Hilfe für Omniya nach der Katastrophe
Wenn Omniya* die Augen schließt, kommen sofort wieder die Erinnerungen an den Tag des Erdbebens hoch. Sie fühlt dieselbe Angst, die sie auch in jener Nacht hatte, als der Boden unter ihren Füßen zitterte. „Ich bin von dem Lärm und den Schreien der Menschen aus dem Schlaf hochgeschreckt“, flüstert sie mit brüchiger Stimme. „Alles bebte heftig, die Möbel wackelten, Schränke und Regale fielen um. Wir rannten so schnell wie möglich nach draußen. Wir wussten nicht, was wir tun sollen. Ich habe gesehen, dass das Haus neben uns bereits komplett eingestürzt war.“
Omniya wohnte mit ihren vier Kindern und ihrem Mann im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses in Aleppo. Heute ist ihre Wohnung komplett zerstört. So wie tausende Menschen in ihrer Stadt hat auch ihre Familie ihr Zuhause verloren. In einer nahe gelegenen Moschee, die als Notunterkunft genutzt wurde, fanden die sechs Schutz für die ersten Wochen. Dort wohnten sie mit Hunderten anderen Menschen auf engstem Raum und ohne Privatsphäre zusammen.
Unterstützung durch SOS-Kinderdorf
Das Team von SOS-Kinderdorf hilft Erdbebenopfern direkt vor Ort in den Notunterkünften in Aleppo und Umgebung. Auch Omniya und ihre Familie erhielten Unterstützung. Die Hilfsorganisation versorgte sie zunächst mit dem Nötigsten wie Lebensmitteln, Medizin und Kleidung. Außerdem half SOS-Kinderdorf den sechs bei der Suche nach einer neuen Unterkunft. Inzwischen wohnen sie in einem Haus, in dem die Kinder eigene Zimmer und wieder mehr Privatsphäre haben. Zusätzlich finanziert SOS-Kinderdorf Wassertanks und Batterien für die Familie, da Strom- und Wasserversorgung in Aleppo immer wieder zum Erliegen kommen.
Der Schreck sitzt bei allen immer noch tief, besonders bei Omniyas Sohn Mohammed. Seit dem Erdbeben leidet er unter Angstzuständen. „Er will weder auf offener Straße laufen noch draußen spielen“, erzählt seine Mutter. „Ein Lebensmittelgeschäft kann er nicht mehr ohne Angst betreten, er traut sich einfach nicht hinein.“ SOS-Kinderdorf bietet Mohammed psychologische Unterstützung, damit er seine traumatischen Erlebnisse verarbeiten kann. Auch seine Geschwister haben Schwierigkeiten, wieder in den Alltag zu finden. Sie können nicht zur Schule gehen, da diese immer noch als Notunterkunft genutzt wird. Bald soll sie wieder geöffnet werden.
Omniya gibt die Hoffnung nicht auf. Sie wünscht sich, dass ihre Familie und sie die Erlebnisse irgendwann verarbeiten und hinter sich lassen können. Die Erinnerungen an die Nacht des Bebens haben sich fest in ihrem Kopf verankert. Omniya will den Glauben daran nicht aufgeben, dass diese Erinnerungen langsam, aber sicher verblassen.
