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Äthiopisches Osterfest im SOS-Kinderdorf

Traditionen und Gemeinschaft zu Fasika

An diesem Tag tragen alle weiß: Im SOS-Kinderdorf Addis Abeba feiern die Familien im April Fasika, das äthiopische Osterfest. Es ist ein Fest aus dem orthodoxen Christentum. Knapp die Hälfte der Menschen in Äthiopien gehören dieser Religion an. Fasika findet etwas später statt als das Osterfest in Deutschland. Das Datum wird nach orthodoxer Berechnung festgelegt.  
Der Feier geht eine 55-tägige Fastenzeit voraus. Während dieser Zeit verzichten die Familien auf Fleisch und tierische Produkte. Einige der älteren Kinder entscheiden sich je nach persönlicher Überzeugung ebenfalls dafür, am Fasten teilzunehmen. Diese Zeit gilt als eine der wichtigsten und spirituell bedeutsamsten Phasen im äthiopisch-orthodoxen Glauben. 

Dekoration und weiße Kleider 

Die Hauptfeier findet am Sonntag statt, dieses Jahr der 12. April. Die Familien schmücken ihre Häuser mit handgefertigten Körben, Kerzen und festlich gedeckten Tischen. An diesem Tag tragen alle Kinder, die das Fest feiern, traditionelle Kleidung, auch Habesha libs genannt. Mädchen tragen in der Regel ein weißes, knöchellanges mit farbigen Mustern besticktes Kleid, das sogenannte Habesha kemis. Jungen tragen ein traditionelles weißes Hemd und eine passende Hose, teilweise ergänzt durch einen gewebten Schal, der über die Schultern gelegt wird. Der strahlend weiße Stoff symbolisiert die Freude und die Festlichkeit.  
Fasika ist einer der Feiertage, auf die ich mich am meisten freue. Es ist ein fröhlicher Tag, an dem ich Zeit mit meiner Familie verbringe, Feiertagssendungen im Fernsehen schaue und wir zusammen unsere liebsten Speisen essen.“ 
Zertihun (12), lebt im SOS-Kinderdorf  

Traditionen und Rituale in den SOS-Kinderdorffamilien 

Die SOS-Kinderdorfmütter bereiten das traditionelle Ostergericht Doro Wot zu. Das ist ein reichhaltiger Hühner-Eintopf, den die Familien zum Abschluss der langen Fastenzeit essen. Die Mahlzeit wird gemeinschaftlich von einer großen Platte, der sogenannten Gebeta, geteilt und symbolisiert Einheit und Zusammengehörigkeit.  
Eine der bedeutungsvollsten Traditionen ist das Teilen von Gursha. Das ist eine Geste, bei der eine Person einer anderen ein Stück Essen in den Mund legt als Zeichen von Liebe und Zuneigung. Besonders die Kinder freuen sich darüber, Gursha zu erhalten, da es Wärme, Fürsorge und familiäre Verbundenheit ausdrückt.  

Kaffeezeremonie und Dorfgemeinschaft

Nach dem Festmahl bereiten die SOS-Kinderdorfmütter eine traditionelle Kaffeezeremonie vor. Sie verbrennen Weihrauch, sodass sich der Geruch überall ausbreitet und das Haus erfüllt. Danach mahlen sie Kaffeebohnen und brühen den Kaffee in einer Tonkanne, der sogenannten Jebena, auf. Auch wenn die Kinder keinen Kaffee trinken, ist es ein gemeinschaftlicher Moment, den alle genießen. Manche Kinder laden ihre Freundinnen und Freunde ein und die Familien aus dem SOS-Kinderdorf kommen zusammen. Fasika ist im SOS-Kinderdorf Addis Abeba daher nicht nur ein religiöses Fest. Von den frühen Vorbereitungen am Morgen bis zu den abendlichen Kaffeezusammenkünften wird der gesamte Tag in Zusammengehörigkeit gemeinsam gefeiert. 

Wie SOS-Kinderdorf in Äthiopien hilft