Geburtstagsfeier statt Sirenengeheul: Karam* feiert im April 2025 seinen ersten Geburtstag. Seine Mutter ist bei der Geburt gestorben und er lebt seitdem im Zeltlager von SOS-Kinderdorf in Chan Yunis. Wie er in die Obhut von SOS-Kinderdorf kam und wie es ihm heute geht.
Eine Gruppe von Kindern steht in einem Zelt und singt Geburtstagslieder. Es ist heiß und stickig. In der Mitte, auf dem Arm von Betreuerin Basam, ist Karam. Er wird heute ein Jahr alt. Für ein paar Stunden lachen die Kinder und vergessen für einen Moment, dass sie jeden Tag ums Überleben kämpfen. Rund um das Zelt, in dem an diesem Tag alles so feierlich wirkt, liegen die Häuser in Trümmern.
Die Rettung im Zeltlager
„Als Karam zu mir kam, war er so klein und still“, erzählt Basam, eine Betreuerin aus dem SOS-Kinderdorf Rafah. „Ich konnte seine Angst spüren – er hat kaum geweint, sondern nur mit großen Augen um sich geblickt. Ich habe ihn festgehalten und ihm zugeflüstert: ‚Du bist jetzt in Sicherheit.‘“ Karam kam in Basams Obhut, da war er gerade einmal einen Tag alt. „Seine Mutter wurde verletzt und ist bei der Geburt gestorben“, erklärt Basam. Eine Rettungskraft brachte ihn ins Zeltlager von SOS-Kinderdorf.
Karam ist eines von 46 Kindern, die derzeit im Camp von Chan Yunis unter der Obhut von SOS-Kinderdorf leben. Einige wurden aus Rafah vertrieben, andere – wie Karam – während des Krieges aufgenommen: Kinder, die ihre Familien verloren haben oder bei Evakuierungen von ihnen getrennt wurden. Für viele der Kinder, insbesondere für diejenigen ohne Verwandte, bleibt die Zukunft ungewiss. Das Team versucht zusammen mit dem Ministerium für soziale Entwicklung, die Angehörigen der Kinder ausfindig zu machen. Die gefährliche Situation erschwert die Lage jedoch sehr.
Ein Kind, das alle verbindet
„Natürlich gab es schwierige Tage. Nächte, in denen Karam nicht schlafen konnte, Zeiten, in denen er krank war und ich die ganze Nacht betend an seinem Bett saß. Aber jedes kleine Lächeln erinnerte mich daran, dass Liebe kein Blut braucht, um zu wachsen“, sagt Basam.
Alle im Zeltlager haben mitgeholfen, ihn großzuziehen. Die Kinder haben mit ihm gespielt, die anderen Betreuerinnen haben ihn gefüttert und umsorgt. „Er hat uns hier auf eine Weise zusammengebracht, wie wir es seit Jahren nicht mehr erlebt hatten“, fügt sie hinzu.
Inzwischen hat Karam seine ersten vier Zähnchen bekommen, macht seine ersten Schritte und hat vor Kurzem sein erstes Wort gesagt: „Mama.“ Zu seinem Geburtstag hat Basam auf eigene Kosten eine kleine Feier organisiert, Dekoration gekauft, um ihm den Tag schön zu machen – so gut es eben geht. Denn Karam ist für sie wie ein eigener Sohn geworden. Die Momente, in denen all die Sorgen für kurze Zeit vergessen sind, sind selten. Aber an einem Tag wie diesem fühlt sich das Leben für die Kinder und Betreuenden wie ein Fest an. Sie feiern nicht nur das Leben, sondern auch die Gemeinschaft.
* Der Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert.
* Der Name wurde zum Schutz der Privatsphäre geändert.
