Wenn Krise zum Normalzustand wird
2022 war ein Jahr, das viele Familien erneut stark gefordert und zum Teil existenziell belastet hat. Das spürten auch die Einrichtungen des Vereins, wie dieser Bericht aus Frankfurt zeigt.
Auf die belastende Pandemie-Zeit folgte 2022 der Krieg in der Ukraine. Eine Konsequenz daraus war für viele Menschen die Sorge vor dem Winter und den damit verbundenen Energiekosten. „Soziale Einrichtungen sind Orte, an denen die Konsequenzen dieser schwierigen Zeit deutlich spürbar werden“, sagt Ina Franzkewitz, Einrichtungsleiterin von SOS-Kinderdorf Frankfurt. Dort gibt es neben der Kindertagesstätte und dem Familienzentrum eine Wohngruppe sowie Ambulante Flexible Hilfen zur Erziehung.
Die meisten Familien, die die Angebote der Einrichtung nutzen, haben ein niedriges Haushaltseinkommen, sagt Franzkewitz. „Auch vorher war bei vielen das Budget bereits knapp. Aber die Inflation und die deshalb steigenden Lebensmittel- und Energiepreise verschlechterten die Situation extrem.“ Als Konsequenz stieg etwa die Nachfrage im Secondhand-Spiel- und -Kleidermarkt der Einrichtung stetig. Viele Familien hätten dort ihren Bedarf gedeckt, da ihnen für Einkäufe im Einzelhandel das Geld fehlte.
Die Seele leidet mit
Zu diesen materiellen Sorgen kamen psychische Belastungen hinzu. Seit 2020 herrsche das Gefühl vor, Krise nicht als Ausnahme, sondern eher als Normalität zu erleben. „Das kann auf Dauer nicht gesund sein“, betont die Einrichtungsleiterin. Täglich mit der Krise und ihren Auswirkungen auf die betreuten Menschen umzugehen, sei auch für die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen in den Frankfurter SOS-Angeboten sehr belastend.
Umso wichtiger ist es, Rückhalt durch soziale Wärme zu geben. „Wir bemühen uns, das in unserer Einrichtung vorzuleben, indem wir noch einmal näher zusammenrücken, füreinander da sind, unsere individuellen Ängste und Bedürfnisse wahrnehmen und aussprechen. Das Wissen umeinander und um die individuellen Herausforderungen kann uns helfen, gemeinsam durch insgesamt herausfordernde Zeiten zu kommen.“
Angesichts massiv gestiegener Preise für Gas und Öl tat die Einrichtung darüber hinaus ihr Bestes, um ihren Energieverbrauch weiter zu senken, etwa durch eine niedrigere Raumtemperatur. Außerdem plante sie, die Kita 2023 mit einer Photovoltaik- Anlage auszustatten.