93886_SOS-Kinderdorf International_Äthiopien_Itaya_Familienstärkung (2).jpg
SOS-Familienstärkung
Allein mit fünf Kindern

Zewdes Kampf für eine bessere Zukunft

Von einem auf den anderen Tag ist alles anders: Zewde aus Äthiopien ist nach dem Tod seiner Frau allein für seine fünf Kinder verantwortlich. Er weiß nicht, wie er seinen Lebensunterhalt verdienen und sich gleichzeitig um seine Kinder kümmern soll. SOS-Kinderdorf hilft ihm dabei, seine Familie zusammenzuhalten.
„Meine Frau wurde über Nacht schwer krank“, sagt Zewde (42). „Ich brachte sie sofort in ein nahe gelegenes Krankenhaus. Der Arzt versuchte sie zu retten.“ Zewde dreht den Kopf zur Seite und blickt auf ein großes, gerahmtes Foto seiner Frau. Es steht in einem Regal, umringt von bunten Plastikblumen. „Er konnte nichts mehr für sie tun, sie war einfach weg“, fährt er mit düsterem Blick fort. Auch heute noch fällt es dem Witwer schwer, über seinen Verlust zu sprechen. 19 lange Jahre waren er und seine Frau verheiratet. Zusammen haben sie fünf Kinder.

Landwirtschaft und Familienverantwortung

Der 42-Jährige arbeitet als Landwirt in Tulu Moye. Das Dorf liegt rund drei Autostunden von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba entfernt. Zewde baut Mais, Gemüse, Bohnen und Weizen an. Das Land dafür hat er von seinem Nachbarn gepachtet. Er nutzt die Ernte, um seine Kinder zu ernähren. Den Rest verkauft er auf dem Markt. „Selbst als meine Frau noch lebte und ich mich auf den Verkauf konzentrieren konnte, reichte das Geld kaum aus“, erzählt der Vater heute.
Die ersten Jahre ohne seine Frau waren für Zewde besonders hart: „Ich kochte für meine Kinder, ich verbrannte mir die Finger am Feuer. Ich traf mich nicht mehr mit meinen Freunden, ich war nur noch für meine Kinder da. Ich versuche alles möglich zu machen und dennoch reicht es hinten und vorne nicht aus.“ Zewdes Kinder gingen zwei Jahre lang nicht zur Schule. Das Geld für die Schulgebühren fehlte schlichtweg.

SOS-Kinderdorf unterstützt die Familie

Zewdes verstorbene Frau meldete die Familie bereits 2018 beim SOS-Familienstärkungsprogramm an. SOS-Kinderdorf versorgte die Sieben in ihren schwersten Zeiten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Zudem bezahlte die Organisation die Schulgebühren der Kinder. Zewdes älteste Tochter (20) geht nun in die 9. Klasse. Ihr kleiner 11-jähriger Bruder besucht die zweite Klasse. Sie sind älter als ihre Mitschüler*innen, aber dennoch froh, wieder zur Schule gehen zu können.
Nach dem Tod der Ehefrau fiel Zewde in ein tiefes Loch und fühlte sich maßlos überfordert mit der Verantwortung für seine fünf Kinder. Er wurde von SOS-Kinderdorf psychologische unterstützt. Stück für Stück lernte er, mit der neuen Herausforderung klarzukommen und neue Routinen für seinen Alltag zu entwickeln.  

Finanzielle Entlastung

Um den finanziellen Druck von Zewde zu nehmen, schlug SOS-Kinderdorf ihm vor, einer „Village Savings and Loan Association“ (VSLA) beizutreten. Das ist eine Gruppe von Menschen, die sich regelmäßig trifft, um gemeinsam von ihren Ersparnissen kleine Kredite aufzunehmen. Nach einem Jahr werden die Darlehensgewinne wieder an die Mitglieder verteilt. Mit der VSLA lernte Zewde, besser mit Geld umzugehen, knüpfte hilfreiche Kontakte und kann mittlerweile auch die finanziellen Bedürfnisse seiner Kinder erfüllen.

Die Hoffnung kommt zurück

Für Zewde ist die Landwirtschaft ein hartes Stück Arbeit. Durch unvorhersehbare Wetterbedingungen ist die Ernte in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Die Preise für Düngemittel, Betriebsmittel und die Pacht des Landes sind gestiegen. Trotzdem möchte er seinen Kindern den Gang zur Schule auch weiterhin ermöglichen. Er sagt:
„Ich wurde früher von meinen Eltern zum Viehhüten geschickt und konnte nicht zur Schule gehen. Meine Eltern hätten ihr Bestes tun sollen, damit ich zur Schule gehen kann. Deswegen ist es mir so wichtig, meine Kinder bei ihrer Bildung zu unterstützen. Es ist der einzige Weg aus der Armut. Ich selbst bin kein gebildeter Mann, aber ich bin erfolgreich, wenn meine Kinder erfolgreich sind.“