Rückhalt für das ganze Leben
Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, in Beziehung zu sein. Liebe, Geborgenheit, Fürsorge und Bindung bilden das Fundament, auf dem sich junge Menschen zu selbstbewussten, zuversichtlichen Erwachsenen entwickeln können. Häufig aber konnten die durch den SOS-Kinderdorf e. V. betreuten Kinder und Jugendlichen vorher kaum oder keine positiven Bindungs- und Beziehungserfahrungen machen. Das beeinträchtigt ihre Entwicklungschancen. Verlässliche Beziehungsangebote sind daher ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit im SOS-Kinderdorfverein.
Erfreulicherweise zeigen die Ergebnisse aus der SOS-Längsschnittstudie*: Es kann gelingen, im pädagogischen Umfeld stationärer Betreuung gute und förderliche Beziehungen zu gestalten. Nach dem Verhältnis zu ihren Bezugsfachkräften gefragt, sagen 59,6 Prozent der durch den SOS-Kinderdorfverein Betreuten, dass es eine Erziehungsperson in ihrer Gruppe gibt, der sie vertrauen. Das setzt förderliche Rahmenbedingungen voraus. Dazu zählt, dass die Heranwachsenden die Betreuungsbeziehung mitgestalten können. Die Fachkräfte wiederum sollten ihr Beziehungshandeln laufend reflektieren und sich des inhärenten Machtungleichgewichts bewusst sein. Erforderlich sind zudem etablierte Schutzkonzepte, möglichst seltene Wechsel der Erziehungspersonen und eine angemessene Personalausstattung. Hinzu kommen nicht zuletzt Weiterbildungsangebote, etwa zum Umgang mit Traumata.
Entscheidend ist, dass es den betreuten jungen Menschen langfristig gelingt, Beziehungen eigenständig zu gestalten. Nur so können sie tragfähige Netzwerke entwickeln, die sie insbesondere beim Wechsel ins selbstständige Leben brauchen. Auch hier bietet die SOS-Längsschnittstudie Einblick: 30,7 Prozent der in den SOS-Einrichtungen befragten jungen Menschen haben außerhalb des SOS Kinderdorfes einen besten Freund/eine beste Freundin, der/die für sie wichtig ist; bei 55,9 Prozent ist es sogar ein sehr wichtiger bester Freund oder eine sehr wichtige beste Freundin. 42,3 Prozent der SOS-Betreuten ab 16 sind in einer festen Beziehung; 67,2 Prozent hatten bereits eine oder mehrere feste Beziehungen.
*Die „SOS-Längsschnittstudie zur Handlungsbefähigung junger Menschen auf dem Weg in die Eigenständigkeit“ befasst sich mit dem Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen des SOS-Kinderdorf e. V. sowie mit dem Übergang in die Selbstständigkeit. Ziel ist es, individuelle Entwicklungen zu untersuchen, Übergänge zu analysieren und das pädagogische Handeln in den Einrichtungen weiterzuentwickeln.