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Aktionsplan Kinderschutz internationale Arbeit SOS-Kinderdorf
Kinderschutz in der internationalen Arbeit

Maßnahmenplan zur Stärkung des Kinderschutzes

Der Maßnahmenplan zur Stärkung des Kinderschutzes zeigt die Maßnahmen auf, die SOS-Kinderdorf International aufgrund der Empfehlungen des „Independent Child Safeguarding Review“ eingeleitet hat. Die geplanten Verbesserungen bauen auf einem umfangreichen Kinderschutzsystem auf, das seit 2008 weltweit implementiert wird. Seit Bestehen der Organisation lässt sich der Kinderschutz bei SOS-Kinderdorf in vier Phasen einteilen:

Phase 1 (1949-2004): Pioniere für Kinderschutz
  • Nach dem 2. Weltkrieg etablieren die SOS-Kinderdörfer in Österreich ein familiennahes Betreuungsmodel als Alternative zur Heimunterbringung. Das Modell ermöglicht verlassenen Kindern ein liebevolles Aufwachsen und schützt sie vor Vernachlässigung.
  • Die SOS-Kinderdorf-Idee verbreitet sich über die ganze Welt. Alle Programme sind lokal verankert, so ist auch in Krisenzeiten eine kontinuierliche, verlässliche Betreuung der Kinder möglich.

Mit der globalen Verbreitung rücken Qualitätssicherung und Professionalisierung in den Fokus:

  • 1978 wird die Rolle der SOS-Kinderdorf-Mutter als sozialer Beruf anerkannt, inklusive festgelegter Berufsbeschreibung und -ausbildung.
  • In den 1990er-Jahren werden die ersten Regionalbüros gegründet, um weltweit die Qualität der Betreuung zu garantieren.
  • 2002 werden weltweit gültige Standards für Mitarbeitende von SOS-Kinderdorf festgelegt.
Phase 2 (2005-2012): Fundamentlegung für professionellen Kinderschutz


  • Betreuung und Kinderschutz werden kontinuierlich professionalisiert.
  • 2008 verabschiedet die Generalversammlung von SOS-Kinderdorf International weltweit geltende Kinderschutz-Richtlinien für alle Programme.
  • In den Folgejahren werden die Richtlinien ergänzt und präzisiert, unter anderem durch definierte Regeln für „Reporting & Responding Procedures“ sowie „Child Protection Investigations“.
  • 2011 wird der „Code of Conduct“ verabschiedet. Er verpflichtet die Mitarbeitenden weltweit auf verbindliche Standards und respektvolles Verhalten und trägt entscheidend zur Sicherheit der Kinder bei.

Die Kinderschutzrichtlinie und der „Code of Conduct“ bilden bis heute die Grundlage des Kinderschutzes bei SOS-Kinderdorf.

Phase 3 (2013-2020): Der Kinderschutz wird weiter verbessert
  • 2018 wird die Leitlinie      „SOS-Care Promise“ verabschiedet, die verbindliche Qualitätskriterien für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen festlegt.
  • Das regionale und globale Kinderschutznetzwerk wird signifikant gestärkt und ausgebaut.
  • Weitere Trainings und Präventivmaßnahmen sowie verbesserte Melde- und Reaktionssysteme werden etabliert.
  • In allen Ländern, in denen es SOS-Kinderdörfer gibt, werden jährliche Datenerhebungen zum Kinderschutz verbindlich eingeführt.
  • Auf dieser Grundlage wird       der jährliche Kinderschutzreport erstellt, der seit 2018 öffentlich einsehbar ist.
  • Die unabhängige Kinderschutzorganisation „Keeping Children Safe“ erteilt SOS-Kinderdorf International die Level-1-Zertifikation und stuft unser Kinderschutzsystem damit als stabil und verlässlich ein.
  • 2017 beginnt „Keeping Children Safe“ mit der Arbeit am „Independent Child Safeguarding Review“ (ICSR): Im Auftrag von SOS-Kinderdorf International untersucht „Keeping Children Safe“ in der Vergangenheit liegende Kinderschutzvorfälle. Unser Ziel ist, aus der Vergangenheit zu lernen, Lücken zu schließen und den Kinderschutz weiter zu verbessern.
Phase 4 (2021-2024): Schaffen von neuen Perspektiven

Maßnahmenplan für den Schutz von Kindern und Jugendlichen

  • In allen Ländern werden verlässliche Reportings und Response-Prozesse etabliert.
  • Die Kapazitäten für den Schutz von Kindern und Jugendlichen werden weiter ausgebaut.
  • In 70 bis 100 Programmstandorte wird gezielt investiert, um die Standards zu verbessern und den Kinderschutz zu stärken.
  • Mitarbeitende werden regelmäßig im Kinderschutz geschult und bekommen verpflichtende Supervisionen, um die hohe Qualität unserer Betreuung sicherzustellen.
  • Personalstrukturen und Verantwortlichkeiten werden klar definiert.
  • Kinder und Jugendliche erhalten Präventions-Trainings und bekommen verstärkt Möglichkeiten zur bedeutungsvollen Partizipation – ein wichtiges Element für eine vertrauensvolle, sichere Umgebung.
  • Risikobewertung: In 25 Krisenländern werden unsere Programme gezielt unterstützt, um den Kinderschutz auch unter schwierigsten Bedingungen sicherzustellen. Ein intensives Monitoring begleitet die Entwicklung.
  • Ombudspersonen-System: Externe Opferanwälte ergänzen die internen Kinderschutzmechanismen. Die Opferanwälte beraten, unterstützen und begleiten Betroffene.

Unterstützung von Betroffenen und Opferschutz

  • Innerhalb des Internationalen Managements wird eine neue Leitungsposition geschaffen, die für den Opferschutz zuständig ist. Die Person ist dafür verantwortlich, dass Betroffene Unterstützung erhalten und auf Vorfälle angemessen reagiert wird.
  • Auf regionaler und nationaler Ebene werden interne Opferschutz-Positionen geschaffen und von unabhängigen Partnern externe Audits durchgeführt.
  • Um Betroffene zu unterstützen, werden internationale Sondermittel zur Verfügung gestellt (bis 2024 rund 10 Mio. Euro). Die nationalen Vereine von SOS-Kinderdorf halten entsprechende Rücklagen bereit.
  • Weltweit wird ein einheitliches Fall-Management-System etabliert. Dazu gehören die Pflege einer Datenbank, in die auch die Analyse langfristiger Unterstützungsmaßnahmen mit einfließt, sowie externe Audits des Systems. Mitarbeitende werden darin geschult, Fallprotokolle nach festgelegten Standards zu erstellen.
  • Es wird festgelegt, dass die Leitungspersonen des SOS-Kinderdorfvereins im jeweiligen Land persönlich Verantwortung für den Opferschutz und die Unterstützungspläne für die Opfer tragen.
  • Entsprechend der „Independent Child Safeguarding Review“ sollen unabhängige Experten auch in Zukunft regelmäßig Kinderschutzvorfälle aus der Vergangenheit untersuchen. Unser Ziel ist, den Kinderschutz bei SOS-Kinderdorf International fortlaufend zu reflektieren und wo nötig zu verbessern.
  • Alle Opfer erhalten schnellen und transparenten Zugriff auf ihre Daten.