Unzählige Kinder in Benin leiden unter Vernachlässigung und Misshandlung. Jedes vierte Kind lebt nicht mit beiden Eltern zusammen, sondern bei Stiefeltern, wo es diskriminiert oder geschlagen wird. Viele Kinder fliehen auf die Straße. Dort sind sie Gefahren wie Ausbeutung oder Gewalt ausgesetzt. Sie müssen arbeiten und haben keinen Zugang zu Schulbildung, medizinischer Versorgung und einer ausgewogenen Ernährung. Manche Kinder werden Opfer von Menschenhändlern, die sie ins Ausland verkaufen, wo sie Kinderarbeit leisten müssen. Die meisten Probleme rühren daher, dass die Eltern arm sind und viel Unwissenheit herrscht. Viele wissen zum Beispiel nicht, dass es Kinderrechte gibt, was diese sind und missachten sie deshalb.
Einsatz für Kinderrechte
Der Staat Benin hat sehr wenige Mittel, um Kindern und Familien in Not zu helfen. SOS-Kinderdorf arbeitet eng mit staatlichen Stellen zusammen und berät sie in Sachen Kinderschutz. Zehn Jahre lang forderten mehrere Organisationen eine Verpflichtung zur Einhaltung von Kinderrechten in Benin, ohne Erfolg. Als sich SOS-Kinderdorf der Sache annahm und an die Abgeordneten der Nationalversammlung herantrat, wurden die Kinderrechte vom Gesetzgeber offiziell im „Code de l’Enfant“ verankert und im Dezember 2015 vom Präsidenten der Republik verkündet. Der Großteil der Bevölkerung jedoch weiß nichts davon.
Deshalb haben SOS-Kinderdorf und seine Partner die Kampagne „Le Benin au Rythme du Code de l’Enfant“, zu Deutsch „Benin im Rhythmus des Kinderrechtskodex“, gestartet. Ihr Ziel ist es, den Inhalt der Kinderrechtserklärung im gesamten Land zu verbreiten, mit Hilfe von Grundschulen, Medien und Gemeinden. Jeder soll den „Code de l’Enfant“ anwenden und die Lebensbedingungen von Kindern auf diese Weise verbessern.
Ein Vorbild für andere Jugendliche
Yvette (22) engagiert sich sehr für den Kinderschutz in Benin. Sie ist Botschafterin für Kinderrechte und setzt sich für die Beschäftigungsfähigkeit von jungen Menschen ein. Durch ihre Entschlossenheit und ihr Engagement ist sie zu einem Vorbild für Kinder und Jugendliche in ihrem Heimatland Benin geworden. Yvette wurde in einer ländlichen Gemeinde geboren, in der es nicht immer einfach war, Kind zu sein. Körperliche Gewalt gegen Kinder in der Schule und zu Hause war eine weit verbreitete Praxis. Yvette war erst vier Jahre alt, als ihr Vater starb. Ihre Mutter war nicht in der Lage, für sie und ihren Bruder zu sorgen. Deshalb wurde Yvette noch im selben Jahr im SOS-Kinderdorf aufgenommen.
Sie war neun Jahre alt, als sie Klassensprecherin und Mitglied des Schulvorstands wurde und begann, Kinder und Erwachsene für das Thema körperliche Gewalt zu sensibilisieren. „Ich hatte nie Angst, mit Erwachsenen zu sprechen“, sagt Yvette. „Ich denke, das liegt daran, dass wir im SOS-Kinderdorf immer die Freiheit hatten, uns auszudrücken und offen zu kommunizieren.“ Wenn ihre SOS-Kinderdorfmutter in den Urlaub fuhr, kümmerte sie sich um die anderen Kinder, die bei ihr lebten: „Ich war nicht die Älteste, aber ich hatte die Fähigkeit, mich um andere zu kümmern, und ich mochte es immer, wenn man mir Verantwortung übertragen hat“, so die 22-Jährige.
Kinder- und Jugendbotschafterin
Anlässlich des Internationalen Kindertags 2012 organisierte und leitete Yvette einige Aktivitäten bei den lokalen Behörden im Bezirk Atakora im Norden Benins, zusammen mit anderen jungen Kinderrechtsaktivisten. Sie bat um finanzielle Unterstützung und Schulmaterialien für Kinder aus der Region und ihre Rede wurde sogar im Fernsehen ausgestrahlt. Im Jahr 2020 entwickelte sie ein Projekt zum Schutz der Kinderrechte während der Coronapandemie. „Mit Unterstützung von SOS-Kinderdorf konnten wir 2.500 junge Menschen in verschiedenen Gemeinden Benins über die Risiken von COVID-19 aufklären, sie zu Maßnahmen zur Eindämmung des Virus schulen und mit Hygiene-Kits versorgen.“
Inzwischen ist Yvette Kinder- und Jugendbotschafterin von Benin. „Auf einer Veranstaltung sagte mir ein Mädchen, dass ich es inspirieren würde, sich auch zu engagieren, und das hat mich berührt“, erklärt sie. „Ich würde meine Stimme gerne noch weiter in die Ferne tragen“, sagt sie voller Stolz. Ihr nächstes Ziel ist es, vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu sprechen: „Das wäre der Beginn einer echten Veränderung für Millionen von Kindern in meinem Heimatland Benin.“
