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Pressemitteilungen

Experteninterview zum Safer Internet Day

München, 4. Februar 2022

Safer Internet Day 2022

Chancen der Digitalisierung für junge Menschen nutzen

Medienkompetente Kinder interessierter an politischer Bildung und demokratischen Vorgängen

Am 8. Februar 2022 ist Safer Internet Day. Der von der Europäischen Kommission ausgerufene Aktionstag für mehr Online-Sicherheit steht in diesem Jahr unter dem Motto: Fit für die Demokratie, stark für die Gesellschaft. „Medienkompetenz kann das Wissen über Politik und Demokratie stärken, das Interesse an politischen Vorgängen befördern und die Motivation steigern, sich einzubringen“,  verweist Torsten Voigt, Erziehungswissenschaftler und Medienexperte im SOS-Kinderdorf Thüringen auf die Chancen von Digitalisierung für junge Menschen. Im Interview erläutert er, wie Eltern Medienkompetenz schon früh fördern können und gibt praktische Tipps, wie junge Menschen fit werden  im Umgang mit Fake News, Fake Accounts und Meinungsmache im Netz. 

Torsten Voigt, Erziehungswissenschaftler und Medienexperte im SOS-Kinderdorf Thüringen

Torsten Voigt, Erziehungswissenschaftler und Medienexperte im SOS-Kinderdorf Thüringen 

Es ist viel die Rede von Medienkompetenz – aber: was ist das eigentlich? 

Der Umgang mit den digitalen Medien ist für Jugendliche als Digital Natives heute ganz selbstverständlich. Doch auch Kinder und Jugendliche müssen einen richtigen und verantwortungsvollen Umgang damit erst erlernen. Mediennutzung ist heutzutage -so wie Lesen, Schreiben, Rechnen - eine Disziplin, die man sich früh aneignen muss. Denn wir alle werden medial quasi überflutet; schon Kinder müssen sich in der digitalen Welt zurechtfinden, sie ist allgegenwärtig. Natürlich muss man sie von Anfang an für mögliche Gefahren von Internet und Social Media sensibilisieren - um digitale Herausforderungen altersgerecht zu meistern, gilt es, Medienkompetenz in verschiedenen Dimensionen zu entwickeln. So müssen junge Menschen z.B. lernen, Quellen zu prüfen, Werbung von Fakten zu unterscheiden und Fake News zu erkennen. Andererseits sollte man aber nie vergessen, dass das Web für junge Menschen viele wertvolle Möglichkeiten bietet.

Und wie kann man als Erziehungsberechtigte die Medienkompetenz fördern?

Kinder haben einen eigenen Entdeckerdrang, eine große kindliche Neugier – das kann man nutzen, um ihnen digitale Medien nahe zu bringen. Sie wollen alles ausprobieren, auch in der digitalen Welt - und das sollte man sie, zunächst natürlich unter Anleitung, auch tun lassen. Es gibt tolle digitale Workshops und Online-Lermodule, die auf spielerische Weise und in kindgerechter Sprache digitale Kompetenz vermitteln, auf Gefahren hinweisen, für Fallstricke sensibilisieren. Das empfehle ich sehr. Man sollte vieles gemeinsam anschauen, sich darüber austauschen. Grundlegend ist es dann aber auch, nach ersten gemeinsamen Schritten in der digitalen Welt, Kinder allein entdecken zu lassen; aber stets in einem abgesteckten, ausgehandelten Rahmen. Es muss sehr klar sein, was erlaubt ist und was nicht, wo die Grenzen der Mediennutzung liegen. Hierfür ist der Abschluss eines individuellen Mediennutzungsvertrages ratsam. 

Viele Eltern haben Sorge, dass ihre Kinder sich nicht an die Regeln halten; sie kontrollieren daher die Mediennutzung sehr eng oder setzen auf Kontroll-Apps. Hilft das?

Ich glaube es ist wichtig, den Kindern auch in diesem Bereich zunächst erstmal zu vertrauen – und ihnen das auch zu vermitteln. Kinder müssen sich, gerade auch bei allem, was sie im digitalen Raum tun und erleben, vertrauensvoll und angstfrei an die Eltern oder Betreuenden wenden können. Denn wenn man eine Vertrauensbasis schafft, werden Eltern in der Regel auch mitbekommen, wenn etwas falsch läuft; andernfalls erproben die Kinder vieles eben heimlich - und das ist oft viel gefährlicher.
Überhaupt: Beteiligung an dem, was Kindern in der digitalen Welt erlaubt ist und was nicht, ist ein Schlüssel zu mehr Sicherheit – denn nur so entsteht Akzeptanz für Schutzeinstellungen sowie ein natürlicher Austausch über das digitale Umfeld und Tun der Kinder. Das Reden über die Medieninhalte, das Aushandeln von Grenzen und natürlich immer wieder das gemeinsame Anwenden schaffen die beste Vertrauensbasis – und somit auch den besten Schutz. Nehmen Sie z.B. nochmal den Mediennutzungsvertrag. Der sollte zwischen Kind und Eltern ausgehandelt werden. Das Kind sollte hier mitsprechen dürfen - denn das erhöht die Akzeptanz eines solchen Vertrages und so wird sich das Kind viel eher daran halten. 

„Fit für die Demokratie, stark für die Gesellschaft“ lautet das Motto des Safer Internet Days 2022. Das erscheint sehr optimistisch – denn immer wieder hört man, dass junge Menschen sich im Web radikalisieren auf Grund von Fake News, Desinformation und manipulativen Meinungen, die im Umlauf sind.  Wie kann man ihnen helfen, damit umzugehen; wie können sie lernen, Fake News zu erkennen? 

Dass es diese Seite des Internets und der sozialen Medien gibt, müssen schon Kinder wissen – und sie müssen sich damit beschäftigen. Auch zu diesem Thema gibt es tolle Angebote und Lermodule im Netz, die Kinder schon früh im Selbststudium absolvieren können. Das sensibilisiert sie für die Thematik. Bei uns in den Kinderdorffamilien haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, den Umgang mit Fake News quasi zu trainieren. Wir spielen z.B. beim Abendessen ein Quiz, reihum zitiert man Nachrichten aus dem Web und alle müssen raten: Fake News oder nicht? Wir haben uns auch schon Challenges ausgedacht; beispielsweise: jeden Tag wird eine Seite oder ein Social Media-Profil analysiert: „Passen Bild und Name? Gibt es ein Impressum? Was ist vielleicht verdächtig? Wo und wie kann ich die Inhalte prüfen?“ Wer die meisten Fake Accounts oder Fake News nach einem Monat identifiziert hat, hat gewonnen. Auch wichtig: Seriöse Formate zeigen und gemeinsam anschauen. Es gibt tolle Kindernachrichten, Erklär-Seiten und seriöse YouTube-Filme, die politische Bildung und Interesse befördern und unterstützen. Hier müssen Eltern auch ihre Haltung hinterfragen. Offen sein für neue Formate und nicht alles gleich verteufeln – auch auf TikTok kann man viel wertvolles lernen, wenn man als junger Mensch damit umzugehen weiß! 

Wo sehen Sie weitere Potentiale für politische Bildung und Demokratiestärkung von jungen Menschen durch das Internet? Und wie kann man die heben?

Da komme ich auf den Anfang unseres Gesprächs zurück – denn natürlich können digitale Medien Demokratiekompetenz bei jungen Menschen befördern; die Grundlage dafür ist Medienkompetenz! Medienkompetente Kinder und Jugendliche können sich im Internet seriös informieren, sie können Angebote wie den Wahl-O-Mat nutzen, sie können entsprechende Nachrichten kritisch konsumieren oder sogar an interaktiven politischen Formaten teilnehmen. Generell gibt es viele partizipative Angebote im Netz, hier können schon Kinder Selbstwirksamkeit erfahren, in dem sie sich einbringen. Sie machen positive Erfahrungen von Mitsprache und Mitbestimmung. Das macht Mut und motiviert dazu, sich auch im echten Leben in die Gesellschaft einzubringen. 

Praktische Links:

https://www.sos-kinderdorf.de/portal/spenden/wie-wir-helfen/familientipps/digitale-medienkompetenz/umgang-mit-social-media

https://www.internet-abc.de/kinder/lernmodul-luegner-und-betrueger-im-internet/

https://www.klicksafe.de/themen/problematische-inhalte/fake-news/

https://www.klicksafe.de/themen/problematische-inhalte/desinformation-und-meinung/tipps-fuer-eltern-und-paedagogische-fachkraefte/

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Tobias Bauer, Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Magdalena Tanner