SOS-Kinderdorf Kolumbien hilft notleidenden Kindern zu einer glücklichen Kindheit
Kolumbien
SOS-Kinderdorf in Kolumbien

SOS-Kinderdorf in Kolumbien

Seit 1987 unterstützt SOS-Kinderdorf in Kolumbien Kinder und Jugendliche, die ohne elterliche Betreuung aufwachsen müssen oder Gefahr laufen, diese zu verlieren.

Notstand nach schwerem Erdbeben in Kolumbien ausgerufen

Ein schweres Erdbeben der Stärke 7,4 hat am 10. August Kolumbien erschüttert. Präsident Abelardo de la Espriella rief den landesweiten Notstand aus. Das Epizentrum lag im Westen des Landes in der Region Chocó. Die Erschütterungen waren auch in Großstädten wie Bogotá, Cali und Medellín zu spüren. Nach offiziellen Angaben kamen 289 Menschen ums Leben, mehr als 4.100 wurden verletzt. 143 Menschen gelten als vermisst. In mehreren Regionen wurden Gebäude schwer beschädigt oder zerstört.
Alle SOS-Mitarbeitenden und ihre Familien sowie die Kinder, Mütter und Programmteilnehmenden sind derzeit in Sicherheit. Eine Pflegefamilie musste in Cali evakuiert werden und wurde vorübergehend im dortigen SOS-Kinderdorf untergebracht. Die Programmeinrichtungen wurden nicht beschädigt.
In Cali und Quibdó (Region Chocó) leistet das Team psychosoziale Unterstützung, stellt Unterkünfte für Familien bereit und begleitet die Betroffenen umfassend. Zudem gibt es Schutz- und Spielräume für Kinder. Weitere Unterstützungsmöglichkeiten für Erdbebenbetroffene werden derzeit geprüft.
Stand: 18.08.2026

Warum SOS-Kinderdorf in Kolumbien tätig ist 


Die elf Millionen Kinder in Kolumbien brauchen Schutz. Jahrzehntelange, bewaffnete Konflikte haben viele von ihnen in ihrer Kindheit geprägt. Zwischen 1985 und 2021 waren mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren von bewaffneten Konflikten im ganzen Land betroffen – sei es durch Vertreibung, Gefangenschaft, Rekrutierung, Missbrauch oder sexuelle Gewalt. Und da fast die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt, müssen viele Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren arbeiten, um zum Einkommen ihrer Familie beizutragen.

Weitverbreitete Armut

Nach der Demobilisierung der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) im Jahr 2016 haben andere Rebellengruppen versucht, die Macht zu übernehmen, was zu einer Zunahme der Konflikte geführt hat. Bewaffnete Konflikte erschweren Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten und setzen sie langfristigen physischen und psychischen Gesundheitsschäden aus. Immer wieder werden sie von bewaffneten Gruppen rekrutiert. 

Kinderheirat

Rund ein Viertel der kolumbianischen Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren wurde verheiratet oder war in einer Partnerschaft, bevor sie 18 Jahre alt wurden. Das ist ein grundlegender Verstoß gegen die Menschenrechte. Kinderheirat führt häufig zu frühen Schwangerschaften und sozialer Isolation. Sie unterbricht die Ausbildung der Mädchen und macht sie anfälliger für Gewalt durch Intimpartner. Diese Praxis ist ein direkter Ausdruck der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und betrifft vor allem einkommensschwache ländliche Familien.

Kolumbien

Kolumbien hat 52 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und verfügt über ein reiches kulturelles Erbe und eine große biologische Vielfalt. Doch mehr als 50 Jahre lang war das Land von einem internen Konflikt geprägt, durch den ca. acht Millionen Menschen vertrieben und 250.000 getötet wurden. 2016 wurden die Kämpfe durch das Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) beendet, doch die Aufstände bewaffneter Gruppen halten an. Fast die Hälfte der kolumbianischen Bevölkerung lebt in Armut.