Pressemitteilungen

Stellungnahme zum Koalitionsvertrag

München, 8. Februar 2018

15842_Margarita Grosse summersounds (5).jpg

Dr. Birgit Lambertz, Geschäftsführerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des SOS-Kinderdorf e.V. vermisst im vorliegenden Koalitionsvertrag ein familienpolitisches Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland: „SOS-Kinderdorf begrüßt die Vorlage eines Koalitionsvertrages und hofft, dass Deutschland nun schnell wieder eine handlungsfähige Regierung bekommt. Familien und Kinder in Deutschland, insbesondere solche in erschwerten Lebenslagen, brauchen politische Unterstützung. Fast jedes fünfte Kind wächst hierzulande in Armut auf. Das ist in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland ein Skandal.

Leider enthält der Koalitionsvertrag kein mutiges und finanziell gut ausgestattetes Gesamtkonzept, um Kinderarmut in Deutschland nachhaltig zu bekämpfen und den Armutskreislauf zu durchbrechen. Eine wirkungsvolle Familienpolitik muss es allen Eltern ermöglichen, ihren Kindern Zukunftschancen zu eröffnen. Dazu gehören finanzielle Leistungen, Betreuungsangebote und individuelle Unterstützung in einem familienpolitischen Gesamtkonzept.

Der deutsche SOS-Kinderdorfverein begrüßt jedoch ausdrücklich die von den Koalitionspartnern vereinbarten Bildungsinvestitionen als Schritt in die richtige Richtung. Bildung ist der Schlüssel, um Chancengerechtigkeit herzustellen und so langfristig den Armutskreislauf zu durchbrechen. Der geplante Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern ist hierfür ein wichtiger Baustein. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass es nicht ausreicht, Kinder nur am Nachmittag zu verwahren. Die Betreuung muss sicherstellen, dass alle Kinder die gleichen Chancen für einen guten Start ins Leben haben. Es ist für die Zukunft unserer Gesellschaft absolut notwendig, die Ganztagsbetreuung von Kindern jeden Alters personell und inhaltlich angemessen auszugestalten. Nur so kann sie dazu beitragen, dass Armut in unserer Gesellschaft nicht weiter vererbt wird. Denn jedes Kind in Deutschland muss die Chance auf eine gute Zukunft haben - und zwar unabhängig von den Möglichkeiten seiner Eltern.“