Hilfe, wenn sie gebraucht wird

Nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine flüchteten 2022 zahlreiche Mütter mit ihren Kindern nach Deutschland. Die hiesigen SOS-Kinderdorfeinrichtungen halfen mit großem Engagement, wie diese Beispiele zeigen.
Von Anfang an war Berlin ein Dreh-und Angelpunkt bei der Ankunft Geflüchteter aus der Ukraine. Das veränderte auch den Alltag im SOS-Kinderdorf Berlin. Die Einrichtung selbst stellte zwei Gästewohnungen zur Verfügung. Weitere Schutzsuchende nahm der SOS-Integrationsbetrieb Hotel Rossi auf. Mit Freiwilligen und Honorarkräften baute das SOS-Kinderdorf ein tragfähiges System auf, um die vielen anstehenden Aufgaben zu bewältigen. „Ein entscheidender Punkt ist die Verständigung mit den Menschen, die zu uns kommen“, betont der Berliner SOS-Mitarbeiter Rainer Kurzeder, der die Ukrainehilfe des Kinderdorfes koordinierte.
Hier seien Menschen mit ukrainischen und russischen Sprachkenntnissen eine wertvolle Hilfe gewesen. Ihre Unterstützung erleichterte auch die soziale Betreuung und Beratung in den offenen Angeboten. Etwa im SOS-Familienzentrum des Kinderdorfes, wo regelmäßig das Begegnungscafé mit Geflüchteten, Einheimischen und Engagierten stattfand. Eine gute Gelegenheit, miteinander zu reden und Kontakte zu knüpfen. Jeden Mittwoch bot die Erziehungs- und Familienberatung Termine mit muttersprachlicher Unterstützung an.
Hinzu kamen alltagspraktische Hilfen, etwa die Begleitung beim Einkaufen. Der Bereich Ausbildung und Qualifizierung des SOS Kinderdorfes entwickelte ein Angebot für junge erwachsene Geflüchtete aus der Ukraine: Sie können sich in verschiedenen Berufsfeldern erproben, erhalten Sprachunterricht und psychologische Unterstützung. 

Große Hilfsbereitschaft im Sauerland

Auch das SOS-Kinderdorf Sauerland bot sofort Unterstützung und Wohnraum an. Viele Mitarbeitende halfen mit, den Geflüchteten eine sichere Unterkunft auf Zeit bereitzustellen. So konnten Mitte März 15 ukrainische Frauen und Kinder in drei Kinderdorfhäusern einziehen. Eine Ehrenamtliche stand ihnen in allen Fragen und Anliegen zur Seite. Der Hilfebedarf erwies sich schnell als so weitreichend, dass das Ehrenamt in eine Stelle für eine Integrationslotsin umgewidmet wurde. Zumal nach dem Nachzug weiterer Familienangehöriger 20 Personen zu betreuen waren. Zu den vielen anstehenden Aufgaben gehörte die Anmeldung der Erwachsenen zu Integrations- und Sprachkursen. Die Kinder und Jugendlichen wurden an der ortsansässigen Grund- und Gesamtschule oder im Berufskolleg angemeldet. Zudem erhielten sie Tablets, die ihnen schon vor dem Schuleintritt Zugriff auf die Lernportale ihrer deutschen und ukrainischen Schulen ermöglichten.
Als sich die ersten der Aufgenommenen dafür entschieden, sich im Raum Lüdenscheid eine neue Existenz aufzubauen, wurden sie bei der Wohnungssuche und beim Umzug unterstützt. Zwei der ukrainischen Frauen erhielten bis zum Jahresende eine befristete Beschäftigung im SOS-Kinderdorf Sauerland.

Wichtige Koordinatorenrolle in Grimmen

„Ja, das machen wir.“ So lautete die Antwort, als der Landkreis Vorpommern-Rügen 2022 anfragte, ob das SOS-Familienzentrum in Grimmen die Flüchtlingsbetreuung für den dortigen Sozialraum übernehmen könne. „Wir hatten aus den Jahren 2015/2016, als ebenfalls viele Geflüchtete ankamen, bereits Erfahrung“, sagt Hannes Masloboy, Leiter des zum SOS-Kinderdorf Mecklenburg-
Vorpommern gehörenden SOS-Familienzentrums. „Die damals aufgebauten Strukturen haben die aktuelle Arbeit sehr erleichtert.“
Dennoch gab es große Herausforderungen. Unterbringung, Vermittlung und Beratung der Geflüchteten, Spendenaufrufe, das Bereitstellen von Hilfsgütern, die Kooperation mit Behörden: Trotz des hohen Engagements von Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen war mehr Personal nötig. Daher ermöglichte der Verein zusätzliche Stellen im SOS-Familienzentrum Grimmen und im SOS-Familienstützpunkt im benachbarten Barth. Hilfreich war, dass das SOS-Familienzentrum das seit 2015 bestehende Netzwerk „Runder Tisch Integration“ koordiniert. Das erleichterte die vielfältigen bürokratischen Aufgaben sowie die Integration der geflüchteten jungen Menschen und Erwachsenen.

Hilfreiche Anlaufstelle in Wilhelmshaven

Auf Initiative der Stadt Wilhelmshaven richteten die vier örtlichen Familienzentren 2022 Treff-Angebote für ukrainische Geflüchtete ein. So auch das Familienzentrum Süd, welches das SOS-Kinderdorf Wilhelmshaven-Friesland und die Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit gemeinsam betreiben. 
Ab Ende März öffnete jeden Montag das „Café im Familienzentrum“. „Wir waren überrascht, wie schnell sich die Information über den Treffpunkt verbreitete“, sagt Sozialpädagogin Evelin Stang, Mitarbeiterin im Familienzentrum Süd. Bald kamen jeweils bis zu 25 Geflüchtete mit ihren Kindern zur Beratung und Anbindung an andere Angebote sowie um sich miteinander zu vernetzen. Zwei Russisch sprechende Ehrenamtliche unterstützten die Verständigung. Für die Kinder gab es Spielangebote und Sprachförderung und der SOS-Secondhandladen stellte zeitweilig kostenlose Kleidung zur Verfügung.