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Kinderschutz

Kinderschutz und Umgang mit Unrechtshandlungen bei SOS-Kinderdorf

In den SOS-Einrichtungen werden Kinder und Jugendliche betreut, für deren Schutz wir in besonderem Maße verantwortlich sind. Da pädagogisches Handeln weder im familiären noch im fachlichen Kontext gänzlich fehlerfrei sein kann, sind wir gefordert, Maßnahmen und Verfahren zu etablieren, um junge Menschen vor Unrechtshandlungen jeglicher Art zu schützen. 

Der SOS-Kinderdorf e.V. nimmt seine Verantwortung zum Schutz der Betreuten durch unterschiedliche Maßnahmen wahr. Um die Einrichtungen und pädagogischen Fachkräfte zu unterstützen und zu sensibilisieren, hat der Verein Leitlinien und Handreichungen sowie Fachveranstaltungen und Fortbildungsangebote entwickelt. Ziel ist es, eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens zu etablieren, in welcher keinerlei physische oder psychische Grenzverletzungen gegenüber den uns anvertrauten Menschen geduldet werden. 

Um den institutionellen Kinderschutz im SOS-Kinderdorfverein auch auf Trägerebene zu verankern und darüber eine professionelle Auseinandersetzung mit Themen wie Macht, Abhängigkeit, Gewalt und Missbrauch zu fördern, gibt es die Interne Anlauf- und Monitoringstelle für kindeswohlgefährdende Grenzüberschreitungen (IAMst) und den Fachbeirat Kinderschutz. 

Mit einem schriftlichen Statement des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Johannes Münder hat der SOS-Kinderdorf e.V. zu Unrechtsfällen in der Vergangenheit und der Haltung des Trägers klar Stellung bezogen: 

Kinderschutz und Unrechtshandlungen im SOS-Kinderdorf e.V.

Die Gründung des SOS-Kinderdorf e.V. im Jahr 1955 mit dem Prinzip der kontinuierlichen Beziehungsperson (Kinderdorfmutter) und dem Aufwachsen in einem familiären Betreuungsumfeld verstand sich als Gegenbewegung zur damaligen Anstaltserziehung.   

Eine unabdingbare Voraussetzung für das gelingende Aufwachsen von Kindern, Jugendlichen und betreuten Menschen mit Behinderungen außerhalb ihrer Familie oder ihres Herkunftssystems in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ist der Schutz vor Unrechtshandlungen – z.B. Gewalt und Missbrauch – durch Erwachsene in jedweder Form.
 
Angestoßen durch die Debatte um die Heimerziehung der 50er bis 70er Jahre und die Ergebnisse des Runden Tisches Heimerziehung 2010 beauftragte der Vorstand des SOS-Kinderdorf e.V. das Sozialpädagogische Institut des Vereins damit, eine Erhebung durchzuführen zur Frage, ob auch ehemaligen Betreuten des SOS-Kinderdorf e.V. während ihrer Zeit der Unterbringung Unrecht widerfahren ist. Die Ergebnisse sowie diesbezügliche Kontaktaufnahmen haben gezeigt, dass es auch in Einrichtungen des SOS-Kinderdorf e.V. zu Gewalt und in Einzelfällen zu Missbrauchshandlungen gekommen ist.

Der SOS-Kinderdorf e.V. bekennt sich zu seiner Verantwortung für diese Unrechtshandlungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber Betreuten. Wir entschuldigen uns bei den Betroffenen für das Leid, das ihnen zugefügt wurde. Wir können erlittenes Unrecht nicht ungeschehen machen, haben aber aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, um künftiges Unrecht wenn irgend möglich zu verhindern.  

Ehemaligen Betreuten, die in einer SOS-Einrichtung Gewalt oder Missbrauch erfahren haben, bieten wir Unterstützung bei der Aufarbeitung dieser Erfahrungen an. Dazu stehen zwei erfahrene Fachkräfte als direkte Ansprechpersonen für Betroffene zur Verfügung.

Schon lange vor der Debatte über Gewalt und Missbrauchsfälle in der Heimerziehung hat der SOS-Kinderdorf e.V.  vielfältige Maßnahmen zum Schutz von Betreuten in seinen Einrichtungen initiiert und umgesetzt. Wichtig ist uns dabei die Erkenntnis, dass das Setzen von Standards und Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen allein nicht genügt. Vielmehr wird zusätzlich eine Kultur der Aufmerksamkeit, des Vertrauens und ein Bewusstsein insbesondere der pädagogischen Fachkräfte für eigene und die Grenzen anderer intensiv gefördert und in Schulungen kontinuierlich aktualisiert.
 
Ausgehend von der Erkenntnis, dass pädagogisches Handeln niemals gänzlich fehlerfrei sein kann und die Machtposition der Erwachsenen gegenüber den Kindern und Jugendlichen nicht umkehrbar ist, arbeitet der SOS Kinderdorf e.V. permanent daran, die Voraussetzungen für eine geschützte, emotional positive und wertschätzende Handlungsebene zwischen Betreuern und Betreuten zu erhalten und zu verbessern. 

Gez. Prof. Dr. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender, 2010


Anlaufstelle für Betroffene

Der institutionelle Kinderschutz im SOS-Kinderdorfverein ist auf Trägerebene durch eine interne Anlauf- und Monitoringstelle für kindeswohlgefährdende Grenzüberschreitungen (IAMst) verankert. Die IAMst nimmt Meldungen über Unrechtshandlungen und Grenzüberschreitungen auf und stimmt mit der Geschäftsführung geeignete Vorgehensweisen ab.
Doris Friedrichs: 089 – 12 606-314
Wolfram Schneider-Arnoldi: 089 – 12 606-425

Um ehemaligen Betreuten, die in einer SOS-Einrichtung Gewalt oder Missbrauch erfahren haben, eine weitere Form der Unterstützung bei der Aufarbeitung dieser Erfahrungen anzubieten, hat sich der SOS Kinderdorf e.V. dem Ergänzenden Hilfesystem (EHS) angeschlossen. Das EHS geht auf die Empfehlungen des Runden Tisches "Sexueller Kindesmissbrauch" zurück und bietet umfangreiche immaterielle und materielle Hilfen für Betroffene sexuellen Missbrauchs in Institutionen an.  
Kontakt unter der kostenlosen Telefonnummer: 0800 400 10 50

SOS-Kinderdorf unterstützt die Kampagne "Kein Raum für Missbrauch"

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Das Wohlergehen und der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jeglicher Art von (sexualisierter) Gewalt innerhalb sowie außerhalb unserer Einrichtungen ist dem SOS-Kinderdorf e.V. ein wichtiges Anliegen, dem wir nicht zuletzt durch die Unterstützung der Kampagne der Bundesregierung "Kein Raum für Missbrauch" Ausdruck verleihen möchten. SOS-Kinderdof fördert die Sensibilisierung gegenüber sexuellen Übergriffen

und Gewalt und trifft in seinen Einrichtungen die erforderlichen Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche zuverlässig davor zu schützen.