Zwillinge aufgewachsen im SOS-Kinderdorf
SOS-Kinderdorf Äthiopien

Zwillinge halten zusammen

Zwei Leben, eine Geschichte 

„Früher haben Beki* und Naol in meine Handflächen gepasst“, erzählt SOS-Kinderdorfmutter Bizunesh heute. Sie erinnert sich noch genau daran, wie sie die Zwillinge bei sich aufgenommen hat. „Ich hatte Angst, dass sie nicht überleben. Sie wurden zwei Monate zu früh geboren.“ Die Mutter der beiden starb direkt nach der Entbindung. Besonders große Sorgen machte sich Bizunesh um die kleine Beki. Sie wog nur 1,3 Kilogramm. 

Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten 

Heute sind die Zwillinge zwölf Jahre alt. Die einzige Ähnlichkeit zwischen ihnen ist ihr Geburtstag. Naol ist kontaktfreudig, frech, liebt Zeichentrickfilme und das Malen. Beki ist zurückhaltend, ruhig, spielt gerne Fußball und tanzt – vor allem zu traditioneller äthiopischer Musik. So unterschiedlich sie sind, so eng sind sie miteinander verbunden. Ist ein Zwilling krank, begleitet ihn der andere zum Arzt und kümmert sich. „Manchmal sehe ich die beiden ganz eng beieinander gekuschelt schlafen“, sagt Bizunesh. „Wenn Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, fühlen sie sich oft sicherer, wenn ihre Geschwister bei ihnen sind. Sie unterstützen sich gegenseitig auf natürliche Weise und vermitteln ein Gefühl von Stabilität und Zugehörigkeit.“ 

Kontakt zum Vater: Ein fester Bestandteil im Leben  

 
Bizunesh kann es kaum glauben, wenn sie sich frühe Fotos der Zwillinge ansieht. „Ich habe mich um die beiden gekümmert, als wären sie meine leiblichen Kinder. Sie haben wirklich einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen.“ Nach der Geburt konnte SOS-Kinderdorf den Vater der beiden ausfindig machen. Obwohl er nicht in der Lage ist, für die Zwillinge zu sorgen, haben die drei engen Kontakt. Sie telefonieren regelmäßig, und hin und wieder besuchen die beiden ihren Vater. Für SOS-Kinderdorfmutter Bizunesh ist es wichtig, dass der Kontakt zwischen den Dreien nicht abreißt. Sollten sich seine Lebensumstände eines Tages zum Besseren verändern, könnten die Kinder vielleicht zu ihm ziehen. 
„Geschwisterbeziehungen sind nicht nur in der Kindheit, sondern im Laufe eines Lebens sehr wichtig. Ich hoffe, dass die beiden ihre tiefe Vertrautheit behalten, auch wenn sie erwachsen sind“, sagt Bizunesh. Beki und Naol haben große Pläne für ihre Zukunft. Beki möchte Ärztin werden und Menschen helfen, die sich sonst keine Behandlung leisten können. Naol will sein Talent zum Beruf machen und Maler werden. 

 

 
*Alle Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert.  

SOS-Kinderdorf in Äthiopien