Pressemitteilungen

SOS-Kinderdorf zum Safer Internet Day

München, 6. Februar 2020

Vorbild sein, Interesse zeigen, Vertrauen haben – so kann digitale Medienbildung gelingen

Am 11. Februar 2020 ist Safer Internet Day. Der von der Europäischen Kommission ausgerufene Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet soll aufzeigen, wie bedeutsam die digitale Medienbildung von Kindern und Jugendlichen ist. Die  möglichen Auswirkungen und Gefahren der Digitalisierung verunsichern und ängstigen viele Eltern. Doch das sei eher kontraproduktiv, sagt Dr. Karen Silvester, Expertin für Medienbildung bei SOS-Kinderdorf e.V. „Statt mit Panik und Verboten zu reagieren, sollten Eltern ihre Kinder mit Interesse aber auch klaren Regeln für die digitale Welt begleiten – Vorbild sein, Interesse zeigen und vor allem: Vertrauen haben“, ermutigt die Erziehungswissenschaftlerin Eltern zu einer gelasseneren Haltung in der Medienerziehung.  

Digitale Medien sind für Kinder und Jugendliche heutzutage Normalität: Laut statistischem Bundesamt nutzten 2019 88 Prozent der Menschen ab zehn Jahren das Internet, fast 90 Prozent der 16 - 24-Jährigen kommunizierten über soziale Netzwerke, ebenso viele schauten Videos auf diversen Sharing-Plattformen. Die Nutzung des Internets gehört heute von klein auf dazu, sie wird als Selbstverständlichkeit eingefordert - trotzdem müssen Kinder den selbstbestimmten und sicheren Umgang mit digitalen Medien erst erlernen. Eltern werden so zu Begleitern in einem Prozess, der sie selbst oft überfordert, weil ihnen entsprechende digitale Erfahrungen fehlen. „Die Anforderungen an eine zeitgemäße Medienbildung sind vielfältig: Einerseits gilt es, das Kindeswohl und die Persönlichkeitsrechte zu schützen, andererseits sollen Medienkompetenz und mediale Teilhabe gefördert werden. Das verunsichert viele Eltern“, beobachtet Silvester.

Regeln und Vertrauen ergänzen sich

Dabei geht es aus Sicht der Expertin vor allem darum, einen Mittelweg zu finden zwischen Verboten und Toleranz dem Neuen gegenüber. Eltern sind in der klaren Verantwortung, ihren Kindern die Regeln der digitalen Welt zu zeigen und zu erklären, sie sollten aber auch das Vertrauen haben, dass diese befolgt werden. Kinder „über“  zu kontrollieren sorge häufig für Misstrauen und Widerstand. Viel konstruktiver sei es, echtes Interesse am virtuellen Leben der Kinder zu zeigen: Wer digitale Spiele einfach mal mitspielt, kann glaubhafter vor möglichen Gefahren warnen; wer der angesagten Influencerin auch folgt, kann besser auf versteckte Werbung hinweisen. Regeln für die Mediennutzung sollten zudem gemeinsam ausgehandelt, transparent festgeschrieben und immer wieder angepasst werden. Apps oder Accounts sollte man gemeinsam einrichten und zusammen die Sicherheitseinstellungen checken; das gilt auch für die Datenschutzeinstellungen auf mobilen Geräten.

Das eigene Medienverhalten kritisch prüfen!

Vor allem sollten Eltern sich aber ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und prüfen, was das eigene Verhalten den Kindern vermittelt. Die wichtigsten Vorbilder sind und bleiben für lange Zeit die Eltern und wie diese mit Medien umgehen: Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Medienhandeln eines Kindes und der familiären Situation. So sollten Eltern nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der eigenen Mediennutzung im Auge behalten.

„In der realen und virtuellen Welt gilt gleichermaßen: Eltern können ihre Kinder vorbereiten und ihnen Grundlagen beibringen, laufen lernen müssen sie selber. Es geht nicht darum, gleichgültig zu sein, sondern Vertrauen zu haben: in das Kind, seine Kompetenzen und die gemeinsame Beziehung. Ein gut gebundenes Kind kommt in der Regel mit seinen Ängsten und Nöten zu den Eltern – auch wenn es um das virtuelle Leben geht“, sagt die Expertin für Medienbildung.

Medienbildung bei SOS-Kinderdorf

Medienbildung gehört zum pädagogischen Auftrag und Alltag in den 39 Einrichtungen von SOS-Kinderdorf in Deutschland. Zentrales Anliegen der Kinderhilfsorganisation ist es dabei, den betreuten Kindern und Jugendlichen digitale Medienkompetenz zu vermitteln, um sie zu befähigen, die Chancen der digitalen Welt zu ergreifen. Die pädagogischen Fachkräfte werden dazu ermutigt, die Entfaltung der betreuten Kinder und Jugendlichen in der virtuellen Realität zu fördern. Ohne die einschlägigen Risiken aus dem Auge zu verlieren, sollen dabei vor allem die Chancen der Digitalisierung  in den Blick genommen werden. Handlungsleitend für die pädagogische Praxis ist dabei ein Grundsatzpapier zur Medienbildung, welches mit Fachkräften, Wissenschaft und Jugendlichen gemeinsam entwickelt wurde.

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