Weil Kinder
eine Kindheit brauchen

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Sieben Jahre nach Kriegsbeginn herrschen in Syrien weiterhin Gewalt und Terror. Die Not der Kinder ist ungebrochen. Millionen haben Eltern oder andere nahe Angehörige verloren, wurden durch Gewalterfahrungen traumatisiert oder leiden unter anderen Kriegsfolgen. So können viele nicht regelmäßig zur Schule gehen, sind mangelernährt und medizinisch nicht angemessen versorgt.

Luftangriffe und Artillerie-Beschuss auf die Rebellen-Enklave Ost-Ghouta im Osten von Damaskus haben Hunderte Kinder das Leben gekostet. Auch von Kampfgas-Angriffen wird berichtet. In dem umkämpften Gebiet leben etwa 400.000 Menschen, ein Drittel davon ist minderjährig.

Eine zerstörte Infrastruktur erschwert das Leben auch in den Landesteilen, in denen keine Kampfhandlungen mehr stattfinden. Kriegstraumata wirken nach und gefährden die Zukunft einer ganzen Generation. Deshalb brauchen Syriens Kinder auch weiterhin dringend internationale Hilfe.

SOS-Kinderdorf ist seit Jahrzehnten vor Ort. So bietet unter anderem das SOS-Kinderdorf Quodsaya bei Damaskus 123 Kindern ein Zuhause. Das im Herbst 2017 eröffnete Kinderdorf Saboura, ebenfalls bei Damaskus, hat inzwischen 75 Kinderaufgenommen. Hier finden Kinder und Jugendliche ein Zuhause, für die es keine Hoffnung auf Rückkehr gibt.

Interview mit Psychologe
Wassim Jaroush

Wassim Jaroush ist ein syrischer Psychologe. Er arbeitete als Therapeut für SOS-Kinderdorf Syrien und half Kindern und Jugendlichen in den beiden SOS-Übergangsheimen in Damaskus sowie in den Kinderdörfern Quodsaia und Saboura.

Frage 1 von 6:

Der Krieg bedeutet unvorstellbares Leid für syrische Kinder. Mit welchen Problemen sind Sie als Psychologe konfrontiert?

Der andauernde Konflikt führt zu vielen Formen der Traumatisierung. Nicht nur zu solchen, die direkt mit Kampfhandlungen zu tun haben. Auch Vertreibung, sexuelle Gewalt und körperlicher und seelischer Missbrauch gehören zu den Ursachen. In den SOS-Kinderdörfern sind viele Kinder durch den Tod der Eltern traumatisiert, den sie manchmal mitansehen mussten. Viele haben jeden Kontakt zur Familie verloren, manche haben eine Weile vollkommen auf sich gestellt auf der Straße gelebt. Manche kommen mit Phobien zu uns.

Frage 2 von 6:

Was macht das mit den Kindern?

Kinder reagieren sehr individuell. Sie sind unterschiedlich stark darin, mit Ängsten umzugehen. Natürlich kommt es auch darauf an, wieviel Unterstützung sie von außen erhalten. Manche reagieren auf Gewalt, indem sie selbst gewalttätig werden. Andere mit Rückzug und emotionaler Abstumpfung. Schlafstörungen und Bettnässen sind sehr häufig, auch bei älteren Kindern. Manche Kinder zeigen positive Bewältigungsstrategien. Sie treiben Sport, malen, schließen neue Freundschaften. Diese guten Strategien sind unser Weg.

Frage 3 von 6:

Was arbeitet SOS-Kinderdorf konkret mit traumatisierten Kindern?

Wir behandeln die frühen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung so schnell wie möglich, um die langfristigen Gefahren für ihre psychische Gesundheit möglichst gering zu halten. Mittel- und langfristig gibt es zwei Felder, in denen wir Hand in Hand arbeiten. Zum einen erhalten die Kinder therapeutische Hilfe, individuell und in Gruppen, meist in Form von Verhaltenstherapie und Spieltherapie und immer unter Anleitung von Psychiatern und Psychotherapeuten und anderem Fachpersonal. Zum anderen stärken wir sie durch ein Umfeld, in dem sie wieder Stabilität und Liebe erfahren können. Mit ihrer Kinderdorfmutter und ihren Geschwistern, mit Schule, gemeinsamen Mahlzeiten, regelmäßigen Bettzeiten, einfach mit einem verlässlichen Alltag, in dem sie ohne Angst mit Gleichaltrigen spielen und ihre kindlichen Erfahrungen machen können. Um dieses neue Familiengefühl zu stärken, heißt hier jeder Helfer, jede Fachkraft auch „Onkel“ oder „Tante“.

Frage 4 von 6:

Kommt es vor, dass Sie einen Fall als hoffnungslos erleben?

Ich glaube nicht an hoffnungslose Fälle, aber manchmal dauert es etwas länger. Manchmal sind unseren Bemühungen Grenzen gesetzt. Manche Kinder haben so große psychische und soziale Probleme, dass die Rückkehr zu einem ganz normalen Leben unmöglich erscheint. Dann sind wir eben kreativ und erfinden einen Lifestyle, der in diesem Moment passt. Veränderung und Improvisation sind gefragt. Fachwissen allein reicht nicht aus, um auf das vorbereitet zu sein, was wir gerade erleben.

Frage 5 von 6:

Warum ist Spielen so wichtig?

Kinder brauchen andere Kinder, um sich sozial, emotional und mental gut zu entwickeln. Traumatisierte Kinder können im Spiel mit Kameraden neu lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Vor allem die, die Erwachsenen nicht mehr vertrauen. Wenn die Kinder neu zu uns kommen, sind sie gegenüber Erwachsenen immer sehr zurückhaltend. Sie finden Trost darin, dass sie mit anderen Kindern sind. Für mich als Beobachter ist auch die Art des Spiels ein guter Indikator. Wenn sie Verstecken statt Krieg spielen und bei Problemen reden statt zu prügeln, sind das gute Anzeichen. Wenn sie sich jeden Tag neue Spiele ausdenken und sich im Spiel ganz vergessen können, ist Heilung nah.

Frage 6 von 6:

Nach fast sieben Jahren Krieg ist die Rede von einer „verlorenen Generation“. Wie beurteilen Sie die Folgen für die syrische Gesellschaft?

Es ist eine traurige Tatsache, dass eine riesige Zahl syrischer Kinder keine normale Kindheit erleben durfte und Schrecklichem ausgesetzt war. Wie das die Gesellschaft auf Dauer beeinflussen wird, ist nicht ganz klar. Der eigentliche Effekt wird zwei oder drei Jahre nach Kriegsende sichtbar werden, wenn die Folgen der posttraumatischen Belastungsstörungen ihren Höhepunkt erreichen. Der kriegsbedingte Mangel an Bildung und Ausbildung wird das Problem leider verschärfen. Manche werden als Erwachsene Probleme mit Beziehungen und in ihrem Berufsleben haben, manche werden Selbstmord begehen. Aber es besteht Hoffnung, denn das Bewusstsein für das Problem wächst, es gibt inzwischen auch mehr Forschung. Eine langfristige Begleitung, wie sie SOS-Kinderdorf ermöglicht, ist in ihrer Bedeutung jedenfalls kaum zu überschätzen.

7 Jahre Bürgerkrieg
in Syrien

Seit über sieben Jahren leben die Kinder von Syrien im Krieg. Verletzte, Gewalt, Hunger, getötete Familienmitglieder - grausamer Alltag für die traumatisierten Kinder in Syrien. SOS Kinderdorf kümmert sich an mehreren Standorten in Syrien wie Aleppo, Tartus und Damaskus um hunderte kriegstraumatisierte Kinder.

Eine Vergangenheit aus Gewalt und Einsamkeit

Jamils Rettung

Jamil* war fünf Jahre alt, als die Kämpfe in seiner Nachbarschaft in Damaskus immer brutaler wurden. Heute weiß niemand, wer in die Wohnung eingedrungen ist und seinen Vater im Schlaf erschossen hat.

Die Mutter erlitt einen Schock. Es heißt, dass sie das Haus verlassen hat und nie wieder gesehen wurde. Ihr einziges Kind ließ sie zurück. Eine Zeitlang muss Jamil allein durch die Stadt geirrt sein.

Das Wichtigste waren die Menschen

Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf Syrien wurden auf den Jungen aufmerksam und brachten ihn in Sicherheit. In einem SOS-Übergangsheim bekam er ein Bett und regelmäßige Mahlzeiten.

Das Wichtigste aber waren die Menschen, zu denen Jamil nach und nach Vertrauen fasste. Die Betreuerinnen, die jeden Tag kamen und im Wechsel auch nachts bei den Kindern blieben. Ein Team aus Psychologen und Ärzten war da, um über alles zu sprechen.

Mehr als nur ein neues Zuhause

Als das Findelkind aus Damaskus im November 2017 in das neu eröffnete SOS-Kinderdorf Saboura einziehen konnte, war das ein großer Moment. Zwar wurde er schon im Übergangsheim darauf vorbereitet, dass er in Saboura wieder Teil einer Familie sein würde. Als dann seine SOS-Kinderdorfmutter Lama mit seinen sieben SOS-Geschwistern am Tor stand und auf ihn wartete, war er trotzdem noch sehr schüchtern. „Da wusste ich ja noch nicht, wie lieb alle zu mir sein werden.“

Jamil kann wieder Kind sein

Was Jamil am besten gefallen hat am allerersten Abend im Kinderdorf? „Dass ich mir meine Bettwäsche selbst aussuchen durfte“, sagt er. Vorher kam es noch zu einem spontanen Fußballspiel. Er lächelt: „Meine Mannschaft hat verloren, aber es war trotzdem toll.“ Der großzügige Garten, die Spielmöglichkeiten, all das hat ihn in den ersten Tagen geradezu überwältigt. Sogar ein Schwimmbad gibt es: Das SOS-Kinderdorf ist eine umgebaute Ferienanlage, die wegen des Krieges nie in Betrieb genommen wurde.

Ein guter Platz zum Aufwachsen

An seiner Kinderdorfmutter Lama mag Jamil, „dass sie mir immer zuhört, dass sie fast immer lächelt und dass sie nie schimpft, wenn wir bei den Hausaufgaben etwas falsch machen“.

Lama ist außerdem die „Herrin“ vieler bunter Sticker; lustige Figuren, die zur Belohnung für gutes Lernen auf eine Tafel am Kleiderschrank geklebt werden für Jamil, seine vier SOS-Brüder und drei SOS-Schwestern. Er ist jetzt in der ersten Klasse und kann schon flüssig lesen. Wenn er groß ist, möchte er Pilot werden.

Schmerzliche Erinnerungen bleiben

Sein Lieblingsmoment im SOS-Kinderdorf? Wenn „Mama Lama“ für die ganze Familie Popcorn macht und sich alle einen Film anschauen dürfen. Die Abenteuer von „Tom & Jerry“ mag Jamil besonders.

Es geht ihm gut in seiner neuen SOS-Familie. Trotzdem überkommt ihn manchmal eine sehr große Traurigkeit. Die Erinnerung an seine „richtige“ Familie schmerzt. Wo seine Mutter jetzt wohl ist? Ob sie noch lebt? Niemand kann ihm diese Fragen beantworten. Doch für heute und solange er Schutz und Hilfe benötigt, ist der kleine Jamil im SOS-Kinderdorf an einem guten Platz.*

Hilfe für Kinder mitten im Krieg

Eine warme Mahlzeit, ein sicherer Rückzugsort, lebensnotwendige Medikamente sowie wärmende Kleidung und Decken: seit Beginn der SOS-Nothilfeprogramme hat SOS-Kinderdorf in Syrien mehr als 300.000 Menschen unterstützt. Auch sind unermüdlich Trauma-Therapeuten im Einsatz, wenn das Erlebte die Kinder nachts in ihren Träumen verfolgt und sie tagsüber verstummen lässt.

In den letzten Wochen haben uns unfassbare Bilder aus Ost-Ghouta erreicht. Besonders das Leid der Kinder hat mich sehr berührt. Die Kleinsten werden Opfer brutaler Angriffe und Gewalttaten. Verwundet, hungernd, ohne Familie und verängstigt… für mich als Mutter von zwei Jungen ist der Gedanke an eine solche Situation kaum auszuhalten. SOS-Kinderdorf leistet vor Ort Nothilfe und kümmert sich besonders um kriegstraumatisierte Kinder. Diese Kinder dürfen nicht alleine gelassen werden – helfen auch Sie mit!

Nazan Eckes

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