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SOS-Kinderdorf Palästina
Interview zur Arbeit im Gazastreifen
Bombeneinschläge, Alarmsirenen und dabei einen kühlen Kopf bewahren. Die Mitarbeitenden von SOS-Kinderdorf Palästina sind für die Menschen und Kinder im Gazastreifen da. Die Nationaldirektorin berichtet über die Herausforderungen und wie die Menschen unterstützt werden.
Seit der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Palästina leistet SOS-Kinderdorf Palästina Hilfe im Gazastreifen. Ende Mai wurden aufgrund der sich dramatisch verschlechternden Sicherheitslage rund um das SOS-Kinderdorf Rafah alle dort noch lebenden Kinder und Erwachsenen evakuiert. Sie leben jetzt an zwei alternativen Standorten in Zentral-Gaza. Bereits im März waren 68 von SOS-Kinderdorf Rafah betreute Kinder sowie 11 Mitarbeitende ins Westjordanland evakuiert worden. Ghada Hirzallah ist Nationaldirektorin von SOS-Kinderdorf Palästina und arbeitet bereits seit 25 Jahren für SOS-Kinderdorf. Sie berichtet von ihrer Arbeit in dieser schweren Situation.  
Frau Hirzallah, wie sieht aktuell Ihr Arbeitsalltag aus?
Normalerweise beginne ich meinen Tag damit, die Notfall-WhatsApp-Gruppe und meine E-Mails zu checken. Danach mache ich mich auf den Weg zum Nationalbüro in Bethlehem. Ich rufe das Team vor Ort in Gaza an. Manchmal ist es ein Wunder, dass ich überhaupt durchkomme. Ich schaue täglich, wie es den Kindern und unserem Personal, die ins SOS-Kinderdorf Bethlehem evakuiert wurden, geht. Ich verbringe den Tag dann von einem Notruf zum anderen im Büro. Unser Verein arbeitet hier vor Ort immer noch im Notfallmodus, und alles kann passieren.
Wie hilft SOS-Kinderdorf Palästina aktuell im Gazastreifen?
Wir helfen im Gazastreifen dort, wo es am dringendsten benötigt wird. Nach der Verlegung an zwei sicherere Orte im mittleren Gazastreifen arbeiten wir nun in verschiedenen Schulen in Deir Al Balah und Khan Younes, um unbegleitete und von ihren Eltern getrennte Kinder zu betreuen und Familien wieder zusammenzuführen. Wir bieten psychologische Unterstützung zur Bewältigung von Traumata und emotionalen Problemen. Zudem gibt es finanzielle Hilfe für Familien in Not, insbesondere für Frauen und Jugendliche. Die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Rafah, die nicht nach Bethlehem evakuiert werden konnten, leben jetzt mit den Betreuungspersonen in Zeltlagern.

Wie geht es den Kindern, die aus Rafah evakuiert worden sind und jetzt im SOS-Kinderdorf Bethlehem leben? Wie werden sie unterstützt?
Es geht ihnen gut und sie gewöhnen sich langsam aber sicher an ihr neues Leben. Der Umzug in dasselbe kulturelle Umfeld erleichterte den Kindern die Anpassung an die neuen Lebensbedingungen. Obwohl die sichere, ruhige Umgebung anfangs ungewohnt war, fanden sie schnell Freunde und fühlen sich wohl. Unser Team hat in den ersten Tagen nach der Ankunft der evakuierten Kinder eine Reihe von psychologischen Erste-Hilfe-Sitzungen durchgeführt. Anschließend haben wir eine Bewertung aller Kinder vorgenommen, um für jedes Kind einen individuell abgestimmten Interventionsplan zu entwickeln. Wir arbeiten mit lokalen Einrichtungen und Organisationen zusammen, um ihnen psychologische Unterstützung wie zum Beispiel Spiel- und Kunsttherapie, medizinische Versorgung, Freizeitaktivitäten und mehr zu bieten. Die Kinder gehen in Bethlehem wieder zur Schule. Wir haben einen Vertrag mit einer Privatschule abgeschlossen, die sich auf die Arbeit mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen spezialisiert hat. Diese Schule verwendet einen mehrstufigen Ansatz, um Schulkinder mit Lern- und Verhaltensschwierigkeiten zu identifizieren und zu unterstützen.
Auch die Mitarbeitenden mussten teilweise alles hinter sich lassen, um jetzt mit den Kindern in Bethlehem zu leben. Wie kommen sie mit der neuen Lebenssituation zurecht?
Den Mitarbeitenden geht es ähnlich wie den Kindern. Sie haben teilweise widersprüchliche Gefühle: einerseits Freude, Trost und Sicherheit aufgrund ihrer Ankunft in Bethlehem, weit weg von der Gefahr, und andererseits Traurigkeit darüber, ihre Familie und ihr Zuhause in Gaza unter diesen schwierigen Umständen zu verlassen. Einige Mitarbeitende haben auch Schuldgefühle, weil sie ihre Familien zurückgelassen haben und selbst geflohen sind.
Wie motivieren Sie die Mitarbeiter zum Weitermachen?
Die physische und emotionale Sicherheit der Mitarbeiter hat für mich oberste Priorität. Ich ermutige sie immer und sage ihnen, dass wir hier sind, um die Kinder und Familien in Not zu unterstützen. Wir bieten Beratungsdienste und psychosoziale Unterstützung durch unsere Partnerorganisationen für sie an. Wir boten mehrmals zusätzliche Gehaltszahlungen an, um die Not der Mitarbeitenden und ihrer Familien zu lindern, wenn die Preise für Lebensmittel stiegen. Es ist meine Verantwortung, auch für sie zu sorgen. Ich möchte vor allem die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und das Engagement der humanitären Helfer*innen, insbesondere unseres Teams in Gaza, hervorheben. Trotz minimaler Lebensbedingungen setzen sie ihre Arbeit in den SOS-Kinderdorf-Lagern fort. Das ist wirklich inspirierend.

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