Aktuelles
Offener Brief - Familienzentrum
29. Januar 2024
In Berlin leben rund 496.000 Familien. Der Spagat zwischen Arbeit und Familie, Wohnraumknappheit, fehlender Kinderbetreuung u.v.m. sind tägliche Herausforderungen. Durch die Pandemie und die Krisen der letzten Jahre sind die Belastungen für Familien noch größer geworden. Viele sind müde und erschöpft. Sie benötigen Hilfe und Unterstützung.
Genau mit diesem Ziel wurde 2022 das Familienfördergesetz in Berlin eingeführt. Es wurde von der damaligen Landesregierung als bundesweit einmaliges Vorhaben bezeichnet, dass die Familien in den Mittepunkt stellt. Die neue Regierung von CDU und SPD hat sich zur Fortführung des Familienfördergesetzes bekannt. Familienzentren sollen gestärkt werden.
Familienzentren sind ein fester Bestandteil der sozialen Infrastruktur und die Basis der familienfreundlichen Metropole Berlin. Sie sind Treffpunkte für Familien und im Kiez bekannt. Sie sind oft angedockt an eine Kita oder eine nachbarschaftliche Einrichtung und erreichen so die gesamte Vielfalt Berliner Familien. Hier können sich Eltern unkompliziert treffen und austauschen. Zugleich finden sie Ansprechpersonen für Beratung und Unterstützung. Mit ihren Angeboten stärken die Familienzentren Eltern und Kinder, das nachbarschaftliche Miteinander und machen sich stark für Bildung und Beteiligung.
Aktuell sind große Einschnitte bei den Familienzentren zu befürchten!
- Die Familienzentren aus dem „Landesprogramm Familienzentren“ erhalten 2024 rund 10.300 Euro (11%) weniger Geld vom Senat. Insgesamt fallen rund 500.000 Euro für das „Landesprogramm Familienzentren“ weg.
- Die Finanzierung der bezirklichen Familienzentren ist unklar. In Berlin-Mitte sind Zentren von der Schließung bedroht. Weitere Kürzungen werden befürchtet.
- Auch das SOS-Familienzentrum ist von massiven Kürzungen bis hin zur vollständigen Einstellung der Förderung bedroht.
Familienzentren erhalten weniger Mittel und müssen Personal kürzen.
Das bedeutet u. a:
- Langjähriges Personal muss entlassen werden, Wegfall von Honorarangeboten
- Wegfall von Ansprechpersonen für Austausch, Vermittlung und Beratung
- Reduzierung der Öffnungszeiten (z. B. Wochenende, offener Treff, Ausflüge)
- Kürzung von Angeboten (z. B. Eltern-Kind-Kurse, Sozialberatung, Ferienprogramm)
- weniger Angebote (z. B. für geflüchtete Familien und damit weniger Sprachförderung
und für armutsgefährdete Familien)
- keine neuen Angebote (z. B. Familie und Gesundheit)
Das heißt, Familien werden teilweise vor verschlossenen Türen stehen und keine Hilfe bekommen. Das betrifft besonders die, die sie besonders brauchen.
Es bedarf mehr Mittel für die Familienzentren – nicht weniger!