Sozialpolitische Positionierung

SOS-Kinderdorf zur Reform des SGB VIII: Kinderhilfsorganisation fordert Verschiebung der Entscheidung in nächste Legislaturperiode

München, 6. Juli 2017

Die geplante Reform des SGB VIII soll kurzfristig auf die Tagesordnung der morgigen Bundesratssitzung aufgenommen und abschließend behandelt werden. Auf Grund des Zeitdrucks zum Ende der Legislaturperiode kommt nur ein sehr reduzierter und letztlich inhaltlich nicht ausgereifter Gesetzestext zu Abstimmung. SOS-Kinderdorf unterstützt die breite Kritik der Fachwelt und fordert, das Vorhaben in der nächsten Legislaturperiode erneut aufzunehmen und ein Gesetz zu erarbeiten, das eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe ermöglicht, die vielfältigen Aspekte des Kinderschutzes in einem fachlichen Gesamtzusammenhang regelt und die Rechtsstellung von jungen Volljährigen stärkt. „Jetzt den Entwurf im Schnellverfahren freizugeben, wäre kurzsichtig und lässt viele Frage offen. Er schreibt Lösungen fest, die einen hohen bürokratischen Aufwand mit sich bringen und vermutlich nicht von langer Dauer sind.“ sagt Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf e.V.

Besonders kritisch sieht die Hilfsorganisation die vorgesehenen separaten Rahmenverträge für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Aus Sicht von SOS-Kinderdorf muss ausschlaggebend für die Hilfe weiterhin der individuell ermittelte Bedarf des jungen Menschen sein und nicht seine Herkunft. „Junge Menschen brauchen eine bedarfsangemessene Betreuung und Unterstützung, um Entwicklungsaufgaben wie Schule und Berufseinstieg erfolgreich zu bewältigen und zu sozial verantwortlichen Mitgliedern einer Gesellschaft heranzuwachsen“, betont Lambertz. „Und zwar unabhängig davon, ob sie hierbleiben oder in ihre Herkunftsländer zurückkehren werden.“

Vielfältige Angebote für junge Flüchtlinge

SOS-Kinderdorf engagiert sich sowohl im Ausland, in den Herkunftsländern der Flüchtlinge sowie schon seit vielen Jahren an verschiedenen Standorten in Deutschland für junge Flüchtlinge und ihre Familien. Auf den vermehrten Zuzug unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge hat der Verein reagiert, indem Angebote neu aufgebaut oder erweitert wurden. Das praktische Engagement des Kinderhilfswerks reicht von der Betreuung von Jugendwohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge über spezifische berufsorientierte Angebote und Bildungsangebote bis hin zur Aufnahme ganzer Flüchtlingsfamilien. Die Arbeit mit jungen Flüchtlingen zeigt immer wieder die große Bedeutung von Bildung für diese oftmals benachteiligte Gruppe. SOS-Kinderdorf agiert daher nach dem Grundsatz, Flüchtlingskinder nicht nur mit dem Nötigsten zu versorgen, sondern ihnen auch Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe und Bildung zu eröffnen.