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Wirkungsbericht "Starke Gemeinschaft, starke Familien in Deutschland"
Offene Angebote in Deutschland

Wirkungsbericht "Starke Gemeinschaft, starke Familien in Deutschland"

Das haben wir 2021 erreicht

Das Miteinander macht eine Gesellschaft in Krisensituationen stark. Auch im Pandemiejahr 2021 konnten wir weiterhin Kinder, Jugendliche, Senioren und Familien unkompliziert mit offenen Hilfen unterstützen. Auch wenn zeitweise nicht alle Angebote in den Familien- und Mütterzentren sowie Mehrgenerationenhäusern stattfinden konnten, haben wir Wege gefunden, um die Hilfe weiterhin zu gewährleisten, beispielsweise durch digitale oder telefonische Beratungen.

Die offenen Angebote ermöglichen benachteiligten Menschen die Teilhabe an der Gemeinschaft, sie schaffen Bildungschancen und tragen zur Stärkung von Familien bei. Die Hilfe im Kleinen hat auch gesellschaftliche Auswirkungen, denn sie leistet einen Beitrag zu Chancengerechtigkeit und sozialem Frieden. In 2021 wurden die offenen Angebote 597.984 Mal in Anspruch genommen.
 

Wie haben wir Familien und Einzelpersonen durch offene Angebote unterstützt?

  • Die Betroffenen lernten Problemlagen und Ressourcen zu erkennen, um anstehende familiäre Krisen selbst zu verhindern;
  • sie erlebten soziale Gemeinschaft und Chancengerechtigkeit, fühlten sich zugehörig und konnten so ihr Selbstvertrauen stärken;
  • die Unterstützung ermöglichte es ihnen, sich auszuprobieren, ihre Potenziale zu entfalten und neue Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln.

Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten, indem wir Menschen zusammenbringen und ihnen einen Ort zum Austausch bieten.

Torsten Rebbe, Einrichtungsleiter SOS-Kinderdorf Hamburg

Neuer Mut für Janice

Wie kann es sein, dass in Deutschland Jugendliche und junge Erwachsene auf der Straße leben? Janice* erzählt von ihrem Weg in die Obdachlosigkeit – und wie sie mithilfe der Freiburger StraßenSchule den Ausstieg findet.

Freiburger StraßenSchule

In der Pandemie ist die Unterstützung durch die SOS-Mitarbeiter wichtiger denn je für die Jugendlichen.

Janice* haute mit zwölf Jahren von Zuhause ab – vor körperlicher und seelischer Gewalt. In ihrer Not flüchtete sie auf die Straße. „Die Straße hat sich sicherer angefühlt als mein Zuhause“, sagt sie heute. Sie lebte drei Jahre in besetzten Häusern, ging weiter in die Schule. Mit 15 wurde sie in einer Pflegefamilie untergebracht, später machte sie ihr Abitur. Doch die Gespenster ihrer Kindheit holten sie ein. Janice wählte erneut freiwillig die Obdachlosigkeit. Vor sieben Jahren tauchte das zierliche Mädchen in der Tagesanlaufstelle der Freiburger StraßenSchule auf. Die Sozialarbeiter unterstützen Janice durch Hilfe zur Selbsthilfe. „Zu uns kommen junge Menschen wie Janice, die sich in einer scheinbar ausweglosen, verfahrenen Situation befinden, die ihr Zuhause und ihr Vertrauen zu Mitmenschen verloren haben“, erklärt SOS-Mitarbeiterin Sabine Risch.

Den Platz im Leben finden

Freiburger StraßenSchule

In der Tagesanlaufstelle treffen die Jugendlichen auf Gleichgesinnte.

Die Pandemie hat viele der Straßenjugendlichen in ihrer positiven Entwicklung zurückgeworfen. Umso bedeutender ist die Beratung und Begleitung der SOS-Mitarbeiter für sie. Die Tagesanlaufstelle blieb im Jahr 2021 unter Einhaltung der notwendigen Hygienemaßnahmen geöffnet. Den Jugendlichen stehen dort unter anderem ein Bad mit Dusche und Waschmaschine, Strom zum Laden von Akkus und ein Arbeits- und ein Kreativraum zur Verfügung. Auf ihrem Skizzenblock verarbeitet Janice im Kreativraum ihre traumatischen Erfahrungen. „Ohne das Zeichnen würde ich verrückt werden, das ist meine Rettung. Wir brauchen die StraßenSchule und ihre Mitarbeiter. Sie sind für mich wie ein Vater- und Mutterersatz.“ Zusätzlich besucht die junge Frau eine Gruppentherapie. Im Arbeitsraum am Computer können die jungen Menschen zudem nach Wohnungen und Jobs suchen. Auch Janice hat so eine eigene Wohnung gefunden. „Ich bin so dankbar für die Hilfe. Alleine hätte ich den Mut verloren.“ Endlich hat Janice ein Ziel: Ihre Seele heilen, eine Ausbildung absolvieren und nicht mehr auf die Hilfe anderer angewiesen sein.

2021 haben junge Menschen 3.887 Mal die offenen Angebote der Freiburger StraßenSchule genutzt. Dazu zählen u.a. die Tagesanlaufstelle, der Kreativraum und die Straßensozialarbeit.

*Namen zum Schutz der realen Personen geändert

Unterstützung von Anfang an

Das SOS-Kinderdorf Hamburg hat im Sommer 2021 den „Hafen für Familien“ eröffnet. Entstanden ist ein Ort der Begegnung, der Kinder und Familien mit vielfältigen Angeboten unterstützt. Dazu zählt auch die Familien-Frühsorge. Wir kümmern uns um die gesunde Entwicklung von Babys und Kleinkindern und stärken die elterliche Kompetenz.

Frühe Hilfen SOS-Kinderdorf

Babymassagen und Krabbelgruppen gehören mit zum Angebot der offenen Hilfen im Familienzentrum.

Seit Jahren herrscht in Hamburg ein akuter Hebammenmangel. Umso gefragter ist das Frühsorgeangebot von SOS-Kinderdorf. „Wir bieten deshalb Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse und wenn möglich auch Hausbesuche nach der Geburt an“, erzählt Familienkrankenschwester Wiebke Hoffmann. Außerdem können die Eltern Sprechstunden und Babymassagen in Anspruch nehmen oder Krabbelgruppen und das Babycafé besuchen. Das SOS-Team begleitet Eltern von Schwangerschaftsbeginn bis circa zum dritten Lebensjahr des Kindes. „Je früher wir ansetzen und mit Rat zur Seite stehen, desto besser“, betont Hoffmann. Unter anderem sind es Unsicherheiten im Umgang mit Babys, die zu Überforderung und Konflikten in Familien führen können. „Wir beantworten gern jede noch so kleine Frage, damit Eltern und Babys zu sicheren und stabilen Familien zusammenwachsen können.“

Wichtige Prävention

Gemeinsam mit Hebamme Lara Rieche nimmt sich Hoffmann den Fragen und Sorgen von Frauen aus allen sozialen Schichten an. Gleichzeitig schauen sie nach den Babys, wie es den Müttern nach der Geburt geht und sich Geschwisterkinder entwickeln. „Die meisten bringen ganz bestimmte Vorstellungen mit, wie das Leben mit einem Baby sein sollte“, erklärt Hebamme Rieche. „Wenn das Kind dann aber wenig schläft, viel weint oder gar ein Schreibaby ist, geraten Eltern an ihre Grenzen.“ Häufig würden zudem existenzielle Sorgen für erhöhten Stress sorgen und die Situation in den Familien verschärfen.

Frühsorge-Team um Hebamme Lara Rieche und Familienkrankenschwester Wiebke Hoffmann

Das Frühsorge-Team um Hebamme Lara Rieche und Familienkrankenschwester Wiebke Hoffmann. begleitet Familien von Schwangerschaftsbeginn bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.

Ein Geben und Nehmen

Heute gibt Lara Rieche einen Rückbildungskurs. Mit dabei sind wie jeden Montag Malena und Sohn Diego. Nach dem Kurs ist noch Zeit für ein Gespräch mit der Hebamme. Während der vier Monate alte Diego entspannt in der Nestschaukel hin- und herschwingt, kann Malena ihre Fragen stellen. Was soll sie machen an Tagen, an denen Diego viel spuckt? Nimmt er ausreichend zu? Und ist es normal, dass er alle zwei Stunden wach wird? Anschließend trifft sich Malena mit anderen Müttern nebenan im Familiencafé „Krümel“ zum Mittagessen. „Hier finde ich Gleichgesinnte und kann meine Sorgen teilen. Ich komme dann viel gelassener nach Hause und kann abends meinem Mann entspannter begegnen. Denn der bekommt ja oft gar nicht mit, wie anstrengend es sein kann, sich Tag und Nacht um ein Baby zu kümmern.“ Die gelernte Tanzpädagogin könnte sich vorstellen, nach ihrer Elternzeit im Familienzentrum einen Tanzkurs für Mütter anzubieten. Außerdem spendet sie Kleidung, die Diego nicht mehr braucht. Denn das ist der jungen Mutter wichtig: nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben.

Wie die Hilfe wirkt

  • Unser Engagement gilt Kindern und jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen.
  • Das führt zu mehr Chancengerechtigkeit, weniger Kinderarmut und gleichem Zugang zu Bildung in der Gesellschaft.
  • Unsere Angebote stärken Familien und ihre Kinder und begleiten sie in die Eigenständigkeit.
  • Diese Hilfe verbessert ihre Selbstwirksamkeit, Bildung und Befähigung.


2021 nahmen Kinder, Jugendliche und Familien insgesamt 597.984 Mal die hilfreichen Maßnahmen in Anspruch.

Unkomplizierte Hilfe für Familien

257.490 Mal haben Angebote Familien in belasteten Lebenssituationen geholfen, ihren Alltag besser zu bewältigen. In den Familienzentren konnten sie ihre Bindung stärken und Eltern die Erziehungsfähigkeit fördern.

Angebote für Kinder und Jugendliche

99.062 Mal haben Kinder und Jugendliche Treffs aufgesucht, um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen oder pädagogischen Rat einzuholen. Freizeitangebote in Sport, Musik oder Kultur förderten sie individuell.

Frühe Hilfen für Familien

63.627 Mal haben werdende oder junge Eltern die frühen Hilfen angenommen. Sie wurden in der Schwangerschaft sowie vor und nach der Geburt begleitet.

Angebote für Kinder und Jugendliche

99.062 Mal haben Kinder und Jugendliche Treffs aufgesucht, um sich mit Gleichaltrigen auszutauschen oder pädagogischen Rat einzuholen. Freizeitangebote in Sport, Musik oder Kultur förderten sie individuell.

Mittagstisch und Second-Hand-Läden

110.931 Mal haben Familien und Einzelpersonen in den Familienzentren vergünstigt gegessen oder preiswerte Second-Hand-Kleidung gekauft.

Chancengleichheit für alle

66.874 Mal haben Familien sowie junge und sozial schwache Menschen durch Integrations-, Förder-, oder Sozialraumprojekte Unterstützung erfahren.

*Die Zahlen geben den Stand zum Redaktionsschluss wieder

Ausblick 2022/2023

Auch in diesem Jahr arbeitet SOS-Kinderdorf daran, seine Angebote weiterzuentwickeln.

  • Mit dem neuen Standort in Leipzig startet der Bau eines Familienzentrums, einer Kindertagesstätte und Angeboten für den Stadtteil zur ambulanten, teilstationären und stationären Familienhilfe.
  • In den Einrichtungen werden wir den Schutz der Kinder und Betreuten intensivieren und weiter ausbauen.
  • Das Konzept der Kinderdorffamilie wird durch die Ergänzung mit unterschiedlichen Wohn- und
  • Betreuungsformen zukunftsfähig gemacht.

Mit den neu eröffneten Kinderdorf- und Familienzentren in Bremen (Hemelingen), Düsseldorf, Dortmund und Worpswede (Grohn) finden in diesem Jahr noch mehr Kinder und Familien Angebote von der Beratung bis hin zur Betreuung.
 

*Die Zahlen geben den Stand zum Redaktionsschluss am 31.03.2022 wieder. Durch nachgelieferte Fallzahlen fallen die Angaben im Jahresbericht 2021 daher leicht höher aus.