Es war einmal in einem reichen Land…

© SOS-Kinderdorf e.V. / Sebastian Pfütze

Eine Wohnblocksiedlung am Rande einer deutschen Großstadt. Zehn, zwölf Stockwerke ragen die grauen Betonklötze in den Himmel, an den Fassaden hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Entlang des schmalen Grünstreifens liegen vergessene Spielsachen, aus den Wohnungen dringen laute Stimmen, Geräusche von Fernsehern, irgendwo bellt ein Hund. Der Balkon der Wohnung im zweiten Stock wirkt verwaist, die Jalousien sind halb heruntergelassen.

© SOS-Kinderdorf e.V. / Sebastian Pfütze

Eine erste Ahnung drängt sich auf: Das Leben hier hält nicht viel Gutes bereit. Und doch lässt einen das, was sich hinter den blinden Fenstern bis vor Kurzem abgespielt hat, fassungslos zurück. Die kleine Sophie* lebte in der völlig verwahrlosten Wohnung mit ihren schwer drogenabhängigen Eltern. Weder die Mutter, die sie bereits mit 17 zur Welt gebracht hatte, noch der Vater konnten dem Mädchen nur ansatzweise etwas wie eine Kindheit bieten.

© SOS-Kinderdorf e.V. / Sebastian Pfütze

Sophie schlief auf einer Matratze im Wohnzimmer, in dem ihr Papa oft zusammen mit Kumpels ganze Nächte vor gewaltverherrlichenden Videospielen zubrachte. Auch sonst war der Fernseher der einzige Mittelpunkt in Sophies tristem Alltag. Stundenlang starrte das kleine Mädchen in das grelle Licht des Bildschirms. Geregelte Mahlzeiten kannte die Kleine nicht, sie aß, wenn sie Hunger hatte, mit bloßen Händen, was gerade da war: meist Pizza oder andere Fertiggerichte.

© SOS-Kinderdorf e.V. / Sebastian Pfütze

Und als ob all dies nicht bereits schlimm genug wäre, nimmt jahrelang niemand Notiz von Sophies erschütterndem Schicksal. Kein Kindergarten, keine medizinische Versorgung, keine Spielkameraden, kaum Kontakt zu Verwandten. Erst als das Kind eingeschult werden sollte und wochenlang nicht erschien, rief dies die zuständigen Behörden auf den Plan. Seitdem wird Sophie durch SOS-Kinderdorf betreut, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

© SOS-Kinderdorf e.V. / Sebastian Pfütze

Sophies Geschichte ist nur eine von zehntausenden Tragödien, die sich hierzulande tagtäglich ereignen. Wir von SOS-Kinderdorf wollen uns damit nicht abfinden. Gemeinsam mit unseren engagierten Unterstützern sorgen wir dafür, dass das Schicksal von Kindern wie der kleinen Sophie nicht dem Zufall überlassen bleibt.

*Namen, biografische Details und Abbildungen wurden zum Schutz der realen Personen geändert.

Vernachlässigte Kinder leiden. Ihr Leben lang.

2017 ging das Jugendamt in Deutschland knapp 28.000 Fällen von Vernachlässigung nach. In knapp 40 Prozent dieser Fälle waren die Kinder fünf Jahre alt oder jünger.2

Folgen der Misshandlung

Ein stark ungepflegtes Aussehen, keine wettergerechte Kleidung, das fehlende Pausenbrot und wenig Zuwendung und Fürsorge – vernachlässigte Kinder leben in einem dauerhaften Zustand von Mangel.3

Wie SOS-Kinderdorf vernachlässigten Kindern hilft

Kinder, die ins SOS-Kinderdorf kommen, brauchen sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit, um sich von ihren oftmals traumatischen Erlebnissen zu erholen. Vernachlässigung und gescheiterte Beziehungen gehörten häufig zum Alltag der Kinder, bevor sie zu uns kamen. Damit wir ihnen schnell und unbürokratisch helfen können, sind wir auf Spendengelder angewiesen. Beispielsweise im SOS-Kinderdorf Harksheide vermitteln wir ihnen sofortige Therapien: von Spieltherapie, über tiergestützte Pädagogik bis hin zu klassischer Psychotherapie.

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“Für Kinder sind diese Erfahrungen traumatisch”

Heike Jockisch, Leiterin des SOS-Kinderdorfs Kaiserslautern

„Viele Familien leiden über mehrere Generationen an wiederholter Vernachlässigung, seelischer Misshandlung oder Gefühlskälte.

Weil auch die Eltern selbst schon viel Mangel erlitten haben, entsteht ganz häufig eine Art Konkurrenz der Bedürfnisse zwischen Eltern und Kindern. Eltern wollen dann erst mal sich selbst versorgt wissen, oder sehen im Schreien ihres Babys den Ausdruck von Aggression gegen sich und nicht ein Kind, das sich nach Kontakt sehnt. So entsteht nicht selten eine Spirale des Sich-gestört-Fühlens durch das Kind und einer sich entwickelnden Aggression. Zunehmende Vernachlässigung und Kindesmisshandlung können die Folgen sein.

Für Kinder sind diese Erfahrungen traumatisch! Denn langanhaltende Vernachlässigung durch eine nahe Bezugsperson wird vor allem von kleinen Kindern als eine existenzielle Bedrohung erlebt.“

Wie Vernachlässigung ein Kinderleben prägt

Spenden Sie für einen fairen Start ins Leben

Viele Familien haben immer weniger finanzielle Mittel, um an dem Leben teilzuhaben, das um sie herum stattfindet. SOS-Kinderdorf sorgt mit Ihrer Unterstützung für benachteiligte Kinder.

Ein neues Zuhause im
städtischen Kinderdorf

Die Schwestern Susa und Hanne* haben eine dunkle Vergangenheit. „Ihr Elternhaus war von Gewalt und Drogenmissbrauch gekennzeichnet“, sagt Heidrun Boye von SOS-Kinderdorf. „Im Kindergartenalter mussten sie mit ansehen, wie der Vater mit dem Messer auf die Mutter losging.“ Da die Eltern nicht in der Lage waren, sich um ihre Kinder zu kümmern, kamen die Schwestern ins SOS-Kinderdorf. Weil Susa und Hanne im Kampf um elterliche Zuwendung immer wieder erbittert gestritten hatten, kämpften sie auch um die Aufmerksamkeit ihrer Betreuer. Damit die beiden langfristig eine stabile Beziehung aufbauen können, wachsen sie seitdem im gleichen Kinderdorf, allerdings in unterschiedlichen Familien auf.

Tobias und das
wiedergefundene Lächeln

Als Tobias* mit 13 Monaten in das städtische SOS-Kinderdorf kam, wirkte er kraftlos, manchmal fast apathisch. Die Folgen seiner Vernachlässigung durch die suchtkranke Mutter sah man ihm an. Erst durch die Fürsorge seiner Kinderdorfmutter besserte sich sein Zustand allmählich. Heute ist der 10-Jährige ein begeisterter Tüftler: Bagger oder Raumschiffe zu bauen, sind seine große Leidenschaft. Der Kontakt zur leiblichen Mutter, die im selben Stadtteil lebt, gestaltet sich zwar immer noch schwierig, doch Tobias hat sich in seiner Kinderdorffamilie zu einem lebhaften Jungen entwickelt.

„Die Kinder wissen nichts über Kinderrechte“

Benin an der Westküste Afrikas ist bitterarm. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen sind Analphabeten. Dass verwaiste oder verstoßene Kinder auf der Straße leben, als Arbeitssklaven ins Ausland verkauft oder zur Prostitution gezwungen werden, gehört hier leider zum Alltag. Auch Voodoo-Praktiken und ein mörderischer Aberglaube bedrohen Kinder existenziell. SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Salimane Issifou erklärt in einem Interview, weshalb das Kinderhilfswerk in Benin noch einen langen Weg zu gehen hat, sich aber auch über einige Erfolge freuen darf.

Plötzlich „Mutter“ von sechs Kindern

Freedah* ist in einer verzweifelten Lage. Vor einem halben Jahr hat sie ihre Eltern verloren und muss sich jetzt um sechs kleinere Geschwister kümmern. Oft kann sie ihnen weder Frühstück noch Mittagessen geben. Erst abends, wenn sie Geld verdient hat, kann sie kochen. Eine Sozialarbeiterin von SOS-Kinderdorf kommt ins Haus und überlegt mit Freedah, wie sie entlastet werden kann. Die beiden jüngsten Geschwister können in ein SOS-Kinderdorf ziehen, die beiden mittleren in Pflegefamilien unterkommen. Und Freedah selbst wird Unterstützung erhalten, damit niemand in der Familie auf der Straße landet.

* Namen, biografische Details und Abbildungen wurden teilweise aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen geändert.

Copyright Headerbild: © SOS-Kinderdorf e.V. / Christina Körte

1Quelle: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe: Vorläufige Schutzmaßnahmen, 2017; Statistisches Bundesamt (Destatis), 2018Immer mehr Kinder werden in Deutschland zu ihrem Schutz aus den Ursprungsfamilien genommen: 1995 gab es noch 23.432 Inobhutnahmen, 2017 bereits 38.891.

2Quelle: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe: Gefährdungseinschätzungen nach § 8a Absatz 1 SGB VIII; 2017; erschienen: 2018

3Quelle: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Information Ihrer Polizei: Kindesmisshandlung – Kinder schützen. Eine Handreichung für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte, 01/2019, https://www.polizei-beratung.de/medienangebot/detail/44-kinderschutz-geht-alle-an/