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Nachhaltigkeit bei SOS-Kinderdorf

Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist uns bei SOS-Kinderdorf ein großes Anliegen. Auch wir möchten unseren Teil für eine bessere Umwelt beitragen. Dies gilt zum einen beim Bau neuer Einrichtungen, als auch für unsere Angebote in unseren Einrichtungen. Hier erhalten Sie einen kleinen Einblick.

Nachhaltiges Bauen ist ein Prozess

Peter Fretschner, seit 10 Jahren Leiter der Stabsstelle Bau bei SOS-Kinderdorf, im Gespräch über nachhaltiges Bauen und andere ökologischen Maßnahmen.

Die Energieeinsparverordnung, die schon vor knapp 20 Jahren definiert wurde, legt fest, wie Gebäude ausgestattet sein müssen, um den energetischen Anforderungen zu genügen. Damals hat man gemerkt, wenn Häuser schlecht gebaut sind, dann verbrauchen sie auch mehr Energie. Natürlich hat sich in den vergangenen Jahren viel getan und die Verordnung wurden mehrmals angepasst. Aber seither ist das Thema für alle, die in der Baubranche tätig sind, von zentraler Bedeutung und man kann sagen, dass die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland mittlerweile recht hoch sind.
Da gibt es zwei Hauptaspekte. Zum einen werden die Anforderungen für den Wärmeschutz der Gebäudehülle definiert, zum anderen die Energieeffizienz der eingesetzten Anlagentechnik, also Heizung, Lüftung, Kühlung und Beleuchtung. Für uns bei SOS-Kinderdorf bedeutet das, dass man ein gutes Maß finden muss, die alten Gebäude so zu sanieren, damit weniger Energie verbraucht wird und die neuen nach den geltenden Standards zu bauen.
Beim Thema Heizung ist beispielsweise viel passiert. Alle alten Ölheizungen wurden erneuert und durch moderne Heizungen ersetzt. In den letzten Jahren haben wir 10 von 17 SOS-Kinderdörfer mit Blockheizkraftwerken ausgestattet. Diese Anlagen laufen wie ein Motor, produzieren aber gleichzeitig Wärme und Strom. Die kleinen Heizkraftwerke sind sehr wirtschaftlich und energiesparend und für Kinderdörfer eine ideale Lösung, da dort viel Wärme und warmes Wasser verbraucht wird. Außerdem kann der erzeugte Strom für den Eigenbedarf verwendet werden. Einziger Nachteil ist, dass diese Anlagen noch mit Gas betrieben werden. Im nächsten Schritt arbeiten wir auf Klimaneutralität hin.
Leider sind Öl- oder Gasheizungen immer noch die Billigsten auf dem Markt, aber wenn man etwas für die Umwelt tun will, kostet das natürlich deutlich mehr Geld. Holzwolle für die Gebäudedämmung ist doppelt so teuer wie herkömmlicher Dämmstoff. Wir müssen da auch die Kosten im Blick haben. Um klimaneutral zu werden, braucht es teurere Anlagen wie etwa strombetriebene Wärmepumpen, die aus Luft, Wasser oder Geothermie Energie gewinnen.
Was die Stromversorgung betrifft, sind wir schon sehr weit bei SOS-Kinderdorf: Über 95,5 % des von uns bezogenen Stroms stammt aus regenerativen Quellen wie Wasser oder Wind. Zudem werden rund ein Dutzend Fotovoltaikanlagen betrieben, die einen Beitrag zur Eigenversorgung der Einrichtungen mit Strom liefern.
Seit dem Jahrhundertwasser gibt es vonseiten des Gesetzgebers klare Vorgaben, die der Bauplaner berücksichtigen muss. Angesichts häufiger auftretender Starkregenereignisse und zunehmender Verdichtung merken wir, dass diese Vorgaben häufig nicht mehr ausreichen. Dezentrale Regenrückhaltesysteme wie etwa Rigolen, die flächig im Boden eingebracht werden, sind eine kostengünstige Möglichkeit, das öffentliche Kanalnetz zu entlasten. Wichtig ist, dass der Niederschlag nicht unmittelbar in die Abwassersysteme abgegeben wird. Wir arbeiten auch viel mit Dachbegrünungen, die bei der Regenrückhaltung wie ein Schwamm wirken. Die grünen, bepflanzten Dachflächen sehen nicht nur schön aus, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima, also zur Wärmeregulierung und dem Wasserhaushalt.
Bei dem Ziel, Klimaneutralität zu erreichen. Da stehen wir noch ziemlich am Anfang, aber nachhaltiges Bauen ist ein Prozess. Auch bei der E-Mobilität können wir noch besser werden. In einigen Einrichtungen gibt es schon E-Autos, kommen aber noch nicht flächendeckend zum Einsatz.
Das ist grundsätzlich aus Holz gebaut mit wohlproportionierten hellen Räumen. Ich liebe die warme Atmosphäre in Räumen die durch die Holzoberflächen entsteht. Nebenbei ist das Material Holz auch klimaneutral. Man darf sich beim nachhaltigen Bauen aber nicht nur auf einen Aspekt konzentrieren, sondern muss das Ganze im Auge behalten. Wenn ich ein Thema zu stark in den Vordergrund rücke, kommt ein anderes zu kurz.
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SOS-Kinderdorf ist Nachhaltigkeit ein Anliegen – auch beim Bau neuer Standorte.
© SOS-Kinderdorf e.V. / Christina Körte

Weitere nachhaltige Projekte in Deutschland

Dies ist nur eine kleine Auswahl. Wir stellen Ihnen künftig noch viele weitere Projekte vor.

Für die körperliche und psychische Entwicklung ist es enorm wichtig, die Natur zu erleben und sich in der Natur zu bewegen. Doch gibt es immer weniger Möglichkeiten, die Natur direkt zu erfahren. Im SOS-Kinderdorf Brandenburg gibt es deshalb eine Waldgruppe auf Grundlage naturpädagogischer Methoden und Ansätze.
Mit Bollerwagen, Müllsäcken, Müllzangen, Lupen und Ferngläsern ziehen die Kinder los und beobachten Tiere und Insekten, bestimmen Bäume und Pflanzen. Zeitgleich laufen mehrere kleinere Projekte: Bei den Waldpaten geht es zum Beispiel darum, den Wald von Müll zu befreien und sich aktiv mit der Umwelt und deren Schutz auseinanderzusetzen. Ein anderes aktuelles Projekt der Waldgruppe ist ein Barfußpfad, der aufgebaut werden soll.
Kinder haben viele Fragen. Diese werden bei  Ausflügen in die Biosphäre, in ein Aquarium oder Naturkundemuseum spielerisch beantwortet.

Nachhaltigkeit im Ausland

Energiewende im SOS-Kinderdorf Gracanica

Seit seiner Gründung im Jahr 1998 heizt das SOS-Kinderdorf Gracanica in Bosnien-Herzegowina seine Räumlichkeiten mit Öl. Da Nachhaltigkeit und Umweltschutz große Anliegen bei SOS-Kinderdorf sind, soll das bestehende Heizungssystem nun komplett ersetzt werden. 
Aus diesem Grund installiert das SOS-Kinderdorf in Gracanica demnächst elektrische Wärmepumpen in 18 Gebäuden. Wichtige Voraussetzungen dafür, wie etwa die Installation von Solarkollektoren, sanitären Warmwasseranlagen oder einer Wärmedämmung an den Häusern, wurden bereits geschaffen. 
Das Heizen mit Wärmepumpen hat viele Vorteile: CO2-Emissionen und Kosten werden reduziert, das SOS-Kinderdorf ist unabhängiger von importiertem Öl oder Gas und das Brandrisiko sinkt.