Zwei Frauen an einem Tisch mit Dokumenten vor sich
„Wir bleiben an ihrer Seite“

Einblick in das Betreute Jugendwohnen

Wie gelingt der Schritt ins Erwachsenenleben, wenn der Weg dorthin nicht immer einfach war? Im Betreuten Jugendwohnen (BJW) des SOS-Kinderdorfs Augsburg begleiten Priska Abstreiter und Ellen Irmer junge Menschen ab 16 Jahren. Dabei geht es um mehr als die erste eigene Wohnung: um Vertrauen, Verantwortung und die Erfahrung, das eigene Leben gestalten zu können.

Jugendliche auf ihrem Weg begleiten

Priska und Ellen kamen über unterschiedliche berufliche Stationen zur Arbeit mit Jugendlichen. Priska absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin, studierte später Soziale Arbeit und sammelte Erfahrungen unter anderem in der Schulsozialarbeit. Der Wunsch, junge Menschen intensiver im direkten Kontakt zu begleiten, führte sie schließlich zu SOS-Kinderdorf Augsburg.
Auch Ellen studierte Soziale Arbeit und wusste nach ersten Praktika in der Jugendhilfe: Sie möchte mit Jugendlichen arbeiten. 15 Jahre war sie in einer Jugendwohngruppe von SOS-Kinderdorf Augsburg tätig, später wechselte sie ins BJW. Nach einer Ausbildung zur Psychotherapeutin und einigen Jahren in der Selbstständigkeit kehrte sie dorthin zurück. Jugendliche in einer Lebensphase voller Veränderungen und Unsicherheiten verlässlich zu begleiten, ist ihr ein besonderes Anliegen.

Eine eigene Wohnung – aber nicht allein

Im BJW leben Jugendliche ab 16 Jahren in eigenen Ein-Zimmer-Appartements und bereiten sich auf ein eigenverantwortliches Leben vor. Wie viel Unterstützung sie dabei brauchen, ist individuell.
Priska und Ellen führen Gespräche, begleiten zu Ämtern, unterstützen bei persönlichen Herausforderungen und arbeiten gemeinsam mit den Jugendlichen an ihren Zielen. Die Betreuung orientiert sich dabei an ihrem Alltag und Entwicklungsstand.
Zu Beginn ist der Kontakt meist intensiver. Je selbstständiger die Jugendlichen werden, desto mehr ziehen sich die Fachkräfte zurück. So entsteht Schritt für Schritt mehr Eigenverantwortung.

Verlässlich sein – auch wenn etwas schiefgeht

Verbindlichkeit, Transparenz und das Erkennen der jeweiligen Bedürfnisse sind für Priska und Ellen die Grundlage ihrer Arbeit.
Die Jugendlichen treffen ihre Entscheidungen selbst – auch wenn die Fachkräfte manchmal einen anderen Weg empfehlen würden. „Wir begleiten auch dann, wenn eine Entscheidung nicht optimal war“, beschreiben die beiden ihre Haltung. Sie bleiben ansprechbar, helfen, Konsequenzen zu bewältigen, und überlegen gemeinsam, was beim nächsten Mal anders laufen könnte.
Denn zum Erwachsenwerden gehört auch, eigene Erfahrungen zu machen und aus Fehlern zu lernen.

„Ich kann selbst etwas verändern“

Viele Jugendliche haben zuvor erlebt, dass andere über ihr Leben bestimmen. Im BJW übernehmen sie Verantwortung für ihren Alltag und treffen eigene Entscheidungen. Sie erleben: Ich kann mein Leben selbst gestalten.
Gleichzeitig erfahren sie, dass Selbstständigkeit nicht bedeutet, alles allein schaffen zu müssen. Hilfe anzunehmen darf dazugehören.
Wie nachhaltig diese Begleitung sein kann, zeigen Begegnungen mit ehemaligen Betreuten. Ellen erzählt: „Es freut mich, wenn ich z.B. in den Baumarkt gehe und dort auf Mitarbeitende treffe, die einmal unsere Betreuten waren. Das zeigt, dass sie eine Arbeit haben, Struktur und den Weg in die Selbstständigkeit geschafft haben.“
Auch nach dem Ende der Betreuung dürfen sich die jungen Menschen wieder melden. Manche tun das regelmäßig, andere erst nach längerer Zeit.
Für Priska und Ellen sind solche Begegnungen besonders wertvoll: Sie zeigen, dass junge Menschen ihren eigenen Weg gefunden haben.

Betreutes Jugendwohnen