Kinder mit Behinderung haben es in Nepal besonders schwer. Bis heute werden sie benachteiligt, nicht selten von der Gesellschaft ausgegrenzt. Geeta jedoch hatte das Glück im SOS-Kinderdorf aufzuwachsen. Heute arbeitet die 36-Jährige, die im Rollstuhl sitzt, als Projektkoordinatorin im „Independent Living Center“ in Lalitpur, einem Vorort der Hauptstadt Kathmandu. Dort berät und hilft sie Menschen mit schweren Behinderungen dabei, ein unabhängiges Leben zu führen. Die Organisation unterstützt auch die Eltern von Kinder mit Behinderung und setzt sich für eine Gesetzgebung zur Förderung und zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen ein.
„Wenn ich nicht bei SOS-Kinderdorf aufgewachsen wäre, hätte ich vielleicht nicht überlebt.“
Geeta
Aufwachsen im Kinderdorf Jorpati
Als Geeta zwei Jahre alt war, wurde ihr Rückenmark bei einem Erdbeben schwer verletzt. Ihre Eltern starben bei dem Unglück und Geeta kam ins SOS-Kinderdorf Jorpati, das sich speziell um Kinder mit Behinderung kümmert. „Wenn ich nicht bei SOS-Kinderdorf aufgewachsen wäre, hätte ich vielleicht nicht überlebt“, sagt Geeta heute. „Ich war nicht in der Lage, für mich selbst zu sorgen. Doch meine SOS-Kinderdorfmutter zog mich mit viel Liebe auf, so als wäre ich ihr eigenes Kind.“
Geeta hat schöne Erinnerungen an ihre Zeit in Jorpati: „Wir haben so viele Feste gefeiert und hatten jede Menge Spaß. Manchmal sind wir beim Spielen sogar aus unseren Rollstühlen gefallen. Es war ein guter Ort für mich, um aufzuwachsen.“
Erfolgreiche Karriere
Als Geeta 16 war, verließ sie die Dorfgemeinschaft und zog in eine Jugendeinrichtung von SOS-Kinderdorf. Nach ihrem Schulabschluss beschloss sie, an der Universität Kathmandu Soziologie zu studieren. Schon damals war es ihr Ziel, anderen Menschen mit Behinderung zu helfen. Doch nach dem Ende ihres Studiums stand Geeta wie viele andere junge Menschen vor der Herausforderung, einen Arbeitsplatz zu finden. „Ich war sehr niedergeschlagen“, erinnert sie sich. „Ich dachte, dass ich nichts erreichen kann, dass mein Studium wertlos ist. Ich bin nicht mehr ausgegangen.“ Doch ein SOS-Jugendbetreuer unterstützte Geeta bei der Arbeitssuche und begleitete sie zu Vorstellungsgesprächen, woraufhin sie schließlich erfolgreich war.
Der Ausbruch der Coronapandemie stellte Geeta vor große Herausforderungen. Sie wollte gerade eine neue Wohnung beziehen und sich diese einrichten. Auch musste sie dort mehr mehr Miete bezahlen, gleichzeitig stiegen in Kathmandu jedoch die Lebenshaltungskosten. Doch mit der Hilfe von Freunden und SOS-Kinderdorf konnte sie den Umzug schließlich gut über die Bühne bringen und diese schwierige Zeit überstehen.
Stets in Kontakt
Heute lebt Geeta weitgehend unabhängig. Die meisten Arbeiten im Haushalt erledigt sie selbständig und ohne Hilfe. Es macht sie glücklich, wenn auch andere Menschen mit Behinderung ihre Ratschläge umsetzen können und sie ihnen dabei helfen kann, frei und ohne Hindernisse so zu leben, wie sie es sich wünschen.
Immer noch trifft sich Geeta regelmäßig mit ihrer SOS-Kinderdorffamilie. Mit ihrer SOS-Kinderdorfmutter Chandra, die mittlerweile in Rente ist, steht sie ebenfalls noch in engem Kontakt.
„Wenn ich die Unterstützung von SOS-Kinderdorf nicht bekommen hätte, wäre ich nicht dort, wo ich heute bin und dafür bin ich sehr dankbar.”
Geeta
