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Wirkungsbericht "Bildung für alle in Deutschland"
Bildung in Deutschland

Wirkungsbericht "Bildung für alle in Deutschland"

Das haben wir 2021 erreicht

Gleiche Chancen und Bildung für alle: Wie wichtig und zugleich zerbrechlich dieses gesellschaftliche Ideal ist, hat uns das vergangene Jahr wieder gezeigt. Die andauernde Pandemie brachte Herausforderungen mit sich, Schulen waren geschlossen, Bildungsangebote reduziert und oft wurden genau die abgehängt, die es schon vor Corona schwer hatten.

Im vergangenen Jahr hat SOS-Kinderdorf dennoch 3.805 Menschen in der Berufsorientierung und den integrativen Werkstätten betreut. Die schulbezogenen Hilfen wurden 539.668 Mal genutzt. Das eröffnet nicht nur den Betreuten neue Perspektiven. Die Hilfe im Kleinen hat auch gesellschaftliche Auswirkungen, leistet einen Beitrag zu Chancengerechtigkeit und sozialem Frieden.

Wie haben wir durch Bildung unterstützt?
Die Angebote zielten darauf ab:

  • benachteiligten jungen Menschen in den unterschiedlichsten Lebensphasen Zugang zu Bildung und Teilhabe zu ermöglichen;
  • für Lernumgebungen zu sorgen, die eine optimale Entwicklung für jeden Einzelnen ungeachtet der Herkunft möglich machen;
  • durch Hilfe zur Selbsthilfe im Bereich Bildung Lösungen zu finden, Perspektiven zu eröffnen und ein selbstbestimmtes Leben voller Chancen zu ermöglichen.

Die Schulschließungen haben deutlich gemacht, wie stark der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft abhängt.
 

Anne Luther, Schulsozialarbeiterin bei SOS-Kinderdorf Berlin

Alleinerziehend – und trotzdem Auszubildend

Beruf und Familie zu vereinen, ist für viele Frauen noch immer eine Herausforderung. Besonders schwer fällt das Alleinerziehenden. Statistiken zeigen, dass sie deutlich häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen sind.

Alleinerziehend – und trotzdem Auszubildend

Sabrina ist Mutter von drei Kindern und alleinziehend. Auf dem Arbeitsmarkt stehen ihre Chancen damit schlechter als die vieler anderer Frauen.

Auch Sabrinas berufliche Zukunft war vor noch nicht allzu langer Zeit ungewiss. Kurz nach der Geburt ihres dritten Kindes scheiterte die Beziehung zu ihrem Partner. Die Rückkehr aus der Elternzeit in ihren alten Beruf als Einzelhandelskauffrau mit Schichtdienst und einem langen Arbeitsweg war für die nun alleinerziehende Mutter nahezu unmöglich. Die 32-Jährige wendet sich an die Agentur für Arbeit. Die schlägt eine Umschulung vor und verweist Sabrina an das SOS-Kinderdorf Saar. Denn hier hat man sich mit einem speziellen Ausbildungsprogramm auf die Bedürfnisse von Alleinerziehenden eingestellt. Sie können im Mehrgenerationenhaus zur Hauswirtschaftskraft ausgebildet werden.

Von der Ausbildung zum Traumberuf

Gerade für junge Eltern ist das Angebot eine große Chance, weiß die Leiterin des Mehrgenerationenhauses Ursula Zeimet: „Alleinerziehende haben es bei der Suche nach Ausbildungsplätzen oft schwer.“ Auch seien Ausbildungen nicht einfach mit einer Familie zu vereinbaren. „Bei uns ist das Besondere: Die Ausbildung kann in Teilzeit absolviert werden“, erklärt Zeimet. Auch Sabrina kennt die Vorbehalte, die Müttern am Arbeitsplatz begegnen. Im Mehrgenerationenhaus macht sie andere Erfahrungen: „Hier hat auch jeder Verständnis, wenn mal ein Kind krank ist.“ Wenn die junge Mutter mit ihrer Ausbildung fertig ist, würde sie gerne einen Meister machen und als Fachlehrerin in einer Berufsschule arbeiten „oder in einer Kindertagesstätte kochen“, sagt sie. Ursula Zeimet ist zuversichtlich, dass diese Träume wahr werden können, denn Hauswirtschaftskräfte sind gesucht: „Sabrina hat sehr gute Chancen. Sie hat Talent und ist mit Freude dabei.“

In den SOS-Ausbildungsmaßnahmen wurden 576 junge Menschen angestellt und qualifiziert.

Alleinerziehend – und trotzdem Auszubildende

Im Mehrgenerationenhaus in Merzig macht sie eine Ausbildung in der Hauswirtschaft. Die Arbeit in der Küche macht ihr besonders viel Spaß.


 

„Viele Menschen hier wollen mir helfen“

Für junge Geflüchtete ist es schwer, fernab der Heimat in einem fernen Land Fuß zu fassen. Da Kooperationsprojekt EVEREST des SOS-Kinderdorfs Berlin hilft ihnen dabei, sich beruflich zu orientieren.

Projekt EVEREST

Kinana bereitet sich auf ihren Schulabschluss und eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegehelferin vor.

Wo früher in Berlin-Wedding Glühlampen produziert wurden, ist heute das Projekt EVEREST von SOS-Kinderdorf angesiedelt. Eine der Teilnehmerinnen des Programms ist Kinana – 19 Jahre alt, gebürtig aus Syrien und seit fünf Jahren in Berlin. Sie und 27 andere Geflüchtete werden durch EVEREST ein bis zwei Jahre lang intensiv bei der Berufsorientierung und -vorbereitung begleitet. Wer das Programm durchläuft, hat am Ende einen Schulabschluss, Ausbildungs- oder Arbeitsplatz in der Tasche. In der Orientierungsphase können die jungen Erwachsenen zunächst herausfinden, was ihnen gefällt. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren. Bei den Kooperationspartnern Berliner Stadtreinigung (BSR), REWE, Vivantes und der Charité Facility Management (CFM) werden sie auf Arbeitsoder Ausbildungsplätze vorbereitet. Jeden Morgen besprechen die Teilnehmer mit den SOS-Mitarbeitern Aktuelles, außerdem wird vermerkt, wer in welchem Arbeitsbereich tätig ist. Infrage kommen Werkstatt, GESO (Gesundheit und Soziales), Hauswirtschaft, Deutschunterricht oder BBR (Berufsbildungsreife). Kinanas Name ist schon länger fest der Abkürzung BBR zugeordnet.

Deutschunterricht und pädagogische Betreuung

Sozialpädagogin Tina Vielmuth fasst ihre Fortschritte zusammen: „Kinana hat trotz einiger Schwierigkeiten viele Ziele erreicht. Sie hat Sprachprüfungen erfolgreich absolviert und sich beruflich orientiert.“ Bei EVEREST stehen den jungen Menschen Sozialpädagoginnen, Fachanleiter, Lehrkräfte und eine Psychologin zur Seite.

Projekt EVEREST

Die Teilnehmer werden gut versorgt: vom gemeinsamen Essen bis zur Hilfe bei Problemen.

Individuelle und psychologische Hilfe

„Wir schauen sehr individuell, wo der Mensch steht und wie gefestigt und stabil er ist“, erklärt Tina Vielmuth. Manche Teilnehmer kämen mit einem festen Berufswunsch und bräuchten Hilfe beim Schulabschluss oder Deutsch lernen. Andere seien kaum orientiert, probierten sich aus und absolvierten mehrere Praktika. Falls nötig, können die Betreuten auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Diese war für Kinana anfangs sehr wichtig, weiß Melanie Bshara, Jobcoach bei EVEREST: „Bei Kinana wussten wir nicht, ob sie durchhält.“ Die junge Frau kämpfte mit Schlafstörungen und schaffte es kaum aus dem Bett. „Anfangs ging es mir nicht gut. Aber EVEREST hat mich abgelenkt“, erzählt sie.

Selbstbewusst in die Zukunft

Vor Kurzem hat Kinana ihre schriftliche und mündliche Prüfung in Deutsch, Englisch und Mathe bestanden. Bald will sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegehelferin beginnen. „Lange habe ich mit mir selber gekämpft. Aber ich habe es geschafft. Ich bin stolz auf mich“, sagt sie lächelnd.

„Lange habe ich mit mir selber gekämpft. Aber ich habe es geschafft. Ich bin stolz auf mich.“

Kinana, Teilnehmerin, EVEREST

Wie die Hilfe wirkt

2021 nahmen insgesamt 3.805 junge Menschen an berufsorientierten Angeboten teil, während schulische Hilfen 539.668 Mal genutzt wurden.

Damit Lernen Spaß macht

74 verschiedene Projekte zur offenen schulbezogenen Arbeit unterhielt SOS-Kinderdorf in ganz Deutschland. Die Angebote umfassen Schulsozialarbeit, Lernprojekte für besonders förderbedürftige Kinder und Betreuung in Hort oder Ganztagsschule.

Hilfe für jeden

44.972 Mal im Monat nutzten Schüler, Eltern und Lehrkräfte die schulbezogenen Angebote durchschnittlich. Das entspricht über 1.400 Nutzungen am Tag.

Grundlage für die Zukunft

576 junge Menschen nahmen an einer Ausbildungsmaßnahme teil. Neben den Ausbildungsinhalten umfassen diese Angebote auch die sozialpädagogische Betreuung der Teilnehmenden. Sie bekommen so die optimalen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben.

Starthilfe

2.280 Jugendliche und junge Erwachsene besuchten SOS-Angebote zur Qualifizierung und Berufsvorbereitung. Die Maßnahmen bilden einen Zwischenschritt zwischen Schule und Ausbildung oder Berufseinstieg und helfen benachteiligten jungen Menschen dabei, eventuelle Defizite aufzuarbeiten.

*Die Zahlen geben den Stand zum Redaktionsschluss wieder.

Ausblick 2022/2023


Auch in diesem Jahr arbeitet SOS-Kinderdorf daran, seine Angebote weiterzuentwickeln.

  • Mit dem neuen Standort in Leipzig startet der Bau eines Familienzentrums, einer Kindertagesstätte und Angeboten für den Stadtteil zur ambulanten, teilstationären und stationären Familienhilfe.
  • In den Einrichtungen werden wir den Schutz der Kinder und Betreuten intensivieren und weiter ausbauen.
  • Das Konzept der Kinderdorffamilie wird durch die Ergänzung mit unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsformen zukunftsfähig gemacht.

Mit den neu eröffneten Kinderdorf- und Familienzentren in Bremen (Hemelingen), Düsseldorf, Dortmund und Worpswede (Grohn) finden in diesem Jahr noch mehr Kinder und Familien Angebote von der Beratung bis hin zur Betreuung.

Bildungsangebote von SOS-Kinderdorf kurz und knapp

*Die Zahlen geben den Stand zum Redaktionsschluss am 31.03.2022 wieder. Durch nachgelieferte Fallzahlen fallen die Angaben im Jahresbericht 2021 daher leicht höher aus.