Stellungnahmen

Jugendhilfeleistungen für junge Geflüchtete

München, 27. Oktober 2016

SOS-Kinderdorf fordert Hilfeleistung und schließt sich dem Appell zur Jahreskonferenz der Ministerpräsidenten an

„Junge unbegleitete Flüchtlinge brauchen Unterstützung und keine Diskriminierung“, sagt Dr. Birgit Lambertz, Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorfvereins. SOS-Kinderdorf e.V. betreut seit Jahren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und auf Grundlage des § 41 des SGB VIII auch junge volljährige Flüchtlinge. „Wir müssen jungen Flüchtlingen die Hilfe zukommen lassen, die sie für ihre Entwicklung zu einer gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit brauchen und die ihr Wohl unterstützt“, erläutert Lambertz.

Besondere Regelungen, die für junge Flüchtlinge vorrangig andere Hilfen als für Kinder und Jugendliche, die keine Flüchtlinge sind, in Betracht ziehen, verstoßen gegen die UN-Kinderrechtskonvention. SOS-Kinderdorf e.V. schließt sich dem Appell vieler Organisationen an, die sich gegen einen Beschlussvorschlag des Freistaates Bayern für die Jahreskonferenz der Regierungschefs der Bundesländer aussprechen, der vorsieht, für Flüchtlinge vorrangig geringer wertige Leistungen umzusetzen. Aus Sicht der Organisationen ergeben sich dadurch gesamtgesellschaftlich negative Effekte, volkswirtschaftlich wäre es kurzsichtig und gerade mit Blick auf minderjährige Flüchtlinge für eine gute Integration hinderlich.

Rechtlich ist geregelt, dass der individuelle Betreuungsbedarf bei der Unterstützung entscheidend ist. Häufig wird dies aber in der Praxis nicht umgesetzt. Aus Sicht der Kinderhilfsorganisation muss § 36 SGB VIII auch im Umgang mit jungen Geflüchteten Beachtung finden: Das dort beschriebene so genannte Hilfeplanverfahren dient dazu, geeignete Erziehungshilfen für Kinder, Jugendliche und Familien zu finden und Ziele und Rahmenbedingungen der Hilfe festzuschreiben. Dementsprechend muss auch zusammen mit jungen Flüchtlingen eine geeignete Perspektive für ein eigenverantwortliches Leben erarbeitet werden.

Vielfältige Angebote für junge Flüchtlinge

SOS engagiert sich gemäß dem Ausspruch des Gründers der SOSKinderdörfer, Hermann Gmeiner, „alle Kinder dieser Welt sind unsere Kinder“ sowohl im Ausland, in den Herkunftsländern der Flüchtlinge, sowie schon seit vielen Jahren an verschiedenen Standorten in Deutschland. Seit dem letzten Jahr hat der Verein auf den vermehrten Zuzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge reagiert, indem Angebote neu aufgebaut oder erweitert wurden. Das praktische Engagement des Kinderhilfswerks reicht vom Betrieb von Clearinghäusern über betreute Jugendwohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, spezifische berufsorientierte Angebote und Bildungsangebote bis hin zur Aufnahme ganzer Flüchtlingsfamilien. Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen zeigt immer wieder die große Bedeutung von Bildung für diese oftmals benachteiligte Gruppe. SOS-Kinderdorf agiert daher nach dem Grundsatz, Flüchtlingskinder nicht nur mit dem Nötigsten zu versorgen, sondern ihnen auch Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und Bildung zu eröffnen.

Vielfalt miteinander leben

SOS-Kinderdorf setzt sich seit 60 Jahren auf vielfältige Weise dafür ein, dass junge Menschen unterschiedlicher Herkunft ein Zuhause erhalten. Immer steht dabei im Mittelpunkt, Kindern und Jugendlichen die beste Unterstützung in ihrer jeweiligen Situation zu geben. Die Idee Hermann Gmeiners, Kindern Geborgenheit und Chancen zu schenken, war der Ansporn zur Gründung der Kinderdörfer, aber auch um zahlreiche andere Angebote zu entwickeln: Der SOS-Kinderdorfverein begleitet Mütter und ihre Kinder von Anfang an in Mütterund Familienzentren. Er bietet Frühförderung in seinen Kinder- und Begegnungseinrichtungen. Jugendlichen steht er zur Seite mit offenen Angeboten, bietet ihnen aber auch ein Zuhause in Jugendwohngemeinschaften sowie Perspektiven in Berufsausbildungszentren. Ebenso gehören zum SOS-Kinderdorf e.V. die Dorfgemeinschaften für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen. Sie finden dort einen Ort, an dem sie geborgen und selbstbestimmt leben und arbeiten können.