läuft der klimaangepasste Umbau des Außengeländes: Flächen werden entsiegelt, Bäume und andere Begrünung spenden Schatten, Regenwasser wird genutzt, Biotope entstehen und Wasser-Spielbereiche sorgen für natürliche Kühlung. So verändert sich nicht nur die technische Infrastruktur, auch das Gelände und seine Nutzung wandeln sich spürbar. Das SOS-Kinderdorf reagiert damit auf die Folgen des Klimawandels und schafft zugleich eine Umgebung, die den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen besser entspricht.
Klimaschutz ist auch Kinderschutz
Die Kinder und Jugendlichen sind an der Gestaltung ihres Lebensraums aktiv beteiligt. Sie bringen Ideen ein, diskutieren mit und erleben, dass sie dadurch ihr Umfeld verändern können. Ob Spiel- und Erlebnisraum, Dorfplatz oder künftige Nutzung des Sportbereichs: Beteiligung ist Teil des Konzepts. „Wir legen großen Wert darauf, die Kinder und Jugendlichen sowie die Mitarbeitenden eng in die großen Entscheidungen miteinzubeziehen. Dafür haben wir die Klimadorf- AG gegründet“, sagt Schönrock. „Die Kinder sollen erleben, dass sie mitgestalten können und ihre Stimme zählt. Denn Klimaschutz ist auch Kinderschutz.“ Genau diese Verbindung macht das Projekt so besonders. Es zeigt, dass ökologische Verantwortung und die Rechte junger Menschen zusammengehören. Wer in klimagerechte Gebäude, natürliche Kühlung, Schatten, Wasser und nachhaltige Energieversorgung investiert, verbessert nicht nur die Klimabilanz, sondern ganz konkret die Lebensbedingungen junger Menschen. Am Niederrhein entsteht mit dem Klimadorf ein Ort, der ökologische Verantwortung, gute Lebensbedingungen und echte Beteiligung verbindet. Hier baut ein ganzes Dorf Zukunft.