Familien- und Demokratiebildung
In Geras hochbelastetem Stadtteil „Zentrum“ leben viele Familien mit Unterstützungsbedarf aber auch ein hoher Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. SOS-Kinderdorf betreibt hier das Frauenkommunikationszentrum (FFZ) mit angeschlossenem „Café Krümel“. Das vielfältige Programm umfasst offene und leicht zugängliche Aktivitäten. Die Mitarbeitenden beraten, bilden weiter, organisieren Gesundheitskurse und Freizeit- und Begegnungsangebote für alle Altersgruppen. Es gibt Beratung in Krisensituationen, allgemeine Lebensberatung und Rechtsberatung. Die Kurse reichen von Pilates, Yoga und Malen bis zu Bastel- und Näh-Gruppen.
Im angrenzenden „Café Krümel“ gibt es einen täglichen Mittagstisch mit – Dank Spendenfinanzierung – besonders niedrigen Preisen. Dort ist auch die Kleiderbörse beheimatet. Genutzt werden diese Angebote hauptsächlich von Bedürftigen und Migranten. Insgesamt werden so pro Monat mehr als 300 Menschen erreicht.
Das neue Projekt „Familien- und Demokratiebildung“ soll helfen, das demokratische Miteinander zu gestalten und zu pflegen. Dazu gehören unter anderem Bildungs- und Informationsangebote, Kurse, Veranstaltungen und Aktionen zu frauen- und familienpolitischen Themen, zu Rechten und Zukunftschancen für junge Menschen sowie zu gesellschaftlicher Vielfalt und Toleranz. Das Projekt soll ein demokratisches Gegengewicht bilden zu den zunehmend rechten Tendenzen in der Stadt Gera, in der zum Beispiel jahrelang das bundesweit größte Rechtsrock-Konzert stattfand und aktuell die AfD die größte Fraktion im Stadtrat bildet.
Ziele
- Demokratiestärkung und -bildung
- Extremismusprävention
- Vermittlung von pädagogischem Handlungswissen an Multiplikatoren
Zielgruppe
Das Projekt richtet sich an Schülerinnen und Schüler, an pädagogische Fachkräfte in der Schulsozialarbeit sowie Lehrkräfte und bietet Beratung und öffentliche Veranstaltungen zu politischer Bildung, Demokratiebildung und Vermittlung zu externen Trägern für Projektdurchführung und/oder spezifischen Beratungen.
Hintergrund
Aufgrund alltäglicher Arbeitsbelastung können Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie Lehrkräfte den Bedarfen an Schulprojekttagen im Bereich der politischen Bildung häufig nicht gerecht werden. Gerade in der Stadt Gera, einer Stadt mit großem Potential für einen „Rechtsruck“ in der Gesellschaft, ist dies jedoch von großer Bedeutung, weshalb das Projekt von SOS-Kinderdorf ins Leben gerufen wurde und durch Übernahme dieser Aufgabe einen Zuwachs an Quantität und Qualität der Demokratiebildung darstellen kann.
Angebote
Vom projektbetreuenden pädagogischen Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf Thüringen erfolgt nicht nur auf Anfrage eine Unterstützung von Ideen, Projekten und Angeboten der Demokratiebildung an Schulen, z. B. die Durchführung von Wahlen von Schülervertretungen, sondern auch die Organisation eigener Angebote im Bereich der Demokratiebildung. Die Themen reichen von Beteiligung/Partizipation und Kinderrechten bis in den Bereich politischer Bildung. Die Angebote für Externe werden bedarfsorientiert und auf Anfrage organisiert. Daneben gibt es eine Vielzahl trägerinterner Angebote, wie zum Beispiel:
- Bereitstellung von Expertise für den pädagogischen Alltag bspw. in Fragen zum Umgang mit Extremismus
- Beratung der Fachkräfte in Fragen der Demokratiebildung
- Erkennen und Abdecken der Fortbildungsbedarfe der Mitarbeitenden
- Schaffung von Angeboten der Demokratiebildung für Betreute (bspw. Fahrt ins Landesparlament, Mitwirkung in bestehenden Beteiligungsstrukturen, Aktivierung zu Wahlen, Förderung couragierten Handelns, Argumentationstrainings etc.)
Vernetzung
Es erfolgt eine Zusammenarbeit mit dem zuständigen Schulamt Ostthüringen und der dort zuständigen Referentin für kulturelle und politische Bildung. So können speziell im Bereich der Schülervertretung zum Beispiele Coachings und Begleitung ermöglicht werden sowie Austausch und Vernetzung begleitet werden. Dies betrifft nicht nur Gera, sondern auch Jena sowie die umliegenden Landkreise.
Darüber hinaus ist eine Beteiligung an Veranstaltungen und Aktionstagen in der Stadt Gera geplant, die von verschiedenen Initiativen regelmäßig organsiert werden, wie zum Beispiel „Aktionstag Stadtmitte“, „CSD Gera“, „IDAHOBIT“, „Aktionswochen gegen Rassismus“, „Gold statt Braun“. Eigene themenbezogene Veranstaltungen im FFZ wie beispielsweise zum Weltfrauentag, werden begleitet und initiiert. Denkbar sind auch Ausstellungen oder öffentliche Aktionen.
In das regelmäßige Programm im FFZ soll der Kurs „Nachhilfe Demokratie und Teilhabe am öffentlichen Leben“ aufgenommen werden, insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund zur Förderung der Integration.

