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SOS-Kinderdorf Berlin

„Viele Menschen hier wollen mir helfen“

Für junge Geflüchtete ist es schwer, fernab der Heimat in einem fremden Land Fuß zu fassen. Das Kooperationsprojekt EVEREST des SOS-Kinderdorfs Berlin hilft ihnen dabei, sich beruflich zu orientieren.
Wo früher in Berlin-Wedding Glühlampen produziert wurden, ist heute das Projekt EVEREST von SOS-Kinderdorf angesiedelt. In der Gemeinschaftsküche blubbert eine Kürbissuppe. Eine junge Frau mit schwarzen Haaren, zusammengebunden in einem Pferdeschwanz, rührt das Essen um. „Ich liebe Kürbis. Das erinnert mich sehr an meine Heimat“, erklärt sie. Das ist Kinana – 18 Jahre alt.
Sie wohnt seit fünf Jahren in Berlin und kommt gebürtig aus Damaskus, der Hauptstadt von Syrien. Das Land befindet sich seit 2011 im Bürgerkrieg. 13 Millionen Menschen mussten ihr Zuhause zurücklassen. Auch Kinana. Mit elf Jahren floh sie mit ihrer jüngeren Schwester, ihrer Tante und ihrem Onkel nach Deutschland.

Ausbildungsprojekt Everest: Ziel ist der Schulabschluss

Kinana ist eine von 28 jungen Geflüchteten, die am Projekt EVEREST teilnehmen. Ein bis zwei Jahre lang werden sie intensiv bei der Berufsorientierung und -vorbereitung begleitet. Wer das Programm durchläuft, hat am Ende einen Schulabschluss, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in der Tasche. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren und in verschiedene Betriebe reinzuschnuppern. Bei den Kooperationspartnern Berliner Stadtreinigung (BSR), REWE, Vivantes und der Charité Facility Management (CFM) werden sie auf Arbeits- oder Ausbildungsplätze vorbereitet.
Jeden Morgen besprechen die Teilnehmer mit den SOS-Mitarbeitern Aktuelles, außerdem wird vermerkt, wer in welchem Arbeitsbereich tätig ist. Infrage kommen Werkstatt, GESO (Gesundheit und Soziales), Hauswirtschaft, Deutschunterricht oder BBR (Berufsbildungsreife). Kinanas Name ist schon länger fest der Abkürzung BBR zugeordnet. Sozialpädagogin Tina Vielmuth fasst ihre Fortschritte zusammen: „Kinana hat trotz einiger Schwierigkeiten viele Ziele erreicht. Sie hat Sprachprüfungen erfolgreich absolviert und sich beruflich orientiert.“ Bei EVEREST stehen den jungen Menschen Sozialpädagoginnen, Fachanleiter, Lehrkräfte und eine Psychologin zur Seite.

Individuelle und psychologische Hilfe

„Wir schauen sehr individuell, wo der Mensch steht und wie gefestigt und stabil er ist“, erklärt Tina Vielmuth. Manche Teilnehmer kämen mit einem festen Berufswunsch und bräuchten Hilfe beim Schulabschluss oder Deutsch lernen. Andere seien kaum orientiert, probierten sich aus und absolvierten mehrere Praktika. Falls nötig, können die Betreuten auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Diese war für Kinana anfangs sehr wichtig, weiß Melanie Bshara, Jobcoach bei EVEREST: „Bei Kinana wussten wir nicht, ob sie durchhält.“ Die junge Frau kämpfte mit Schlafstörungen und schaffte es kaum aus dem Bett. „Anfangs ging es mir nicht gut. Aber EVEREST hat mich abgelenkt“, erzählt sie.

Selbstbewusst in die Zukunft

Kinana hat konkrete Pläne für ihre Zukunft. Insbesondere der Schulabschluss ist ihr wichtig. „Damit kann ich meine Ziele erreichen“, sagt sie. Diese kann Kinana jetzt angehen. Vor Kurzem hat sie ihre schriftliche und mündliche Prüfung in Deutsch, Englisch und Mathe abgelegt und alle Fächer bestanden.
Bald will Kinana eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegehelferin beginnen. Das Projekt EVEREST ist für sie dann beendet. Die ehemaligen Teilnehmer können aber weiterhin Förderung in Anspruch nehmen, beispielsweise durch Deutschnachhilfe oder fachliche Nachbetreuung. „EVEREST ist eine wichtige Zeit in meinem Leben. Ich hab hier gute Hilfe bekommen und meine Ziele erreicht. Lange habe ich mit mir selber gekämpft, damit ich es auch durchhalte. Aber ich habe es geschafft. Ich bin stolz auf mich“, sagt sie lächelnd.

Das EVEREST-Projekt von SOS-Kinderdorf

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