Hilfe zur Selbsthilfe: Unsere Angebote in Deutschland
Zentrales Ziel des SOS-Kinderdorf e. V. ist es, benachteiligte junge Menschen zu befähigen, ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Dafür setzt sich der Verein mit seinen bedarfsgerechten präventiven, ambulanten und stationären Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien in erschwerten Lebenslagen ein. Grundgedanke ist dabei die Hilfe zur Selbsthilfe, um junge Menschen und ihre Familien nachhaltig zu stärken.
Damit bereits frühestmögliche Förderung gelingt, baut der SOS-Kinderdorfverein seine niedrigschwelligen sowie präventiven Angebote laufend weiter aus. Kindertagesstätte, Schule und Freizeit sind dabei sehr wichtig: Hier sind Kinder und Familien erreichbar, die sonst oft keinen Zugang zu frühzeitig ansetzenden Unterstützungsangeboten finden. Der Verein etabliert dafür gezielt fördernde Strukturen in Regeleinrichtungen, wo sie gerade Kindern aus ökonomisch und sozial benachteiligten Familien besonders zugutekommen.
Auch Schulabschluss und Ausbildung sind essenziell für ein gelingendes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Der SOS-Kinderdorf e. V. hilft jungen Menschen daher gezielt mit berufsqualifizierenden Angeboten.
Mitunter reichen präventive Arbeit und ambulante Hilfeformen nicht aus. Dann sind die stationären Bereiche des Vereins ein wichtiger Baustein zur Unterstützung hochbelasteter Kinder und Jugendlicher außerhalb ihres Elternhauses. In Kinderdorffamilien, Erziehungs- und Pflegestellen sowie anderen voll- und teilstationären Angeboten, wie Wohngruppen, werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Weg in ein eigenständiges Leben unterstützt. Außerdem finden Menschen mit Behinderung in Hausgemeinschaften und verschiedenen Wohngruppenangeboten passende Förderung und bei Bedarf ein dauerhaftes Zuhause.
Angesichts der hohen Nachfrage an stationärer Betreuung, insbesondere für sehr junge Kinder, setzt der Verein große Anstrengungen in die Ausdifferenzierung seiner familialen Angebote. Es braucht passgenaue Betreuungs- und Förderkonzepte, um den Bedürfnissen und Bedarfen der Kinder und ihrer Familien auch künftig gerecht zu werden. Im Jahr 2023 wurde mit der Arbeitsgruppe „Vielfalt der familialen Betreuung“ ein neues Projekt aufgesetzt, um alternative familiale Betreuungsformen zu entwickeln. Ausgangspunkt ist die Evaluation erster Erfahrungen folgender Modellprojekte: der Variante einer Kinderdorffamilie mit weniger Kindern und gleichzeitig veränderten Betreuungszeiten, der familialen Wohngruppen und der sogenannten Erziehungsstellen. Die fachliche Basis dafür bildet der Ansatz „Doing Family“ (Jurczyk, 2014)*, der darauf abhebt, dass familiale Qualitäten wie Zugehörigkeit, Geborgenheit, Fürsorge durch ein gemeinsames Handeln aller Beteiligten – unabhängig vom Betreuungssetting – hergestellt werden können. Erste Ergebnisse der Evaluation sind 2024 zu erwarten.
* Jurczyk, Karin (2014). Familie als Herstellungsleistung – Hintergründe und Kontureneiner neuen Perspektive auf Familie. In: K. Jurczyk, A. Lange & B. Thiessen (Hrsg.), Doing Family – Familienalltag heute. Warum Familienleben heute nicht mehr selbstverständlich ist. Beltz, Weinheim.