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Bildung in Afrika
Zwischen Fußball und Pharmazie
Bildung ist in Äthiopien keine Selbstverständlichkeit. Doch Yonathan* hatte das Glück, im SOS-Kinderdorf aufzuwachsen und zur Schule gehen zu können. Heute studiert er und arbeitet entschlossen an seiner Zukunft – mit großen Träumen.  
Yonathan (20) dribbelt den Fußball geschickt vor seinen Füßen her. Er weicht seinem Gegner aus, hebt den Blick und setzt zum Schuss an. Der Ball fliegt – und landet im Netz! Yonathan strahlt und auch sein Bruder Samuel (22) freut sich mit ihm. Ihr gemeinsames Hobby begleitet die beiden schon seit ihrer Kindheit.

Zusammenhalt und Hühnereintopf

Yonathan war erst drei Jahre alt, als er zusammen mit seinem älteren Bruder ins SOS-Kinderdorf Addis Abeba kam. „Samuel und ich haben unsere Eltern viel zu früh verloren“, erzählt er.
„Doch wir haben ein neues Zuhause bei unserer SOS-Kinderdorfmutter Fantaye gemeinsam mit acht anderen Kindern gefunden. Wir haben uns dort immer geborgen gefühlt.“ Besonders Fantayes starker Gerechtigkeitssinn ist ihm im Gedächtnis geblieben. „Bei uns gab es keine klassische Rollenverteilung – wir Kinder teilten uns alle Aufgaben, unabhängig vom Geschlecht. Jede und jeder von uns lernte zu kochen.“ An einen Moment erinnert sich Yonathan besonders gerne: „Ich sehe uns noch alle zusammen in der Küche stehen, wie wir Doro Wot zubereiteten – einen leckeren Hühnereintopf, den wir an Festtagen gegessen haben.

Schule und viel Zeit für Hobbys

Yonathan wurde an der Deutschen Botschaftsschule Addis Abeba eingeschult, einer der führenden Bildungseinrichtungen des Landes, die für kleine Klassen und gute Betreuung bekannt ist. Er war schon immer neugierig, hatte Spaß am Lernen und fühlte sich dort gut aufgehoben.
Bildung ist in Äthiopien nicht für alle Kinder zugänglich. Landesweit können über neun Millionen Kinder aufgrund von Konflikten, Gewalt, Naturkatastrophen und Vertreibungen nicht zur Schule gehen. 2024 wurden mehr als 6.000 Schulen geschlossen und rund 10.000 Schulen sind durch Klimakatastrophen oder Konflikte beschädigt. Auch Kinderarbeit ist weit verbreitet.**
Die Nachmittage verbrachte Yonathan mit einer Mischung aus Hausaufgaben und Vereinsaktivitäten. „Ich war in der Fußball- und in der Kunst-AG, außerdem habe ich während der Schulzeit Geige gespielt und Deutsch gelernt“, erzählt der 20-Jährige. „Ich habe sogar ein Zertifikat des Goethe-Instituts in Deutsch erworben und träume davon, eines Tages nach Deutschland zu reisen.“ Mit 16 Jahren zog Yonathan in die SOS-Jugendwohngruppe, wo er mit Gleichaltrigen zusammenlebte, und besuchte eine weiterführende Schule.

Der Traum von der eigenen Apotheke

Yonathan interessiert sich sehr für Chemie und Biologie und hat sich deshalb entschlossen, Pharmazie zu studieren. Die medizinische Versorgung in Äthiopien ist schlecht und Yonathan möchte den Menschen helfen, an Medikamente zu kommen. SOS-Kinderdorf unterstützt ihn weiterhin mit finanziellen Zuschüssen, damit er Miete und Lebensmittel bezahlen und sich voll auf sein Studium konzentrieren kann. Zurzeit ist er im dritten Studienjahr und strebt einen Abschluss mit Bestnoten an. „Mein langfristiges Ziel ist es, mit meinen Geschwistern eine Apotheke zu eröffnen“, sagt er. „Ich möchte, dass wir etwas haben, das uns gemeinsam gehört.“
Beim Fußball hat Yonathan Zeit, um durchzuatmen und den Kopf freizubekommen. Hin und wieder spielt er auch mit seinen jüngeren Geschwistern aus dem SOS-Kinderdorf. Er besucht sie wöchentlich und unterstützt sie beim Lernen. „Meine Zeit im SOS-Kinderdorf hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin“, sagt er. „Ich habe eine Familie, eine gute Ausbildung und eine Zukunft. Ich werde immer etwas zurückgeben.“ 
* Alle Namen wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert. 
** UNICEF Ethiopia Humanitarian Situation Report No. 9, 2024