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SOS-Kinderdorf fordert bessere Rahmenbedingungen für Care Leaver

9. August 2019

SOS-Kinderdorf unterstützt Jugendliche auf dem Weg in die Selbständigkeit

SOS-Kinderdorf: Junge Menschen zur Selbstständigkeit befähigen! 

Anlässlich des Internationalen Tags der Jugend am 12. August 2019 weist SOS-Kinderdorf e.V. auf die problematische Situation von Jugendlichen hin, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen konnten. Die Kinderhilfsorganisation fordert die Politik auf, für diese so genannten Care Leaver förderlichere Rahmenbedingungen zu schaffen: „Jugendliche, die in Heimen, Pflegefamilien oder Kinderdörfern aufgewachsen sind,  brauchen unsere Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Sie müssen sehr früh auf eigenen Beinen stehen – die öffentliche Hilfe endet oft schon bevor sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben und eigene materielle Ressourcen oder soziale Netzwerke aufbauen konnten. So geraten sie in Gefahr, in Armut, Wohnungslosigkeit und Einsamkeit abzurutschen. Wir rufen die Politik auf, sich dieser gefährdeten Gruppe junger Menschen anzunehmen. Care Leaver brauchen genauso lange Unterstützung wie alle jungen Menschen, um sie für einen guten Start ins Erwachsenenleben zu befähigen,“ so Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf e.V.

Junge Menschen, die in der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind, müssen die Einrichtung, die zu ihrem Zuhause geworden ist, oftmals mit der Volljährigkeit verlassen. Sie müssen somit durchschnittlich fünf Jahre früher als andere auf eigenen Beinen stehen. Während die meisten jungen Erwachsenen noch lange Jahre von den Eltern begleitet werden, endet die offizielle Hilfe für Care Leaver schnell und eine  Nachbetreuung existiert kaum. Eigene materielle Ressourcen oder eine Familie, die helfen könnte, fehlen zumeist. Bedingt durch ihre Lebensgeschichte verfügen viele dieser jungen Menschen kaum über ein soziales Netzwerk, das ihnen zur Seite stehen kann. Und neue unterstützende Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, fällt vielen sehr schwer.

SOS-Kinderdorf fordert Rechtsanspruch auf Hilfe über Volljährigkeit hinaus

„Es ist unverantwortlich, junge Erwachsene nach der Jugendhilfe zu früh allein zu lassen. Um wirklich selbständig zu werden, benötigen sie die gleiche Unterstützung wie andere junge Menschen. Wir fordern daher einen Rechtsanspruch auf Hilfen für junge Volljährige, mindestens bis zum 23. Lebensjahr. Maßgeblich für Art und Umfang der Unterstützung muss dabei ihre individuelle Situation sein. Dabei muss gesetzlich verbindlich geregelt werden, dass das Jugendamt weiterhin für diese jungen Menschen verantwortlich ist, bis sie eigenständig für sich sorgen können oder Anschlusshilfen greifen. Wir brauchen zudem ein bundesweites Netz von Ombudsstellen, bei denen Care Leaver Unterstützung und Beratung erhalten,“ erläutert Lambertz die konkreten Forderungen von SOS-Kinderdorf an die Politik.

Jugendliche besser auf Selbstständigkeit vorbereiten – Kostenheranziehung reformieren!

Neben konkreten Hilfen über die Volljährigkeit hinaus, ist es aus Sicht der Kinderhilfsorganisation  unerlässlich, dass Care Leaver schon während der Zeit in der stationären Betreuung auf die Eigenständigkeit vorbereitet werden. Dazu gehört, dass sie den Umgang mit finanziellen Ressourcen früh üben können. Es muss für sie möglich sein, finanzielle Mittel aus Ausbildung oder Beschäftigung  anzusparen. Die Regelungen zur „Kostenheranziehung bei den Hilfen zur Erziehung“  müssen überarbeitet werden, damit vorausschauendes Handeln gefördert werden kann. 

Perspektiven für Care Leaver schaffen – auch gesamtgesellschaftlich geboten!

„Die problematische Situation der Care Leaver ist ein weitgehend unbekanntes Thema. Aber wir sprechen von wertvollen jungen Menschen, die wir nicht verlieren dürfen. Die gesellschaftliche Verantwortung kann nicht wenige Schritte vor dem Ziel enden. Die Politik muss handeln, damit diese jungen Erwachsenen wirklich die gleichen Chancen wie andere haben, eigenständige und gemeinschaftsfähige Mitglieder der Gesellschaft zu werden,“ so die stellvertretende Vorstandsvorsitzende nachdrücklich.

Der SOS-Kinderdorf e.V.:

SOS-Kinderdorf bietet Kindern in Not ein Zuhause und hilft dabei, die soziale Situation benachteiligter junger Menschen und Familien zu verbessern. In SOS-Kinderdörfern wachsen Kinder, deren leibliche Eltern sich aus verschiedenen Gründen nicht um sie kümmern können, in einem familiären Umfeld auf. Sie erhalten Schutz und Geborgenheit und damit das Rüstzeug für ein gelingendes Leben. Der SOS-Kinderdorfverein begleitet Mütter, Väter oder Familien und ihre Kinder von Anfang an in Mütter- und Familienzentren. Er bietet Frühförderung in seinen Kinder- und Begegnungseinrichtungen. Jugendlichen steht er zur Seite mit offenen Angeboten, bietet ihnen aber auch ein Zuhause in Jugendwohngemeinschaften sowie Perspektiven in berufsbildenden Einrichtungen. Ebenso gehören zum SOS-Kinderdorf e.V. die Dorfgemeinschaften für Menschen mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen. In Deutschland helfen in 38 Einrichtungen insgesamt über 4.100 Mitarbeiter. Der Verein erreicht und unterstützt mit seinen Angeboten rund 108.000 Kinder, Jugendliche und Familien in erschwerten Lebenslagen. Darüber hinaus finanziert der deutsche SOS-Kinderdorfverein 113 SOS-Einrichtungen in 37 Ländern weltweit.


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Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Frau Victoria Leipert
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