Perspektiven für junge Geflüchtete
Zu den Anliegen, die der SOS-Kinderdorf e. V. 2022 in seiner Advocacy-Arbeit vertrat, zählte nicht zuletzt das Aufenthaltsrecht für geflüchtete junge Menschen.
Um Kindern und jungen Menschen mit ihren Anliegen Gehör zu verschaffen, fanden 2022 wieder zahlreiche Gespräche mit Abgeordneten des Bundestages zu verschiedenen Themen statt. Das Aufenthaltsrecht für geflüchtete junge Menschen stand gleich bei mehreren Treffen im Fokus. Der Verein hatte in seinen Einrichtungen erfragt, welche Punkte geflüchteten Jugendlichen und den sie betreuenden Fachkräften wichtig sind. Es zeigte sich deutlich, dass das Aufenthaltsrecht für die betreuten jungen Geflüchteten das alles beherrschende Thema ist. Ihre gesamte Zukunft hängt davon ab. Angesichts der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Reformierung des Migrationsrechts war dieses nicht nur bei den jungen Geflüchteten ein wichtiges sozialpolitisches Thema des Jahres.
Daher organisierte der Verein im Juni 2022 anlässlich des Weltflüchtlingstags eine Veranstaltung in seiner Botschaft für Kinder in Berlin. Eingeladen waren junge Menschen aus verschiedenen SOS-Kinderdörfern, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie politische Vertreterinnen und Vertreter. In den Workshops machten die Jugendlichen deutlich, was aus ihrer Sicht wesentlich ist, damit sie Deutschland als Heimat betrachten können. Ihre Äußerungen und Wünsche verdeutlichten ihre Hoffnungen und Ängste in Bezug auf das Aufenthaltsrecht ebenso wie die bürokratischen und gesetzlichen Hürden, mit denen Geflüchtete konfrontiert sind.
Parallel fanden zwei Gesprächsrunden zum Referentenentwurf des Gesetzes statt. Zuerst diskutierten dazu externe Gäste, pädagogische Fachkräfte aus SOS-Kinderdorf- Angeboten für junge Geflüchtete und Helge Lindh, der Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion für das Chancenaufenthaltsrecht. An der zweiten Runde beteiligten sich ein Staatssekretär aus der Berliner Senatsverwaltung und Berliner Abgeordnete. Im Nachgang besuchten junge Geflüchtete Lindh im Bundestag, um ihre Probleme auch persönlich zu schildern.
Besuch der Integrationsbeauftragten
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Reem Alabali-Radovan, besuchte im September das Projekt EVEREST von SOS-Kinderdorf Berlin. Dort sprach sie mit jungen Geflüchteten, die im Projekt unter anderem beim Berufseinstieg unterstützt werden. Im Gespräch mit Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorstandsvorsitzende des SOS-Kinderdorf e. V., lag der Fokus dann auf den Regierungsplänen für das Chancenaufenthaltsrecht und der Frage, wie es für die jungen Menschen einfacher wird, ihre Ausbildung zu beenden und das Aufenthaltsrecht zu erhalten. Die Ausbildungsduldung solle, so forderte Schutter, zu einem Ausbildungsaufenthaltsrecht werden. So könnten die Jugendlichen auch ihre Familien im Herkunftsland besuchen, was mit einer Duldung nicht möglich ist. Das würde eine enorme Erleichterung für die jungen Menschen bedeuten, die sehr unter der Trennung und der Sorge um das Schicksal ihrer Familie litten. Der SOS-Kinderdorfverein sehe die entsprechenden Änderungen als klaren Arbeitsauftrag für das Gesetzesvorhaben im Jahr 2023, betonte die Vorstandsvorsitzende