Zwei Kinder spielen am Seeufer.

Urlaub für die Kleinsten

Für viele Familien ist es das Jahreshighlight und auch die Kinder, die in den SOS-Kinderdörfern leben, sollen nicht darauf verzichten: den Sommerurlaub.  

Kissenhöhlen und Kletterabenteuer

Ein paar Decken, Kissen und Luftmatratzen: Viel braucht es nicht, um den funktional eingerichteten Gemeinschaftsraum in eine gemütliche Höhlenlandschaft zu verwandeln. Und der zweijährige Matteo*, die dreijährige Lia* und die fünfjährige Leonie* haben sichtlich Spaß daran, ihre kuschelige Burg immer noch weiter auszubauen. Und während die Kinder selbstvergessen spielen, trommelt von draußen der Regen an die Scheibe.
Es ist ein nasskühler Sommertag in einem Feriencamp für Kinder und Jugendliche im sächsischen Erzgebirge und zugleich der dritte Ferientag für Matteo, Lia, Leonie und drei weitere Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Thüringen. Denn Urlaub gehört auch in den SOS-Kinderdorffamilien und Wohngruppen ganz selbstverständlich dazu. 
„Auch unsere Kinder sind neugierig, wollen Neues sehen und entdecken“, 
sagt Nathalie Schade. Sie ist Betreuerin im Haus Sonnenschein des SOS-Kinderdorfs Thüringen und begleitet mit ihren Kolleginnen Franziska Arndt und Susann Kowalski aus dem SOS-Kinderdorf die Ferienfahrt der Kinder. Das Besondere: Für Betreuerinnen und Kinder ist es die erste gemeinsame Ferienfahrt und für viele Kinder der erste Urlaub überhaupt. „Deshalb ist es auch für uns etwas ganz Besonderes“, sagt Nathalie Schade. Und auch die Kinder hätten schon Wochen vor dem Aufbruch der Reise entgegengefiebert.
Für die Ferien hat sich das SOS-Kinderdorf Thüringen aufgeteilt: Die älteren Kinder und Jugendlichen machen Urlaub im SOS-Feriencamp Caldonazzo in Norditalien, die jüngeren sind ins Erzgebirge gefahren. Die Fahrt bis nach Italien wäre für sie zu anstrengend gewesen, weshalb die Betreuerinnen ein Ferienziel in der Umgebung ausgesucht hatten. Eine gute Entscheidung, wie sich bereits auf der Hinfahrt gezeigt hatte. „Wir waren insgesamt eine Stunde unterwegs, schon nach einer halben Stunde haben die Kinder gefragt, wann wir endlich da sind“, erzählt Franziska Arndt lachend.

Spaß bei jedem Wetter

Wegen des regnerischen Wetters findet das Ferienprogramm für die Kinder an diesem Tag vor allem drinnen statt. Während Nathalie Schade und Franziska Arndt die Kinder beim Bau der Kissenhöhle beaufsichtigen, tobt eine andere Gruppe auf der Kegelbahn des Camps. Auch sonst ist für die Kinder in der Anlage viel geboten. Auf dem Gelände gibt es mehrere Spielplätze, einen Kletterwald und einen See. Außerdem sind viele Ausflugsziele in der Nähe. „Gestern waren wir mit den Kindern im Indoorspielplatz, morgen wollen wir vielleicht in die Sternwarte“, erzählt Betreuerin Franziska Arndt. Dass die Reise kindgerecht wird, war den Erzieherinnen bei der Auswahl ihres Ferienziels besonders wichtig. 
„Aber eigentlich freuen sich die Kinder über alles. Sie können auch im Wald Tannenzapfen suchen und sind glücklich“, 
so die Pädagogin.
Währenddessen hat Leonie langsam das Interesse an der Kissenhöhle verloren. „Ans Wasser, ans Wasser“, wiederholt sie immer wieder und Nathalie Schade und Franziska Arndt wissen, was damit gemeint ist. Die Fünfjährige möchte an den See, dessen Ufer an die Ferienanlage angrenzt – und vor allem auf den Spielplatz direkt daneben. Und da der Regen inzwischen nachgelassen hat, erfüllen sie ihr den Wunsch. Nachdem die Erzieherinnen Leonie und auch Lia und Matteo die Regenkleidung angezogen haben, geht es hinaus ans Seeufer.

Geborgenheit und Abenteuer

Am Spielplatz angekommen, läuft Leonie sofort zum Klettergerüst, auf das sie dann aber doch nur zaghaft klettert. Franziska Arndt redet ihr gut zu: „Wir haben doch gestern geübt, du schaffst das.“ Da traut sich das Mädchen und nimmt eine Stufe nach der anderen. Dass Leonie der Pädagogin so vertraut, hat auch damit zu tun, dass sie im SOS-Kinderdorf ihre Bezugsbetreuerin, also hauptverantwortlich für Leonie, ist. 
Keines der Kinder, die auf der Ferienfahrt im Erzgebirge mit dabei sind, hat die Reise ohne eine Bezugsbetreuerin angetreten. „Das ist bei den Kleinen auch wirklich wichtig“, erklärt Franziska Arndt. Denn viele Kinder haben vor ihrer Ankunft im SOS-Kinderdorf schlechte Erfahrungen gemacht und kommen aus Elternhäusern, in denen sich nicht oder nicht ausreichend um sie gekümmert wurde. 
„Diese Kinder brauchen deshalb immer ein bisschen mehr Sicherheit, mehr Stabilität, mehr Liebe“, 
so Franziska Arndt. Das gilt auch oder vielleicht sogar besonders in den Ferien. „Viele Kinder kennen Urlaube von zu Hause gar nicht.“
„Sicherheit und Stabilität“, das bedeutet auch, dass im Urlaub Abläufe, die die Kinder aus dem SOS-Kinderdorf gewohnt sind, beibehalten werden. Dazu gehören zum Beispiel feste Schlafenszeiten, geregelte Mahlzeiten und Pausen für die Kinder, um die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. „Wir merken schon, dass die Kinder hier schneller müde werden und mehr Schlaf brauchen als zu Hause“, sagt Nathalie Schade.
Auch Lia hat sich inzwischen zu Leonie auf das Klettergerüst gewagt. Der kleine Matteo zieht unterdessen völlig versunken mit einem Stock Linien in den Boden. Ein bisschen sollen die Kinder sich noch an der frischen Luft austoben dürfen, dann wird es Zeit für den Mittagsschlaf. Bei dem träumen die Kinder vielleicht auch schon davon, welche Abenteuer der restliche Urlaub wohl noch für sie bereithält.