Eine Familie unter Druck
Manchmal wird Noah* einfach alles zu viel: die Streits der Eltern, der Lärm seiner jüngeren Geschwister und die viel zu enge Wohnung seiner Familie, in der es für Noah keinen Rückzugsort gibt.
Noah, seine drei jüngeren Geschwister und seine Eltern teilen sich eine Zweizimmerwohnung. Mehr können sich die Eltern nicht leisten. Beide haben nur Gelegenheitsjobs, mit denen sie so gut wie möglich versuchen, sich und ihre vier Kinder über Wasser zu halten. Auch für die Eltern bedeutet diese Situation viel Stress. Wenn Noah mal wieder alles zu viel wird, flüchtet er sich auf eine Bank vor dem Wohnhaus der Familie. Doch das Gefühl der Hilflosigkeit und die Wut in seinem Bauch gehen auch durch diese Auszeiten nicht weg.
„Der Papa macht das doch auch“
Seit einiger Zeit provoziert Noah in der Schule Streits mit seinen Mitschülern. Wenn die sich dann wehren, schlägt Noah zu. Als ihn seine Klassenlehrerin darauf anspricht, sagt Noah nur: „Der Papa macht das doch auch.“ Um der Sache auf den Grund zu gehen, wendet sich die Klassenlehrerin an SOS-Kinderdorf.
Die Mitarbeiter laden Noahs Eltern zum Gespräch ein, doch die lassen sich nur widerwillig darauf ein. Schließlich gibt Noahs Mutter zu, dass ihr Mann gelegentlich „hart durchgreift“. Der Vater versteht die Aufregung nicht. Seiner Meinung nach funktionieren seine Erziehungsmethoden. Er bricht das Gespräch ab und möchte auch keine weiteren Termine mit den SOS-Mitarbeitern vereinbaren.
Doch als Noah sich erneut in der Schule prügelt, bekommt auch das Jugendamt mit, in welchen Verhältnissen der Sechsjährige lebt. Erst jetzt wird Noahs Eltern klar, dass sie etwas ändern müssen und sie wenden sich erneut an SOS-Kinderdorf. Damit Familien gar nicht erst in solche kritischen Situationen geraten, engagiert sich SOS-Kinderdorf deutschlandweit mit präventiven Hilfsangeboten. Diese stärken Familien und helfen so, dass aus Krisen keine Katastrophen werden müssen.
* Namen und biografische Details wurden zum Schutz der Personen verändert.
