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Wie Musik Brücken baut – eine Erfolgsgeschichte aus den Ambulanten Hilfen

14. Juli 2025

„Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden.“
Dieser Satz beschreibt treffend die Situation einer Familie, die wir seit über drei Jahren im Rahmen unserer
ambulanten Hilfen im SOS-Kinderdorf Württemberg
begleiten.
Damals lernten wir Rabia kennen – ein 13-jähriges Mädchen mit einer großen Leidenschaft für Musik und Kunst. Zuhause war die Stimmung angespannt: In der Schule lief es nicht gut, es kam immer wieder zu Konflikten zwischen Eltern und Tochter. Man redete aneinander vorbei, Missverständnisse führten zu Streit, Nähe war kaum noch möglich.
Was die Situation besonders herausfordernd machte: Rabias Eltern sind gehörlos, sie verständigen sich in Gebärdensprache. Rabia hingegen bewegte sich – wie ihre Clique – fast ausschließlich in der Lautsprache. Zwei Welten prallten aufeinander, und mittendrin ein Mädchen auf der Suche nach Identität, Freiraum und Verständnis.

Rabias Welt: Musik als Anker

Für Rabia ist Musik weit mehr als Unterhaltung. Sie ist Ausdruck, Rückzugsort, Selbstvergewisserung. Stundenlang hörte sie ihre Lieblingsband „Korn“, schrieb eigene Songs oder zeichnete. Für ihre Eltern blieb diese Leidenschaft verschlossen – sie konnten die Bedeutung nicht greifen und fühlten sich ausgeschlossen. 

Unsere Aufgabe: Brücken bauen

Zwei Kolleginnen der ambulanten Hilfen begannen mit der Familie zu arbeiten. Sie wurden zu Dolmetscherinnen zwischen zwei Lebenswelten – nicht nur sprachlich, sondern emotional. Sie erklärten den Eltern, was Musik für hörende Jugendliche bedeutet, wie wichtig eine Band in der Selbstfindung sein kann. Gleichzeitig stärkten sie Rabia dabei, ihre Interessen zu leben und ihre Gefühle besser auszudrücken – mit Musik, Kunst und ganz neuen Impulsen.
Rabia begann E-Bass-Unterricht zu nehmen, verarbeitete Konflikte kreativer und baute neue soziale Kontakte auf. Ihre Eltern sahen, was das mit ihr machte – wie sie aufblühte, ruhiger wurde, selbstbewusster. Und sie öffneten sich: Rabias Vater begleitete sie sogar zu einem Konzert ihrer Lieblingsband – einfach, um sie glücklich zu sehen.

Rabia erzählt selbst:

„Musik und Kunst sind meine zwei größten Leidenschaften. Sie hat mir geholfen zu verstehen, wie und wer ich bin. Sie hilft mir, mich besser auszudrücken, Dinge leichter zu verarbeiten und sie gibt mir Halt. Außerdem hat mir die Musik geholfen, soziale Kontakte zu schließen. Auf meine wöchentliche E-Bass Stunde freue ich mich sehr, sie lässt mich freier fühlen. Die Band, mit der ich mich am meisten verbunden fühle ist „Korn“.  Die Kunst hilft mir, mich innerlich aufgeräumter zu fühlen. Ich hoffe jeder findet so eine Leidenschaft, die ihm so viel Halt gibt wie mir!“
 

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